Verrenberg Historisch

Haus Nr. 19 in Verrenberg (Golbergstraße 15)


Aufnahme von 1956
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 19
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1833; Haus Nr. 19
Urkataster von 1833

Lage des Haus im Ort

Aufnahme von 2005

Aufnahme von 2005

Aufnahme von 2005

Aufnahme von 2017

Aufnahme des Keller von 2017




Die Bewohner

Vermutlich war um 1800 Johann Georg Weippert auf diesem Hof. Hatte er ihn gekauft (von Johann Michael Scheifler?), oder in 1. oder 2. Ehe eingeheiratet?

Bei der Erstellung des Urkatasters 1839 wurde als Eigentümer sein gleichnamiger Sohn Georg Weipert genannt.
Die Hälfte des Kellers gehörte dem Sonnenwirth Gottlieb Atz. Dieser tauschte diesen 1846 gegen das Haus Nr.23 des Johann Balthes Käppler

Im Schätzungsprotokoll von 1861 wird Weipert´s Schwiegersohn Johann Jacob Sebbach als Besitzer genannt.

Am 10.03.1890 verkaufte er seinen Hof an seinen Schwiegersohn Christian Michael Hettenbach um 15 000 Mark
Die Verkäufer behalten sich das lebenslange Wohnrecht für sich und die 5 Kinder vor, solange diese ledig sind.
Dieser wird so beschrieben:
- ein 1.stockiges Wohnhaus mit gewölbtem Keller
- eine Scheune unter einem Dach

Der Viehbestand wird so beschrieben:
1 Kuh mit Kalb 325 Mark
1 Kuh 225 Mark
dto 200 Mark
Rind 230 Mark
dto 300 Mark
Reipling 190 Mark
Hühner a 2M50d           30 Mark
P.S.: Reipling: weibl. Kalb ein Jahr alt.

Da dieser im selben Jahr noch nach Kesselfeld zog, übernahm 1892 wieder sein Schwiegervater  Johann Jakob Seebach den Hof. Dieser übergab den Hof an seinen Sohn Jacob David Sebbach.
Im Feuerversicherungsbuch von 1896 ist dieser Jakob David Sebbach als Besitzer eingetragen.

Sein Sohn Jacob David Sebbach übernahm den Hof. Nach seinem Tod 1917 heiratete seine Witwe Johann Christian Jacob Schmelzle. Er zog 1927 auf den Hof Nr.56.

Der folgende Eintrag gibt für 1927 Wilhelm Herbst an.
Ein nichtdatierter Nachtrag gibt dann Friedrich Waldbüßer als Besitzer an. Die Familien Herbst und Waldbüßer hatten die Häuser (Nr.19 und Nr.43 getauscht).
Sein Sohn Friedrich Waldbüßer war dann der nächste Eigentümer.
Im Sommer 2016 wurde der Hof dann verkauft.

Friedrich Waldbüßer war, wie sein Vater, Hausmetzger. Mit ihm starb diese Tradition aus.


Bauliche Entwicklung

Die Bewohner dieses Hauses waren Teilhaber an dem Brunnen des Hauses Nr.20
Sie haten zudem im gewölbten Keller einen eigenen 14 Meter tiefen Brunnen

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Jakob Seebach Ein einstockiges Wohnhaus und Scheuer mit Fachwerk unter Giebeldach 43'
38'
8,5'
20'

20,5'
38'
13'
20'
1.   1 1 1 1 gew. Keller
2 Dachböden mit 4 Kammern

1 Tenne
Ziegel das Haus von Fachwerk 1/2 Stein gemauert   Fundament, Keller u. Sockelmauern --- 1000
350
IV 1250
437
alter Anschlag 600f/400f.
(1861)


In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Sebbach Jakob Bauer 1 stockiges Wohnhaus von Fachwerk unter Giebeldach ohne eigene Wand an die Scheuer angebaut 7.50
10.80
2.30
Dach 6.50


1 EG   1 EG
2 Dachboden
1 EG   1 gewölbter Keller Dachplatten ausgemauertes Fachwerk keine Mauern unter Fußboden des Erdgeschoßes u der gewölbten Keller 2400     Alter ca. 200 Jahren
Unterhaltung gut
Unter neb Anschlag von 2400M inbegriffen ist: 1 Abtrittsgehäuse, ausgenommen Fundament und Grube im Anschlag v 40M

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheuer
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
derselbe 1 stockige Scheuer mit eigener Wand angebaut von gem Bauart unter Giebeldach 1876 neu erbaut 13.75
10.80
2.30
Dach 6.50
        1 1 Tenne
2 Barn
Dachplatten Stallwände von Stein sonst von ausgemauertem Fachwerk keine Fundament 3320     Alter 20 Jahre
Unterhaltung gut
Unter neb Anschlag von 3400M inbegriffen ist: 1 Futterschneidmaschiene Anschlag 50M 1 Lederriemen 16.00lg 60mm brt 30M


Laut Feuerversicherungsbuch von 1896 wurde die Scheune 1876 neu gebaut.
Vermutlich war der Umbau aber wesentlich umfangreicher. Wenn man die Maase aus den Feuerversicherungsbücher von 1869 und 1896 vergleicht, ergibt sich folgendes:
  • Das Haus wurde ca. 4,7m kürzer
  • Die Scheune wurde ca. 7,9m länger
  • Das ganze Gebäude wurde damit ca. 3,2m länger
Die Karte rechts zeigt die baulichen Veränderungen.
Die neue Scheune ist Gelb eingezeichnet

Bildmontage rechts:
So in etwa könnte das Gebäude vor 1876 ausgesehen haben.
Einem großem Wohnbereich mit jeweils 2 Dachböden als Gedreitespeicher stand nur eine kleine Scheune zur Seite. Dies zusammen mit einem richtigen großen gewölbten Keller.
Was war die ursprüngliche Bestimmung des Hauses?
War hier ursprünglich die alte Zehntscheuer? Dann wäre vermutlich darin ursprünglich kein Wohnbereich gewesen.
Die neue Zehntscheuer war ab ca. 1817 in der Scheune Nr.7.

Noch 1896 lesen wir von 2 Dachböden. 1922 wurden im unteren Dachboden 2 Kammern eingerichtet.
Karte 1876 Haus 19 Verrenberg
Foto von 1956

So könnte das Gebäude vor 1876 ausgesehen haben


In Verrenberg heist es, dass der große Keller (unter Haus und Scheune) ursprünglich den Hohenloher Fürsten gehörte und erst später darauf ein Wohnhaus erstellt wurde. Es gab aber Kellereien in Öhringen und Pfedelbach, so dass hier zumindest ein Fragezeichen angebracht ist.
Der große Keller diente im II.WK als Schutzraum. Welche Funktion hatte er ursprünglich?

Der Eintrag im Primärkataster von 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 19

Nachtrag zum Primärkataster 1875-76

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg 1875-76; Haus 19 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg 1875-76; Haus 19

 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869