Verrenberg HistorischDie Gegend um Verrenberg in der Frühzeit



Späte Jungsteinzeit Bronze und Eisenzeit Römerzeit
 

Späte Jungsteinzeit

ca. 4000 - 2000 v. Christus

Werkzeug aus der Spätjungsteinzeit - Golberg bei Verrenberg Für die späte Jungsteinzeit scheint sich in Süddeutschland eine Veränderung der Siedlungslagen anzudeuten, die auch im Hohenlohekreis zu erkennen ist. Während bis zum vierten vorchristlichen Jahrtausend die Dörfer bei den Wirtschaftsflächen lagen, scheinen gegen Ende der Jungsteinzeit verstärkt die Schutzlage in exponierte Höhenlagen aufgesucht und als Siedlungsplätze ausgewählt worden zu sein.
Dies belegen beispielsweise die Funde vom Golberg bei Öhringen-Verrenberg, wo zahlreiche Lesefunde eine Höhensiedlung des Spätneolithikums anzeigen. Hier wurden vor allem Geräte aus Plattensilex, Feuersteinspitzen, Bruchstücke von durchbohrten Felsgesteinäxten und Beilen, sowie wenige Scherben gemacht. Diese Gegenstände weisen hauptsächlich in das Jungneolithikum, die Michelsberger Kultur.

Schon 1934 hatte der Heilbronner Oberlehrer Mattes (1884-1960) beim Absuchen der sandigen Lehmoberfläche einige Scherben, Feuersteinwerkzeug, einen Handreibstein für Getreide in Form eines abgerundeten Würfels aus Kieselsandstein und ein Topfrandstück mit Fingereindruckverzierung unterhalb des Randes in Michelsberger Art gefunden. Dazu noch ein Feuersteinovalbeilchen.
Zwei weitere ähnliche Beilchen konnte noch F. Rau aus Öhringen finden.
Eine genauere Begehung des Berges im März 1937 durch Mattes und Dr. Kost ergab vielfach Siedlungsspuren am Nordrand, zahlreiche grobe Scherben (z.B. ein verdicktes Randstück und ein Henkelöse), zwei gute Feuersteinkratzer, ein weiteres Ovalbeilchen aus Hornblendschiefer, eine schöne flächenbearbeitete Pfeilspitze mit gerader Grundfläche und eine oben abgebrochene, noch 6 cm lange und 3,5 cm breite Säge mit herausgearbeitetem Handgriff aus plattigem Feuerstein.
Werkzeug aus der Spätjungsteinzeit - Golberg bei Verrenberg
Der wichtigste Fund wurde 1942 gemacht in Form einer tadellos gearbeiteten kleinen Streitaxt aus zähem Hornblendegestein. Eine mittellängs eingeschliffene Zierrinne und die ausladende Zweckform beiderseits des Schaftloches schließen das Fundstück einer Entwicklungsreihe nord- und mitteldeutscher Streitäxte an, aus deren Volksbereich auch das Stück vom Golberg unmittelbar stammen muß.

Werkzeug aus der Spätjungsteinzeit - Golberg bei Verrenberg Werkzeug aus der Spätjungsteinzeit - Golberg bei Verrenberg
Vom Studienrat A. Hummel wird 1951/52 der Fund einer hochdreieckigen Pfeilspitze mit eingebogener Grundfläche, Bruchstücke von Feuersteinbeilchen, ein Kleibeil und Plattenhornsteinwerkzeuge (Säge und Spitze) berichtet.
Links: Bildtafel aus Fundberichte aus Schwaben - 1967
Links: noch eine Bildtafel aus Fundberichte aus Schwaben - 1967

Anlässlich der Ausgrabungen auf dem Golberg beobachtete P.Menzel im März 1991 von dessen Hochfläche aus im Gewann "Flur", ca. 500m Westlich von Verrenberg, in Parz. 720/721 dunkle Verfärbungen. In diesem Bereich konnte er neun unverzierte vorgeschichtliche WS und eine kleine WS mit parallelen Riefen auflesen.
Des Weiteren fanden sich neun Sileaxartfakte, darunter eine Klinge und ein Klingenfragment. Der Fundplatz war vorher nicht bekannt. Flur 720 und 721 in Verrenberg
 

Bronze und Eisenzeit


Die im westlich angrenzenden Heilbronner Gebiet außergewöhnliche dichte Besiedlung während der späten Bronzezeit/Urnenfelderzeit (1200-800 v. Christus) hat im Raum Öhringen fast keine Funde erbracht.
Griffzungenschwert 1879 in Verrenberg gefunden
Eine der wenigen Ausnahmen bildet das 1879 nördlich von Verrenberg in der Flur Zehnmorgen gefundene Bronzeschwert. Der Wagner Ritter aus Bitzfeld blieb 1879 beim pflügen an einem Stein hängen. Als er diesen entfernte, lag ein Bronzeschwert (Griffzungenschwert) von 61 cm länge vor ihm. Es stammte vermutlich aus einem nicht erkanntem Grab.
Eine keltische Goldmünze wurde 1830 auf derselben Markung entdeckt.

Links: Eine Karte mit dem Fundort des Bronzeschwertes aus Verrenberg

Auch für die folgende ältere Eisenzeit/Hallstattzeit (ca. 800-500 v. Christus) finden sich im Raum Öhringen nur wenige Belege.
Wenige Scherben vom Golberg deuten auf eine Höhensiedlung, doch gibt es keinen Hinweis, dass auf diesem Berg eine größere eisenzeitliche Befestigung existierte.
 

Römerzeit

Münzen

Den ersten Hinweis auf eine auf Verrenberger Gemarkung gefundene römische Münze findet sich in der 1871 erschienenen Festschrift
"VICVS AVRELII" oder "OEHRINGEN ZUR ZEIT DER RÖMER" von Dr. Otto Keller.
Der gelernte Historiker Otto Keller war als Lehrer an der Lateinschule in Öhringen angestellt. folgendes geschrieben:
Bei den Burgwiesen zu Weislensburg, 5/4 Stund. von Oehringen, wurden ein Caracallusdenar und ein Hadrian in Grosserz gefunden, in dem römischen Hofgut zu Rückertshausen, 7/4 Stund. von Oehringen, 2 Antonine (Erz); zu Verrenberg, 1/2 Stund. von Oehringen, wo übrigens keine Spur römischer Niederlassung nachweisbar ist, ein Caligula (erz); ...

Dr. Otto Keller hat in dieser Schrift "Vicus Aurelii" das ganze damalige Wissen über die Vorgeschichte und die römische Zeit von Oehringen und seiner Umgebung zusammengestellt und geschichtlich ausgewertet. Keller war auch bei den Funden zugegen, die beim Bau der Eisenbahn 1861 in Oehringen gemacht worden sind.



1893 erschien dann das Werk "Funde antiker Münzen im Königreich Württemberg" zusammengestellt von Dr. Wilhelm Nestle.
Darin wird auf der Seite 81 auf Otto Keller verwiesen:
187. Verrenberg.
     1. Caligula E.
     Keller VA. S. 5 A. 1.




1926 erschien dann das Buch "Fundberichte aus Schwaben 1924 - 1926" von Peter Goessler; Neue Folge III; Seite 135
187. Verrenberg OA Oehringen
     2. Antoninus Pius? ME. Schlecht erhalten. Rs.: ... tas. Gefunden 1925 an Lindelberg. Besitzer: W. Mattes Oehringen.




1964 erschien dann "DIE FUNDMÜNZEN DER RÖMISCHEN ZEIT IN DEUTSCHLAND" Abteilung II Baden-Württemberg
Band 4 Nordwürttemberg; bearbeitet von Karl Christ
VERRENBERG
Literatur: Nestle Nr. 187

          Einzelfunde
        Caligula
  1.   AE  37/41    ?

        Antoninus Pius
  2.   ME  138/161?   ?

1. Nestle n. 1 - Nach Keller, Vicus Aurelii, S.5 Anm. 1.
2. Fb. Schw. NF. 3, 1924/26, 135 n. 2 - 1925 am Lindelberg gef. - Privatbes.

Wege

Laut dem Württembergischen Jahrbuch von 1947/48 führte ein Urweg vom Einkorn (Schwäbisch Hall) über den Golberg bis zum Heuchelberg. Die untere Karte stammt aus dem Öhringer Heimatbuch von 1929.
Laut dem Buch "ÖHRINGEN Stadt und Stift" verlief zwischen Golberg und Verrenberg zur Römerzeit eine Straße, die vom Kastell Böckingen zum Öhringer Rendelkastell führte.

Im Buch "Die Römer in Württemberg: Die strassen und wehranlagen des römischen Württemberg, von F. Hertlein und P. Goessler" von 1930 lesen wir folgendes:
"Nun findet sich zwischen dem Verrenberg einerseits, dem Lindelberg und Galberg andrerseits ein merkwürdiger, heute tief ausgefahrener Weg, im einzelnen leicht verbogen, im ganzen trotz des schwierigen Geländes aus zwei geraden Stücken bestehend, die südwestlich vom Ort Verrenberg einen stumpfen Winkel bilden. Man wird sich diesen Weg nur als ursprüngliche in geraden Strecken .... Kunststraße erklären können."
römischer Weg bei Verrenberg, 1945
Dieses Luftbild von 1945 zeigt den Verlauf des oben beschriebenen Weges.

 

Quellennachweis.

Buch "Öhringen Stadt und Stift"
Buch "Fundberichte aus Schwaben NF 11, 1951, 47"
Württem. Franken NF 19, 1937/38, 171
Württem. Franken NF 22/23, 1947/48, 26
Württem. Franken NF 24/25, 1949/50, 20
Württem. Franken NF 26/27, 1951/52, 13
Buch "Der Hohenlohekreis", 2006
Festschrift "Vicus Aurelii", 1871 von Otto Keller
Kirchenführer zur 750-Jahrfeier von Bitzfeld im Jahr 2010