Verrenberg Historisch

Haus Nr. 62 in Verrenberg (Am Hiller 5)


Aufnahme von 1926 aus Richtung Bahndamm

Aufnahme von 2005

Tafel an der Scheune, 2005
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 62
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1833; Haus Nr. 62
Urkataster von 1833

Lage des Haus im Ort


Das Schankrecht

Der aktuelle Stand der Forschung legt nahe, dass zumindest von 1623 bis 1826 die Sonne die einzige Wirtschaft im Ort war.

Johann Haußler bittet 1876 erfolgreich um die Erlaubnis, seinen eigenen Wein ausschenken zu dürfen. War er der erste, der dieses Recht auf diesem Haus erteilt bekommen hat?

Andere Wirtschaften in Verrenberg:
Speise Wirtschaft (Haus Nr.47 1842-1992)
Gassen Wirtschaft (Haus Nr.37 ab 1826)
Gassen Wirtschaft (Haus Nr.62 um 1877)
Schildwirtschaft Sonne (Haus Nr.22 1623-19??)
Brandweinbrennerei (Haus Nr.28 vor 1845-????)


Die Bewohner

Im Lagerbuch von 1628 ("Steuerliste" S.620a) ist an dem Platz, wo später (1818) die Scheune 62 steht noch ein eigenständige Hofstelle verzeichnet:
Es wird Michel Schenckhel als Eigentümer genannt. An jährlicher Gülth musste er bezahlen:
"1 Wiesendt Pfennig und"
"1 Faßnachthun"
Vermutlich hat seine Frau den Hof aus erster Ehe mit Enderlin Jobb in die Ehe eingebracht.
Als Nachfolger dieser Hofstelle ist Hannß Michel Waidtmann verzeichnet.

Im Lagerbuch von 1628 ("Steuerliste" S.645a) wurde Peter Hettenbach als Eigentümer des Platzes genannt, auf dem später das Haus 62 entstand.
An jährlicher Gülth musste er bezahlen:
"1 Faßnachthun"
Als Nachfolger ist auch hier Hannß Michel Waidtmann verzeichnet.

Im Lagerbuch von 1684 ("Steuerliste" S.36a+b) wurde Hannß Michel Waidtmann als Eigentümer der beiden oben genannten Parzellen genannt.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 war auch in Folge der Pest die Bevölkerungszahl stark gesunken und viele Hofplätze leer. So konnten die Überlebenden oft mehrere Höfe zusammen legen. So auch hier.

Vermutlich ging der Hof 1673 auf den Sohn Johann Weidmann über. Als dessen Tochter Maria Barbara 1722 Hannß Georg Wenninger heiratet, erkaufen sie den elterlichen Betrieb.

Im Lagerbuch von 1740 ("Steuerliste" S.275) wird eben dieser Hannß Georg Wenninger als Eigentümer genannt. An jährlicher Gülth musste er bezahlen:
12 Kreuzer "Vor eine Faßnachthun"

1758 wurde sein Sohn Johann Peter Wenninger Besitzer des halben Hofes. Vermutlich 1793 ging der Hof an den gleichnamigen Sohn Johann Peter Wenninger.

1827 verkauft Johann Peter Wenninger den Hof an seinen gleichnamigen Sohn Johann Peter Wenninger um 2200fl.

Bei der Erstellung des Urkatasters 1833 wurde als Eigentümer Peter Wenninger (der Sohn, 3ter Johann Peter in Folge - 1796 geboren) genannt.
Im Schätzungsprotokoll von 1855-56 wird sein Schwiegersohn Johann Georg Haußler als Besitzer genannt.Vermutlich hat er mit seiner Hochzeit 1850 den Hof erkauft.

Am 01.Dezember 1884 verkaufte Johann Georg Haußler seine Liegenschaft an seinen Sohn Johann Friedrich Haußler um 10.000fl = 17142 Mark und 86 Pfennig.
Der Hof wird so beschrieben:
- 1 einstocliges Wohnhaus mit gewölbtem Keller
- Backofen
- 1 Scheuer mit 4 Barn
- Scheurenanbau
- Schweinestall
- Hofraum mit Pumpbrunnen
- es werden diverse Wiesen, Äcker und Weinberge aufgezählt
- 3 Schäfereianteile
- diverse Fäßer, Weinkufe in der Staigenkelter

Der Tierbestand wird so angegeben:
1 Pferd Fuchs 700 Mark
1 Pferd mit Bl.. 350 Mark
1 Kuh Schek 280 Mark
1 Kuh Braunblaß 270 Mark
1 Kalbe Schek 230 Mark
1 Kalbe Schek 130 Mark
2 Reipling a 100 200 Mark
1 Mutterschwein mit 9 Jungen 280 Mark
1 Mastschwein 100 Mark 100 Mark
16 Hühner, 1 Hahn 24 Mark
Die Hälfte davon geht an den Käufer über.

Es wird dann noch im Detail geregelt, was die Verkäufer an Naturalien zu erwarten haben.
Für Johanna Elisabetha Wenninger geb. Luz ist noch das Wohnrecht geschrieben, dass übernomen werden muss.
Wiederum dessen Sohn Friedrich Haußler dürfte um 1912 die Hofstelle bekommen haben.
Der letzte der Familie auf dem Hof war Karl Haußler.

Seit ca. 1970 ist das Haus im Besitz der Familie Munsch.

Bauliche Entwicklung

Die Häuser 61 und 62 in einer schematischen Darstellung Die Hausnummern auf dem Bild links beziehen sich auf die Zeit nach 1818!
1628 waren drei getrennte Plätze mit jeweils einem "Häuslein"!


Die Tabelle unten soll den Übergang von drei Hausplätzen vor dem Dreißigjährigen Krieg zu zwei Hofstellen 1818 aufzeigen.

  Heute Haus 61 Heute Scheune 62 Heute Haus 62
1628  
Besitzer: Siegmund Eberlein
-----------
"Häuslein zu Michael Schenckel gehörig.
-----------
Nachtrag Besitzer
Michael Kraft, Hans Hettenbach, Hans Zentler
-----------
Lage: zwischen Michel Stollen Wittib und Michael Schenckel
-----------




Lagerbuch Fol. 645a
 
 
Besitzer: Michael Schenckel
-----------
"Haus und Gärtlein ..."
-----------
Nachtrag Besitzer
Hannß Michael Waidmann
-----------
Lage: zwischen Siegmund Eberlein und Peter Hettenbach
-----------
Die halbe Scheuern hat Peter Hettenbach
-----------
Lagerbuch Fol. 620a
 
Besitzer: Peter Hettenbach
-----------
"Häuslein ... und halbe Scheuren"
-----------
Nachtrag Besitzer
  
-----------
Lage: zwischen jung Hans Kolben und Michael Schenckel
-----------



Lagerbuch Fol. 645b
1684  
Besitzer: Hans Zentler und Hans Michael Waidmann
-----------
Hans Zentler hat ein Haus im Gärtlein 1628er Lagerbuch Fol.645 erbaut.
-----------
Hans Michael Waidmann hat eine frühere Hofstelle,
jetzt Sommergärtlein 1628er Lagerbuch Fol.620

-----------
Nachtrag Besitzer:
Hans Georg Zentler 1720 
 
Besitzer: Hans Michael Waidmann
-----------
Haus, Hofrecht, Scheuren altes Lagerbuch Fol 645
-----------
Nachtrag Besitzer:
1/2 Hans Georg Wenninger 1722
1/2 Peter Wenninger 1758
1740  
Besitzer:
Hans Georg Zentler hat das Haus und daran gebaute Scheuren auf ehem.
Sommergärtlein erbaut (1628 Fol. 645)
Hans Georg Wenninger hat den Graßgarten (1628: Fol.620)
-----------
Nachtrag Besitzer:
Johann Heinrich Zendtler
 
Besitzer: Hans Georg Wenninger, Nachtrag: und Peter Wenninger
-----------
Haus, Scheuren und Hofrecht
1833  
Besitzer:
Johann Georg Kipf
 
Besitzer: Peter Wenninger



Im Lagerbuch von 1628 heist es:
"Gibt von seinem Häuslein, Hofrecht, halb Viertel Graßgarten, und seiner halben Scheuren ..."

In den Lagerbüchern von 1684 und 1740 wird von "Seinem Hauß, Hofrecht, Scheuren ..." gesprochen. So dass zu vermuten ist, dass das 1896 abgebrochene Haus und die 1922 erneuerte Scheune in dieser Form bereits 1684 standen.

Zwischen 1818 und 1833 wurde am Wohnhaus ein Backofen angebaut.
1854-55 wurde ein Anbau an die Scheune errichtet.

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Johann Haußler Ein einstockiges Wohnhaus von Fachwerk mit Giebeldach 47'
27'
8,5'
15'
1.   3 1   2 Dachböden mit 4 Kammern
1 gew. Keller
Ziegel gem. Fachwerk Backofen Fundament gew. Keller u. Sockelmauern --- 1200 IV 1500 alter Anschlag 675f.
(1861)

1895 wurde das alte Wohnhaus abgebrochen und an seiner Stelle ein neues errichtet. Seitlich wurde daran ein Backhaus und ein Backofen angebaut. Hinter dem Haus wurde eine Remise und ein Bienenstand gebaut.
Neben den üblichen Auflagen kam noch hinzu, dass das Regenwasser der Dächer so abgeleitet werden musste, dass es nicht über den öffentlichen Weg floss.


Skizze des Hofes Nr 62, 1896
In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Hausler Friedrich Bauer 1 stockiges 1895 erbautes Wohnhaus in der Hillergasse von Fachwerk mit Kniestock u Giebeldach 12.20
8.70
Sockel vergl 1.00
Erdg 2.60
Kniestock 1.00
Dach 4.60
2 EG 2 EG
2 Dachraum
1 Dachraum 1 EG   1 gewölbter Keller
1 Waschküche
Dachplatten ausgem Fachwerk Nicht 4,29m z,d,w,der Remise entfernt Fundamente u gewölbter Keller 5000 IV 6250 Unter neb Anschlag von 4860M inbegriffen ist: 1 Abtrittgehäuse ausgen. die Grube Anschlag 60M

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheuer
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Hausler Friedrich Bauer 1 stockige Scheuer in der Hillergasse von gem Bauart unter Giebeldach 19.75
8.20
vgl 3.50
Dach 5.30
          2 Tennen
3 Bare
1 Pferdestall
1 Viehstall
1 Remise
Dachplatten 1/3tel Stein 2/3tel v ausgem Fachwerk keine Mauern unter Tennebodenebene u der stein Bodenbelag in den Ställen 3000     Alter ca.80Jahre Unterhaltung gut


1911 wurde eine elektr. Lichtanlage mit drei Glühlampen eingebaut.
1896 wird die Scheune so beschrieben:
"Eine einstockige Scheuer in der Hillergasse von gemischter Bauart und Giebeldach."
Der Versicherungsanschlag betrug 3000 Mark.

1922/23 wurde die Scheune von Fritz und Rösle Haußler neu erbaut (siehe Inschrift im Sandstein der Scheune).

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628 (Haus 62)

Nst: Ba 55 / Bd 75; Haus 62

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628 (1833 steht hier die Scheune 62)

Nst: Ba 55 / Bd 75; später Scheune 62

Zeichnung von 1670

Die Häuser 61 und 62 auf einer Zeichnung von 1670

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684

Nst: Ba 55 / Bd 79; Haus 62

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800

Nst: Ba 55 / Bd 89; Haus 62

Der Eintrag im Primärkataster von 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 62

Nachtrag zum Primärkataster, 1854-55

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1854-55; Haus 62 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1854-55; Haus 62

Nachtrag zum Primärkataster, 1896

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1896; Haus 62 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1896; Haus 62

Nachtrag zum Primärkataster, 1914

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1914; Haus 62 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1914; Haus 62

Nachtrag zum Primärkataster, 1923

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1923; Haus 62

 

Quellennachweis.

Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628
Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 2042