Verrenberg HistorischDie letzten Kriegstage des II.Weltkrieg in Verrenberg


Am 30.Oktober 1948 verfasste der Verrenberger Bürgermeister Wilhelm Carle für das Landratsamt einen Bericht über die letzten Kriegstage in Verrenberg.

Bürgermeisteramt                                                                  Verrenberg, den 30. Oktober 1948

Verrenberg

 

Geschichtliche Darstellung der Letzten Kriegstage.

 

1)      Fliegerangriffe bei welchen Menschenverluste entstanden, oder Gebäude abgebrannt sind,&xnbsp; fanden auf Verrenberg nicht statt.

2)      Die Artilleriebeschießung fing am 6. April 1945 an, abends um 21 Uhr. Die Beschießung kam vom Gegner aus der Richtung vom Kochertal. Es entstanden in dieser Nacht nur ganz geringe Schäden. Am 7. April war es wieder ruhig.

3)      Brücken wurden keine gesprengt, da keine Verkehrswichtigen Brücken im Orte oder auf der Markung sind.

4)      Am 12. April sollten Panzersperren gebaut werden. Das Holz, welches benötigt wurde konnte aber nicht mehr beigeschafft werden, da die Fuhrwerke, die es holen sollten, beim Stöckig Gemeinde Windischenbach, durch Artilleriebeschießung überrascht wurden. Die Fahrzeuge mussten stehen bleiben, Fahrer und Pferde kamen alle heil wieder zurück.

5)      Von der Bevölkerung des Ortes wurde niemand Evakuiert. Alle blieben da, weil ja niemand wusste wohin. In den Jahren 1943 bis 1945 hatte Verrenberg über 100 Fliegergeschädigte und Evakuierte aufgenommen. Der größte Teil der Evakuierten kam vom Rheinland, die Fliegergeschädigten aus Heilbronn, Stuttgart und Mannheim.

6)      Am 13. April 1945 wurde gegen Abend unser Ort besetzt. Man wusste schon, dass der Gegner tags zuvor in Öhringen eingezogen war, und von dort aus zum Angriff bereit stand. Am Nachmittag des 13. April fing erneut die Beschießung mit Artillerie und Maschinengewehren an,&xnbsp; und dauerte ununterbrochen bis um 18 Uhr. Zu gleicher Zeit brannte eine Scheune nieder.
Das Vieh wurde während der Beschießung gerettet. Gegen 19 Uhr kam der Gegner mit seinen Panzern in den Ort herein und besetzten es. Die Nacht über war es ruhig. Die Einwohner mussten alle in die Keller. Es waren schlimme Tage. Bei der Besetzung kam eine Frau ums Leben, dieselbe wollte schnell in ihren Keller gehen, und wurde dabei aus nächster Nähe erschossen.
Am 14. April musste die Bevölkerung wieder den ganzen Tag im Keller verbringen, da der Kampf um die südlichen Höhen des Ortes weiterging. Den ganzen Nachmittag beschießung des Ortes durch eigene Artillerie, wobei noch großerer Schaden entstand. Es brannten noch zwei weitere Scheunen nieder, und mehrere Gebäude wurden stark beschädigt.

7)      Nach der Besetzung stand alles still. Nach einigen Tagen wurden die arbeiten auf den Feldern und Weinbergen wieder aufgenommen. Durch Kriegsgefangene kamen viele Diebstähle vor, besonders war Branntwein sehr begehrt.

8)      Die Felder und Weinberge wurden von den Panzern des Gegners stark verwüstet, Obstbäume mussten viele umgehauen werden. Auch waren viele Äste abgeschossen. Im Wald gab es eine Menge Holz, welches durch Beschuss nachher Dürr wurde.

9)      Kirchenglocken wurden keine abgeliefert, die einzige Glocke welche die Gemeinde hatte blieb erhalten.&xnbsp;



Die Scheune, die am 13. April abbrannte, gehörte Johann Heinle. Er hatte wohl einem SS-Mann seine Meinung zum Krieg gesagt, worauf dieser vom Feuersee aus die Scheune mit einer Panzerfaust unter Feuer genommen hatte.

Die Frau, die am selben Tag erschossen wurde, war Marie Heß.
 

Quellennachweis.

Hauptstaatsarchiv Stuttgart J170 Bü14