Verrenberg Historisch

Haus Nr. 72 in Verrenberg (Golbergstraße 28)

Haus Nr. 72 in Verrenberg
aktuelle Aufnahme
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 72
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1833; Haus Nr. 72
Urkataster von 1833

Lage des Haus im Ort
Haus Nr. 72 in Verrenberg
Nachtrag zum Urkataster von 1930

ca.1926; für Details ins Bild klicken
v.l.n.r: Karl Schumacher (geb.1923); Rose Schumacher geb. Wieland; unbekannt


Die Bewohner


Im Lagerbuch von 1628 ist Jörg Käppler als Inhaber des Häusleins angegeben. War der nächste Eigentümer, Martin Kolb, sein Schwiegersohn? Sicher ist, dass er den Platz (das Haus?) an seinen Sohn Hannß Christoph Kolb weiter gab.

Im Lagerbuch von 1684 ist Hannß Christoph Kolb als Eigner einer "öden Hofstatt" angegeben. Er hatte auch das daneben liegende Haus Nr.28.

Im Lagerbuch von 1740 wird Hanß Martin Zöller als Eigner der öden Hofstelle genannt. Der nächste Eigentümer war vermutlich Johann Michael Braun. Danach dessen Schwiegersohn Georg Melchior Zörn. Wiederum dessen Schwiegersohn Johann Jacob Friedrich Hörger wird als neuer Eigner ab 1800 genannt.
1869 lesen wir, dass Michael Zentler dieses Wiesenstück an Friedrich Hämmerer verkauft hat. Dieser wird darauf ein neues Häuschen erstellen.

Laut einem Nachtrag zum Urkatasters von 1868-69 wird als Eigentümer Friedrich Hämmerer angegeben.
Er bewohnte zu diesem Zeitpunkt eine Hälfte des Hauses Nr.42.
Hat es beim, oder kurz nach dem Bau des Haus Nr.72 Probleme gegeben? Bereits 1873 lesen wir, dass Friedrich Hämmerer wieder im Hauses Nr.42 (als Mieter) lebte. Dort möchte er eine Schmiedwerkstatt einrichten. Er lebte dort, bis er 1875 nach Oberohrn zog.

Ein Nachtrag zum Feuerversicherungsbuch nennt 1874 als neuen Besitzer die Witwe des Christoph Adam Layh. Sie zog aber schon drei Jahre später wieder weg.
Der nächste Nachtrag von 1877 bennent den Schmied Adam Kiesel als neuen Eigner.
1894 zog dieser zu seinem Schwiegersohn ins Nachbarhaus.

Der letzte Nachtrag zeigt, dass Georg Heinrich Schumacher ab 1894 auf diesem Hof war. Es folgte 1920 sein Sohn Friedrich Ernst Schumacher und später dessen Sohn Ernst Schumacher.

Bauliche Entwicklung

1628 wird im Lagerbuch von "seinem Häuslein bey der Inners Keltern" bezeichnet
1684 wird im Lagerbuch dieser Platz als "öden Hofstatt" bezeichnet
1740 wird im Lagerbuch dieser Platz als "öde Hofstatt" bezeichnet
1869-70 wurde das Wohnhaus neu erbaut. Diese Stelle war zuvor Wiesenfläche.

Im Baugesuch vom 07.Mai 1869 finden sich folgende Zeichnungen:


Details zum Baugesuch finden sich hier:
Ort Verrenberg
Bau Gesuch
Der schmid Friedrich Hämmerer von da stellte den Antrag bei dem Schultheißenamt, eine Wohnung samt Werkstätte, nach dem aufliegenden Situations Plan nebst den hiezu erforderlichen Grund- und Aufrißen in Duplo darüber vorzulegen, in diesem Gesuch hat man nun nachstehendes hierüber anzuführen (über den genommenen Augenschein).
1. Dieses Wohngebäude wird 30 ! lang 20! Breit 11' 5'' hoch mit Einrechnung des Sockels und wird von Stein erbaut bis unter das Dach blos ein Stock hoch mit einem Satel Dach was mit Breitziegeln bedekt wird.
2. Die Innere Einrichtung erhält gegen die Westl. Seite die Schmid Werkstätte welche 12! Breit und 18! Lang wird, die Stockhöhe zu dieser wird 10! die Scheidwannd erhält ein Schwellen Gemäuer und das überige werden die Ziegelfache ausgemauert neben dieser Schiedewand kommt der Haus Eingang nebst Küche Wohnstube u Schlafkammer was in dem Planroth bezeichnet ist wird Feuerwand.
3. Die Decke in der Werkstätte ist zu Gypsen ebenso diese in der Küche u Wohnstube .. alle Öffnungen sind zum Theil mit fenster zu versehen u diejenigen wo dieselbe nicht benöthigt sind, mit Verschliesbaren Thüren u Läden zu Verwahren auch wird bemerkt das daß Giebel Drey Eck gegen den Wagner Fried Kübler von Stein werden muß, das nähere ist in den beiliegenden Zeichnungen zu ersehen u die Vorbenannten Vorschriften sind gehörig zu beachten der Küchen Kamin welcher steigbar wird, ist mit liegenden Kaminsteinen über den Fürst hinaus zu führen, aber so diesen zu der Englischen Esse welcher unsteigbar aber von liegenden Kaminsteinen wie der vorbenannte gut zu fertigen von Innen und Außen zu …….. sind, weiterer Vorschriften überlässet man höherer Verfügung
Vorstehendes legt man hiermit zu gefälligen Einsicht dem Gemeinderath zur Genehmigung so wie auch dem Königl. Oberamt ergebenst vor.
Verrenberg den 24.April 1869


Die Genehmigung zum Hausbau wurde mit folgenden Auflagen belegt:
Dem Friedrich Hämmerer, Schmidmeister v Verrenberg wird die nachgesuchte Erlaubniß ein neues Wohnhaus mit Schmidwerkstätten 28' lang, 44' von der Scheuer des Karle u 40' von der Dorfs Kelter entfernt, nach beiliegendem Bau u Situationsplan zu erbauen unter folgenden Bestimmugen ertheilt (werden).
1) Die Umfassungswände des ersten Stockes, des westlichen Giebels sind massiv von Stein herzustellen. Der 2.te Giebel aber ausfachwerk, das mit Steinen auszumauern und zu verputzen ist.
2) Die Dachstige sind zu verschalen
3) Das Dach ist mit Breitziegeln einzudecken
4) Die Thüren u Fensteröffnungen sind mit vollen Thüren, Fenstern u Böden verschließbar zu machen.
5) Die Stockhöhe muß im Licht wenigstens 9' Höhe erhalten
6) Die Scheidewand zwischen der Schmiede und Stube, eben so die im Bauriß rath angelegte zwischen der Stube u Küche soweit die Feuermarke reichen sind massiv von Stein ½ Fuß dick aufzuführen.
7) Die Esse der Schmide ist massiv von Stein herzustellen u mit einem Metalschirm zu versehen.
8) Sämtliche Decken und Seitenwände sin 1'' dick zu gypsen
9) Der Boden der Küche ist mit Steinplatten, der der Schmiede aber entweder mit Steinplatten oder aus Lehm zu belegen
10) Der Kochherd ist massiv von Stein zu bauen und die Heiz-,Zug und Aschebehälter öffnungen mit Thür… oder Schiebern aus Sturzblech verschließbar zu machen
11) Ueber den Feuerwerken ist ein Rauchfang aus unverbrennbarem Material ….förmig gegen den Kamin anzubringen u in Feuersicherer weiß mit diesem zu verbinden. Die Kamine, der in der Küche ist im Licht 17 ½' weit und der von der Schmide 10' weit aus liegenden Glu…. bis 1 ½ Fuß über den fürst hoch auszuführen innen u aussen glatt zu verputzen, zwischen dem Gebälken scheitrecht auszuwölben u das Holzwerk über dieß noch doppelt mit Ziegeln zu verblenden.
12) Das Gebälk ist zu flieken und zu schliesen
13) Der von aussen heizbare Ofen ist auf eine steinerne Platte zu setzen, die so groß ist, daß sie den Ofen in jeder Richtung um ½' überragt. Der Rauch ist in einem sturzblechernen 3 ½'' weiten Rohr wovon der …………… abzuführen

Hochachtungsvoll
Oehringen 17 Mai 1869



In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1870 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Friedrich Hammerer Obere Dorf Ein einstockiges Wohnhaus von Stein und Fachwerk mit Giebeldach 28'
20'
8,5'
12'
1.     1 1 1 Schmiedwerkstadt
1 geb. Keller
1 Dachboden mit 1 Kammer
Ziegel Im Stockwerk Stein sonst gem. Fachwerk Keine Fundament Keller u Sockelmauern --- 600 III 600 alter Anschlag neu gebaut


In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Schumacher Heinrich, Schuster 1 stockiges 1869 erbautes Wohnhaus im obern Dorf von gem Bauart 8.00
5.75
2.50
Dach 3.20
1 EG   1 EG 1 EG   1 geb Keller Dachplatten Umfassungswände von STein, Giebel von ausgem Fachwerk Zusammenhang mit dem Stall Mauern unter Erdgeschoß Fußboden 1040     Alter 27 Jahre Unterhaltung gut

1901-1902 heist es im Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 2032: Erstellung eines Stallanbaus an bestehende Remies
In einem Nachtrag von 1903 wird der Scheunenanbau so beschrieben:
"Ein einstockiger Scheunenanbau von Stein und Fachwerk mit Giebeldach ohne eigene Wand an das Wohnhaus 1903 neu angebaut."

1927 wurde das Wohnhaus abgebrochen und neu aufgebaut.


1930 wurde das gleiche mit der Scheune gemacht. Dazu kaufte er von der Gemeinde eine Fläche von 64qm.

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628

Nst: Ba 55 / Bd 75; Haus 72

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684

Nst: Ba 55 / Bd 79; Haus 72

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800

Nst: Ba 55 / Bd 89; Haus 72

Nachtrag zum Primärkataster, 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 72

Situationsplan aus dem Baugesuch von 1869

Situationsplan aus dem Baugesuch von 1869, Verrenberg

Nachtrag zum Primärkataster, 1868-69

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1868-69; Haus 72 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1868-69; Haus 72

Nachtrag zum Primärkataster, 1930

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1930; Haus 72

Es fehlen noch folgene Einträge:
1902/29
1927/22
1938/444
 

Quellennachweis.

Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 2032
Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 4335
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628
Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869