Verrenberg Historisch

Haus Nr. 47 in Verrenberg (Golbergstraße 14)


Aufnahme von 1907

Aufnahme von 1918

Aufnahme von 2005

Aufnahme aus den 1970er, Wirtschaft und Kaufladen
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 47
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1833; Haus Nr. 47
Urkataster von 1833

Lage des Haus im Ort


Zum Tanz wird geladen, Verrenberg 1847

Das Schankrecht

Der aktuelle Stand der Forschung legt nahe, dass zumindest von 1623 bis 1826 die Sonne die einzige Wirtschaft im Ort war.

Es war der Schmiedmeister Mäule, der 1842 die "Consesion zum Weinschankrecht" beantragte (und wohl auch bekam) und damit die Wirtschaft in diesem Haus begründete. Der Zeitungsausschnitt (rechts) von 1847 zeigt eine Zeitungsanzeige von Mäule
Im Gemeinderatsprotokoll vom 05.April 1845 wird die Visitation der Wirthe geregelt.
Da die Maase und Trinkgeschire der Wirthe jährlich 2mal visitiert werden sollen, so wurde
Beschlossen
Es sollen mit dieser Visitation
Gemeinderath Ilg und
Gemeinderath Kraft
beauftragt, und sollen dieselben auf den Befehl des Ruggerichts …….. Buches bl. 58b ...§.1. aufmerksam gemacht werden.
Am 10.März 1853 bittet der als Speisewirth bezeichnete Jacob Mäule um die Konzession für eine Schildwirtschaft. Er führt dazu aus, dass ihm "schon vor mehreren Jahren" die Concession für eine Speisewirtschaft erteilt wurde und diese so erfolgreich war, dass er sein Wohnhaus "um ein Bedeudentes" erweitern musste, "um die erforderlichen Gelaße zu erlangen".
Durch diese Erweiterung hatte er sich so verschuldet, dass er trotz gut gehender Geschäfte seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Seine Hoffnung setzte er auf eben diese Konzession einer Schildwirtschaft. Sein Schwiegersohn in spee Jakob Friedrich Grabert würde das Gasthaus übernehmen, wenn eben die Schildgerechtigkeit gegeben wäre. Dieser besitze auch das notwendige Vermögen, um die entsprechende Einrichtung zu bezahlen.
Seine Bitte war vergebens, so dass er seinen Besitz verkaufte und 1854 nach Amerika auswanderte.

1860 wurde Johann Mornhinweg, auf dessen Bitte, das Konzessionsgeld von 50fl.

1878 musste Wilhelm Friedrich Hüttinger, für die "Concession zum Ausschank von Wein, Obstmost und Brandwein" 50,60 Mark bezahlen.
Am 24.Oktober 1878 wird die Concession für den Obstmost zurück gezogen und statt dessen der Bierausschank erlaubt.
Drei Jahre später erhält er, gegen eine Gebühr von 15 Mark, wieder das Recht Obstmost auszuschenken.

Eberhard Gottlob Apenzeller beantragt 1885 die "WirthschaftsConzession". Für das Recht Wein, Obstmost, Bier und Brandwein auszuschenken musste er 70 Mark bezahlen.
Er zog bereits 1886 wieder nach Backnang.

Johann Georg Michael Kister musste 1886 für die gleichen Schankrechte wie sein Vorgänger exakt den gleichen Betrag bezahlen.

1992 wurde dann das Gewerbe abgemeldet - und das Gasthaus zu Wohnraum umgebaut.

Andere Wirtschaften in Verrenberg:
Schildwirtschaft Sonne (Haus Nr.22 1623-19??)
Gassen Wirtschaft (Haus Nr.37 ab 1826)
Gassen Wirtschaft (Haus Nr.62 um 1877)
Brandweinbrennerei (Haus Nr.14 1861-mind.1923)
Brandweinbrennerei (Haus Nr.28 vor 1845-????)


Die Bewohner

Bei der Erstellung des Urkatasters 1837 wurden als Eigentümer Johann Friederich Röger und Jacob Mäule genannt.

Es spricht einiges dafür, dass die Witwe Maria Magdalena Reger nach dem Tod ihres Mannes 1808 das (Halbe?) Haus kaufte. Sie wohnte zuvor vermutlich im Haus Nr.25.
Hat es Johann Friedrich Reger nach dem Tod seiner Mutter 1829 geerbt oder schon zuvor übernommen?

Eine Anfrage des Schultheisenamt Pfedelbach lässt vermuten, dass Jacob Mäule seine Haushälfte 1832 gekauft hatte.

1839 verkaufte der Sonnenwirth Franz Happold seine Hälfte der Scheune Nr.47 an Jacob Mäule.

1846 verkaufte Friederich Röger seine Hälfte des Hauses an Jacob Mäule um 350fl. Im Gemeinderatsprotokoll steht dazu, dass er "Wohnhausbaufälligkeitshalber veräussern" musste.

Ende 1853 wurde Jacob Mäule vergant und musste alles verkaufen. Er wanderte 1854 mit Frau und Tochter nach Amerika aus.

Da im Nachtrag des Urkatasters von 1854 Louis Merker von Pfedelbach als alleiniger Eigentümer eingetragen ist, wohnte wohl auch Friederich Röger nicht mehr hier. Bereits ein Jahr später, 1855 wird Philipp Bühner (Speisewirth) als Besitzer nachgetragen. Das Haus wurd wegen der Scheidung seiner 1ten Ehe 1859 an Johann Mornhinweg verkauft (Philipp Bühner zog in das Haus Nr.14).

Der Nachtrag des Urkatasters von 1868-69 zeigt, dass Johann Mornhinweg noch Eigentümer war. Er starb 1877 durch Selbstmord. Seine Witwe starb 1878.

In einem Nachtrag zum Feuerversicherungsbuch wird 1879 Wilhelm Friedrich Hüttinger als neuer Besitzer genannt. Da er bereits 1884 und seine Frau 1885 starben, stand das Haus wieder zum Verkauf.

Käufer war am 17.03.1885 der Pfedelbacher Kaufmann Jakob Hilbert. Er bezahlte 2900 Mark für folgendes:
- 1 zweistockiges Wohnhaus mit gewölbtem Keller und Anbau
- 1 einstockige Scheuer von Stein und Fachwerk an No48A angebaut
- 1 einstockiger Schuppen auf Freipfosten
- 1 Backofen
- Hofraum mit Pumpbrunnen woran 5 Personen mit berechtigt

Eberhard Gottlob Apenzeller kaufte das Anwesen am 13.04.1885 um 3600 Mark, zog aber bereits 1886 zurück nach Backnang.
Das Haus hatte er am 31.05.1886 um 5000 Mark an Johann Georg Michael Kister verkauft. Dabei wird auch erwähnt, dass mit verkauft werden "... das sämtliche Wirtschafts Investar und Badeeinrichtung ..."

Aber Johann Georg Michael Kister verkaufte das Gasthaus bereits am 25.07.1888 an die Familie Philipp Jakob Werner um 5675 Mark.

Im Feuerversicherungsbuch von 1896 wird Philipp Jakob Werner erneut als Besitzer genannt.

1907 taucht erstmals das Gasthaus "Rose" auf einer Postkarte auf.

1911 ist dann der Sohn Otto Werner auf der Wirtschaft.
1918 wird er dann als "Rosenwirt" genannt. Nach seinem Tod heiratete die Witwe Friedrich Kühner. Dieser führte das Gasthaus weiter. In der linken Haushälfte betrieb die Familie Kühner später noch einen Kaufladen. Im Keller war früher eine Brennerei.
1987 wurde das ganze Anwesen an Peter Häußler verkauft.
Seit 1993 gibt es eine Eigentümergemeinschaft.


Bauliche Entwicklung

Zum Tanz wird geladen, Verrenberg 1847 Dieser Zeitungsausschnitt von 1847 zeigt, dass der in der Karte von 1833 rot eingezeichnete Anbau in diesem Jahr von Jacob Mäule fertig gestellt wurde.

1854-55 ist keine Veränderung sichtbar.

In diesem Eintrag des Schätzungsprotokoll von 1854 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Gastwirth Bühner Wohnhaus 2stockig beide Holz und Riegelgemäuer südl. 1 steinerner Giebel Plattendach 27'
36'
7,6'/7,5'
18'
4. 3   1 -- 1 gew. Keller
1 Schmiede
Breit Ziegel südl. Seite Stein die andere Holz und Riegelgemäuer Schmiedte nicht gewölbt   --- 1200 IV 1500 alter Anschlag 1600f.
(18??)


In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Johann Mornhinweg Ein zweistockiges Wohnhaus von Fachwerk mit Giebeldach nebst Anbau 41'
29'
16,6'
10'

22,4'
14'
17,6'
15'
4. 3   1   1 gew. Keller
1 Schmiede
1 Dachboden
Ziegel südl. Umfassung wand Stein sonst gem. Fachwerk Schmiede Fundament gew. Keller u. Sockelmauern --- 2075 IV 2593,45 alter Anschlag 1200f.
(1854)


1868-69 wurde die Scheune von Johann Mornhinweg vergrößert.

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Werner Jakob 2 stockiges Wohnhaus von ..... v. gem. Bauart unter Giebeldach 10,55
8,50
Erdg. 2,20
I.Stock 2,40
Dach 4,00
1 EG 2 I.Stock 2 I.Stock 1 EG 1 1 gew Keller
1 heizbares Gastzimmer
1/3 Schenke
1 Laden im heizbar 1 Magazin
Dachplatten .... Giebelseite bis zum Kehlgebälk von Stein, sonst von vorgem Fachwerk mit einerseits 20,0m anderseits 0,30m hohe Sockel Schuppenanbau der gew Keller, die Fundamente 5300     Alter ca. 50 Jahre Unterhaltung mittelmäßig. Unter nebigem Anschlag von 3300 M inbegriffen ist ein Abtrittgehäuse (ausgenommen die Grube
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Werner Jakob 2 stockigem Wohnhaus von gem Bauart auf hohem Sockel von Fachwerk unter einseitigem Giebeldach ohne eigene Wand angebaut 5,95
6,40
Souterrain 2,00
Erdg. 2,20
I.Stock 000/2,00
Dach 4,90/2,70
EG: 1 Gastnebenzimmer 2/3 Schenke   1 I.Stock     Souterrain: 1 offene
1 Schweinestall
Dachplatten unter 2m hohem Sockel von ausgem Fachwerk Halb offen u zusammenhang mit dem Schuppen Fundament u ein haupt Gemäuer im Souterrain 5300      

Haus 47 Verrenberg 1896 Haus 47 Verrenberg 1896 Haus 47 in Verrenberg
Bild links u Mitte: Skizzen der Situation von 1896
Bild rechts: zeigt den baulichen Zustand um 1907


1901-1902 heist es im Staatsarchiv Ludwigsburg (F 192 III Bü 2033): Vergrößerung eines Wohnhauses


1911 wurden im Haus eine elektr. Lichtanlage mit 7 Glühlampen eingerichtet. Im anderen Teil des Wohnhauses waren es sogar 12 Glühlampen

1914 wurde am Haus Richtung Müller angebaut. Auch ein Abort und ein Schuppen kamen an das Haus ran. An der Scheuer wurde ein Schuppen angebaut und der Backofen vergrößert.

1928 wird im Haus das zweite Telefon im Ort erwähnt. Es war eine öffentliche Sprechstelle, die vermutlich aber nicht angerufen werden konnte
Telefonverzeichniss Verrenberg 1928

1939 wurde der große Saalanbau realisiert. Dazu wurde die erst 1914 angebauten Schuppen und der Backofen abgebrochen. An der Hausseite Richtung Müller wurde noch eine Treppe angebaut, die direkt zum neuen Saal führt.

1992 wird das Gasthausgewerbe abgemeldet.
1997 Umbau zu einem Mehrfamilienhaus.

Der Eintrag im Primärkataster von 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 47

Zusatzkarte zum Urkataster 1833

Zusatzkarte zum Urkataster 1833; Haus Nr. 47

Nachtrag zum Primärkataster, 1854-55

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1854-55; Haus 47 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1854-55; Haus 47

Nachtrag zum Primärkataster, 1868-69

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1868-69; Haus 47 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1868-69; Haus 47

Nachtrag zum Primärkataster, 1914 und 1939

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1914; Haus 47 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1939; Haus 47

 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Staatsarchiv Ludwigsburg F 192 III Bü 2033
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1854
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle