Verrenberg Historisch

Haus Nr. 15 in Verrenberg (Heute verläuft hier der Kastanienweg)

Haus Nr. 15 um 1908
Aufnahme von 1908

Aufnahme von ca. 1920
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Haus Nr. 15 um 1926
Aufnahme von 1926
Haus Nr. 15 Giebelseite vor dem Abriss
Aufnahme vor Abriss

Aufnahme vor Abriss
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Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1833; Haus Nr. 15
Urkataster von 1833
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 15
Karte von 1818

Lage des Haus im Ort



Die Bewohner

Im Lagerbuch von 1684 steht Albrecht Sebold Meißner Wittib als Besitzerin eines Graß- und Baumgartens.
In einem ersten Nachtrag wurde der Platz dann aufgeteilt auf:
- Georg Lorenz Meisner (Sohn oo 1666). Aus dieser Ehe scheinen keine Kinder überlebt zu haben. Er starb 1685, seine Frau 1693. Vermutlich übernahm der Schwager Hans Heinrich Bauser.
- Hans Heinrich Bauser (Schwiegersohn oo unbekannt)
So war Hans Heinrich Bauser vermutlich spätestens nach 1693 Besitzer beider Hälften.

Der nächste Nachtrag gibt dann folgende Besitzer an:
- Hans Leonhard Bauser. Vermutlich hat er diese Hälfte bei seiner Hochzeit 1709 von seinem Vater übernommen. Er starb 1717.
- Hans Heinrich Bauser. Er hatte die zweite Hälfte für sich zurück behalten.

Im Lagerbuch von 1740 wird von zwei Teilen gesprochen, beide Graß- und Baumgarten. Diese gehörten:
(Haus)hälfte b: Hans Peter Wied, er hatte 1719 die Witwe des Hans Leonhard Bauser geheiratet. Vermutlich ging seine Witwe 1754 nach Rappach.
   Wer war der Käufer? Hans Heinrich Bauser (bzw. dessen Witwe)? Oder der Schwiegersohn Johann Michael Wenninger?
(Haus)hälfte a: Hans Heinrich Bauser. Auch diese Hälfte müsste an den Schwiegersohn Johann Michael Wenninger gegangen sein.


Wann wurde das Haus erbaut? 1740 waren beide Teilflächen noch Graß- und Baumgarten, 1818 stand jeweils eine Haushälfte darauf.
War es ursprünglich ein Haus, das geteilt wurde? Oder wurde es gleich als Doppelhaus gebaut. Denkbar wäre auch, das erst die eine Hälfte gebaut wurde und später die Zweite dazu kam.
Die Beschreibung im Schätzungsprotokoll von 1896 (Feuerversicherung) lässt die erste Variante vermuten.
Das dort angegebene Alter von 200 Jahren sollte man so interpretieren: Es war sehr alt, mindestens 150 Jahre ohne Limit nach oben.
So war es vermutlich Johann Michael Wenninger, der nach seiner Hochzeit 1748 das komplette Haus erbaute

Haushälfte a:

Im Messbuch von 1818 wird Andreas Wenninger als Besitzer genannt (1/2 Haus, 1/2 Scheune, 1/2 Hofrecht).
Vermutlich hat er es zu seiner Hochzeit 1787 von seinem Vater Johann Michael Wenninger erkauft.

1825 verkaufte die Witwe des Andreas Wenninger das Haus um 400fl. an ihre Tochter Eva Catharina und deren Mann Christian Johann Bort.
Es wird in diesem Eintrag im Kaufbuch nicht von einem halben Haus gesprochen, hat dies etwas zu bedeuten?

Bei der Erstellung des Urkatasters 1839 wurde als Eigentümer dieser Hälfte Christian Bort genannt. 1855 verkaufte er seine Haushälfte.

1855-56 wird dann Georg Bernhard Schumacher als Besitzer genannt. Er hatte 1852 nach Verrenberg eingeheiratet. Aber bereits 1857 zog er nach Öhringen.

Im Schätzungsprotokoll von 1861 wird ein Albrecht Staufer als Eigner der Hälfte genannt.

Der Besitzer der zweiten Haushälfte, Georg Peter Sailer hat sich seit 1859 über eine schadhafte Wand beschwert, die im Winter 1861/62 teilweise eingefallen ist.
Am 28.April 1862 reicht er eine Beschwerde in Ellwangen ein. Der Fall wurde dadurch erledigt, dass es am 17.Mai 1862 heist, Albrecht Staufer habe seine Hälfte verkauft und der neue Besitzer habe die Reperatur zugesagt. War die Reperatur so umfangreich, dass der neue Besitzer Friedrich Ruth 1877 seine Haushälfte als neu bezeichnen konnte?

Im Feuerversicherungsbuch von 1869 wird Friedrich Ruth als Besitzer genannt (er wanderte 1883 nach Nordamerika aus). Johann Hobach (er starb 1889) kaufte das halbe Haus am 06.Februar 1883 um 1525fl.. Dazu gehörte:
- 2 stockiges Wohnhaus mit gewölbtem Keller
- halbe Scheune südlicher Teil mit 2 Barn und Stallung
- 69 met. gemeinschaftlicher Hofraum mit Pumpbrunnen mitten im Dorf. Dieser Brunnen ist gemeinschaftl. Zubehör zu Geb. No.15 und 18.
- 67 met. Gemüsegarten neb dem Haus N.16, 17 und  Geb Nr ...


1890 war dann Friedrich Robert Karl Hörner auf dem Haus. 1900 wird im Feuerversicherungsbuch sein Stiefsohn Christian Vogg als Eigner bezeichnet.
Für 1920 ist dann Friedrich Feucht angegeben.

Nachdem das Haus Nr. 45 der Familie Friedrich Wilhelm Heinrich abgebrannt war, wohnte sie hier in Miete.



Haushälfte b:
Johann Michael Wenninger war ursprünglich Besitzer des gesamten Hauses.
Vermutlich verkaufte er diese Haushälfte 1788 an seinen neuen Schwiegersohn Johann Ludwig Carle.
Als dieser 1808 starb heiratete seine Witwe 1809 Georg Michael Grockenberger.

Im Messbuch von 1818 wird Georg Michael Grockenberger als Besitzer genannt (1/2 Haus, 1/2 Scheune, 1/2 Hofrecht).

Es scheint, als hätte die Witwe 1822 (nach dem Tod ihres 2.Mannes) finanzielle Probleme gehabt, so dass ihre Haushälfte zur Versteigerung kam.
Sie kaufte 1822 ihre Hälfte des Hauses Nr.15 aus der Versteigerungsmasse. Georg Kimmel war dabei Ihr Bürge.

Zu vermuten ist, dass ihr Schwiegersohn Balthas Weidelich die Haushälfte 1836 kaufte.

Bei der Erstellung des Urkatasters 1839 wurde als Eigentümer dieser Hälfte Balthas Weidelich genannt. Er zog nach dem Tod seiner Frau 1846 nach Unterheimbach.

Karl Kettner Im Öhringer Intelligenzblatt schreibt Balthes Weidelich seinen Hof am 24.Juni 1845 zum Verkauf aus.

An diesem 24.Juni 1845 kam es zum Verkauf der gesamten Liegenschaft. Der Käufer war Georg Leonhard Carle. Er musste 1174fl. bezahlen.

Georg Leonhard Carle wurde 1851 vergant. Daraufhin wurde der Verkauf des Hofes zum 15.01.1852 im Hohenloher Boten ausgeschrieben.



1855-56 wird dann Georg Leonhard Carle als Besitzer genannt. Er hatte 1846 geheiratet. Nach seinem Tod 1862 ging seine Witwe 1866 zurück nach Michelbach, wo sie herstammte.


Im Schätzungsprotokoll von 1861 wird ein Friedrich Sailer als Eigner der Hälfte genannt. Vermutlich war Georg Peter Sailer gemeint.
In einer Beschwerde des Georg Peter Sailer vom 28.April 1862 schreibt er, dass nicht er, sondern seine Eltern diese Haushälfte bewohnen.

Sein Schwiegersohn Johann Georg Schanzenbach hat zu seiner Hochzeit 1865 die Haushälfte gekauft. Im Schätzungsprotokoll von 1869 wird er als Besitzer genannt.

Seine Tochter Friederike Christine Schanzenbach heiratete 1886 Johann Christoph Kettner. Dieser übernahm das lebenslange Wohnrecht für die Peter Sailer Eheleute und deren Tochter Friederike. Er zahlte für Haushälfte und Güter 7800 Mark.
Im Feuerversicherungsbuch wird als Nachbesitzer Friedrich Kettner angegeben. Der letzte Bewohner war Karl Kettner.


Bauliche Entwicklung

Im Lagerbuch von 1684 steht Albrecht Sebold Meißner als Besitzer eines Graß- und Baumgartens.

Im Lagerbuch von 1740 sind hier noch zwei Stücke "Gras- und Baumgarten" ausgewiesen.
Es gehörte zum "Wolf Schumachers" Lehen.

Es ist zu vermuten, dass das Haus erst lange, nachdem es erbaut wurde, geteilt wurde.

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Friedrich Ruth

Johann Georg Schanzenbach

je die Hälfte
Ein zweistockiges Wohnhaus von Stein und Fachwerk mit Giebeldach 54'
29,5'
18,5'
21'
2.   1 1 2 1 gew. Keller
2 Dachböden mit 2 Kammern
Ziegel der erste Stock Stein sonst gem. Fachwerk 1 Backofen Fundament, Keller u. Sockelmauern --- 1600 IV 2000 alter Anschlag 1000f.
(1861)


Hohenloher Bote 5.April 1877- Hofverkauf Friedrich Ruth Verrenberg In einer Verkaufsanzeige vom 5.April 1877 im Kocherboten wird das Haus als " ... ein neuerbautes Haus ..." bezeichnet.
Was ist hier mit neuerbaut gemeint?
Der Besitzer der zweiten Haushälfte, Georg Peter Sailer hat sich seit 1859 über eine schadhafte Wand beschwert, die im Winter 1861/62 teilweise eingefallen ist.
Am 28.April 1862 reicht er eine Beschwerde in Ellwangen ein. Der Fall wurde dadurch erledigt, dass es am 17.Mai 1862 heist, Albrecht Staufer habe seine Hälfte verkauft und der neue Besitzer habe die Reperatur zugesagt. War die Reperatur so umfangreich, dass der neue Besitzer Friedrich Ruth 1877 seine Haushälfte als neu bezeichnen konnte?



Haus No.15 in Verrenberg 1896 Haus No.15 in Verrenberg 1896 Skizzen des Haus No 15 in Verrenberg - 1896


In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
1) Hörner Friedrich Schmied
Kettner Christoph Weingärtner
2 stockiges Wohnhaus von gemischter Bauart unter Giebeldach 15.30
8.45
Erdg 2.50
I.Stock 2.60
Dach 5.80
Hörner: 1 EG
Kettner: 1 I.Stock
  Hörner: 2 EG; 1 I.Stock; 2 Dachboden
Kettner: 4 I.Stock; 2 Dachboden
Hörner: 1 EG
Kettner: 1 I.Stock
Hörner: 1 Hörner: 1/2 gem Keller, 1 Futterremise
Kettner: 1/2 gem Keller
Gemeinschaftl.: Treppen und Vorplätze
Dachplatten 1/3 Stein 2/3 von ausgem Fachwerk; Backofen im I.Stock auf Holz Gebälk und nicht 4.29 z.D. von der Scheuer entfernt Hörner: Fundamente u gewölbter Keller
Kettner: Fundamente u gewölbter Keller
Hörner: 2100
Kettner: 2000
IV Hörner:2625
Kettner: 2500
Alter ca. 200 Jahre
Unterhaltung schlecht

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheune 15a
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Hörner Friedrich 1 stockige Scheuer von Fachwerk mit No.15b unter gleichem Giebeldach u mit gemeinschaftlicher Scheidewand zusammen gebaut 7.65
9.70
4.30
Dach 5.80
          1 Tenne
1 Bare
Dachplatten teils aus gem. teils aus geschliertem Fachwerk   Fundament 1200 IV 1500 Alter ca. 200 Jahre
Unterhaltung mittelmäßig

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheune 15b
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Kettner Christoph 1 stockige Scheuer von gemischter Bauart mit No.15a unter gleichem Giebeldach u mit gemeinschaftlicher Scheidewand zusammen gebaut 7.65
9.70
4.30
Dach 5.80
        1 1 Tenne
1 Bare
Dachplatten Stallwände von Stein, sonst von teils ausgem. teils geschliertem Fachwerk   Fundamente u Bodenbelag im Stall 1320 IV 1650  

Das Haus wurde inzwischen abgerissen. An dieser Stelle verläuft jetzt der Haselweg.
Unter dem Haus war ein riesiger gewölbter Keller.

Lagerbuch 1684, 1740 und Messbuch von 1818


Lagerbuch 1684 Haus 15

Lagerbuch 1740 Haus 15

Messbuch 1818
Haushälfte a

Messbuch 1818
Haushälfte b

Der Eintrag im Primärkataster von 1839

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 15

Nachtrag zum Primärkataster, 1855-56

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1855-56; Haus 15 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1855-56; Haus 15

Ergänzungskarte zum Primärkataster

Ergänzungskarte zum Primärkataster Verrenberg 1833; Haus 15

 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Messbuch von 1818
Staats Archiv Ludwigsburg StAL F 192 III_Bue 5024