Verrenberg HistorischDas Hagel- und Sturmunwetter vom 01.Juli 1897

In der Nacht vom 30.Juni auf 01.Juli 1897 wütete ein verheerendes Hagelunwetter von Heilbronn kommend über dem Oberamt Öhringen. Fenster und Dächer wurden beschädigt, die Felder verwüstet. Die Existenzgrundlage vieler Leute, besonders der Bauern, wurde zerstört. Hier sollen einige Informationen dazu zusammengetragen werden.


Die wichtigsten Schlagworte

 Das Unwetter von 1897 in Öhringen und Umgebung
 Schrift von Eberhard Schanzenbach zugunsten der Verrenberger Hagelgeschädigten von 1897
 Dank der Verrenberger an Eberhard Schanzenbach
 Berichte zum Unwetter 1897 in der Neckar Zeitung für den Raum Öhringen
 Die Gemeinde Verrenberg erhält Aufgrund des Unwetters von 1897 ein Staatsdarlehen

 Etwas Statistik zum Unwetter von 1897
 Die Hagelschäden in Württemberg in den Jahren 1870 - 1897
 Die Hagelschäden in den Gemeinden des Oberamtes Öhringen
 Die Hagelschädigungen im Jahr 1897 in den Oberämtern des Jagstkreis

Gemeinderatsprotokolle zum Hagelunwetter 1897 und die Folgen
 Quellennachweis
 

Das Unwetter von 1897 in Öhringen und Umland

Alles deutete auf ein Jahr gesegneter Ernten hin. Die Ähren wogen schwer auf goldgelben Halmen, die Obstbäume trugen reich und die Weinberge versprachen einen guten Jahrgang. Es war heiß an diesem 30. Juni 1897. Dann kam das schwerste Unwetter seit Menschengedenken.

In der frühe des 30. Juni gab es ein Gewitter, dem eitler Sonnenschein folgte. Der Nachmittag war sonnig und heiß, am Abend dann wurde es schwül. Das nächste Gewitter lag in der Luft und noch ahnte niemand, was die Nacht bringen sollte.

In Mittelfrankreich entstanden, zog ein Gewitterwirbel mit 15 Meter Sekundengeschwindigkeit durch Lothringen, wo er an diesem 30. Juni 1897 um 9 Uhr die deutsche Grenze erreichte. Er hinterließ verheerende Schäden auf seinem Weg vom Elsaß, an Karlsruhe vorbei durch die nordwestlichen Teile des Heilbronner Bezirks. Mit einer Geschwindigkeit von 55 Kilometer pro Stunde wälzte sich das Unwetter Öhringen zu, erfaßte mit ganzer Gewalt noch den Raum Neuenstein und verlor weiter östlich allmählich an zerstörerischer Kraft. Nach 20 bis 25 Minuten war alles vorbei.

In einem 83 Kilometer langen und 8 bis 9 Kilometer breiten Streifen wurde fast die ganze Pflanzenwelt vernichtet und großenteils auch die Vögel getötet. Alle Halmfrucht wurde bis in den Boden hinein vernichtet, alle Rebstöcke bis an die Wurzel, alle Blätter und alles Obst, sogar die Zweige und selbst die Rinde bis auf den Stamm zerschlagen. Die Hagelkörner mit der Größe von Hühner- und Gänseeiern zertrümmerte Scheiben und Ziegel und schlug den Verputz von den Hauswänden. Wolkenbruchartige Regenfälle platschten auf die Felder und durch die abgedeckten Dächer in Scheunen und Häuser.

In der Ausgabe vom 02.Juli 1897 berichtet der "Hohenloher Bote":
Sämtliche Häuser erzitterten, die Fenster und Dächer gegen Westen und Nordwesten wurden total zertrümmert und die Gärten, Felder und Weinberge so furchtbar zugerichtet, daß an eine Ernte nicht mehr zu denken ist und man glauben kann, dieselben seien mit dem Dreschflegel bearbeitet worden. Die Bäume, insbesondere unsere schönen Obstbäume, die so oft mit ihrer herrlichen Blüte und den reichen Früchten unser Herz erfreuten, sie sind entweder von dem Hagel, der in riesiger Menge und bis zu Ganseigröße niederging, vollständig zerfetzt, des Laubs und teilweise der Rinde beraubt, oder sie sind von dem orkanartigen Sturm entwurzelt worden; kurz, alles bietet ein Bild furchtbarer Zerstörung.
In Öhringen selbst wurde an sämtlichen Gebäuden durch Zerstörung der Dächer oder der Fensterscheiben mehr oder weniger Schaden angerichtet, so daß große Not wegen Beschaffung von Fensterscheiben und Ziegeln herrscht. Am Fürstl. Schloß sind die Fenster gegen den Marktplatz vollständig zertrümmert. Ein ödes Bild bietet auch der Fürstl. Hofgarten, wo die schönsten Bäume in großer Anzahl entweder zersplittert oder mitsamt dem Erdballen herausgehoben und umgelegt sind.
Einer Familie, die in einem Wagen am Adler übernachtete, wurde ein 1/4 jähriges Kind vom Hagel erschlagen.
Ferner sind viele Vögel vom Unwetter getötet. Die Störche auf dem Mildenbergerschen Haus befinden Sich in Pflege und Scheinen sich zu erholen, während die zwei Jungen tot sind. Auch sind die Hasen und Rebhühner auf den Feldern sehr mitgenommen.
"
"Kein Halm, kein Blatt mehr in Feld und Garten. Es ist ein Schauerliches, trostloses Bild, das uns ein Gang durch die Umgebung bietet. Der ganze Ertrag eines Jahres bis auf den letzten Rest verloren, soweit das Auge reicht, öde Winterlandschaft in glühendem Sonnenbrand. Unsäglich schmerzlich aber ist der Verlust unserer Obstbäume. Ein entsetzliches, ganz herzzerreißendes Bild davon gibt die hochgelegene Straße nach Weinsbach. Die herrliche Allee mächtiger Birn= und Apfelbäume ist zerfetzt und zerrissen. Reihenweise liegen die viele Jahrzehnte alten 160 Riesenstämme, rechts und links die Felder dicht bedeckend. Es ist zum Weinen, diese furchtbare Zerstörung des Fleißes eines Jahrhunderts vor Augen zu haben.

Über die Schreckensnacht in Neuenstein berichtete Bürgermeister Scholder:
In der Nacht vom 30.Juni auf den 1.Juli glaubte jeder, seine letzte Nacht sei gekommen. Erfüllt mit Dank gegen Gott für die am Abend zuvor noch Auge und Herz ergötzende Pracht der Natur, hatte man sich zur Ruhe gelegt. Da mit einem mal wurden wir - gegen 1 Uhr nachts - von gewaltigen Donnerschlägen und grellen Blitzen geweckt. Sofort stellte sich ein furchtbarer Sturm mit Hagel ein. Im Nu waren Fenster und Dächer eingeschlagen und teilweise abgedeckt.
Im Inneren der Häuser wurden Möbel, Gardinen und Bilder zerfetzt. Zimmerdecken stürzten ein und der Regen ergoß sich in die Wohnungen. Man suchte in der Wohnung nach einem schützenden Platz. Manche stellten sich in die Kleiderkästen. Eine Frau wurde von einer Schloße so schwer am Auge getroffen, daß sie erblindete.
Welch ein Jammer war es dann, als man nach dieser halben Stunde, die einer Ewigkeit glich, über Schutt, Scherben und Möbelstücke und durch Wasser ans Fenster treten konnte. Weinen mußte man.....
Manche murrten wider Gott, daßer es doch zu arg gemacht und zu hart gestraft habe. Andere schlugen still an ihre Brust und nahmen es als Gottesgericht.


Am Nachmittag des 2.Juli führten Bierbrauer aus der Ledergasse in Öhringen sechzig Wagen Schlossen, die zu Eis zusammengefroren waren, weg in ihre Eiskeller, darunter Stücke, die trotz der großen Hitze noch Pfirsichgröße hatten. Ja 17 Tage später fand man zwischen nahe beisammen stehenden Häuern noch Eisklumpen.
42 Gemeinden im württembergischen Gebiet waren betroffen, namentlich waren folgende Gemeinden am stärksten verwüstet:
Massenbach, Neckargartach, Neckarsulm, Gellmersbach, Eberstadt, Hölzern, Schwabbach, Bitzfeld, Schwöllbronn, Verrenberg, Ober- und Untermaßholderbach, Öhringen, Cappel, Weinsbach, Eckartsweiler, und Neuenstein.

Der Schaden betrug in Öhringen und den westlich und östlich davon liegenden Orten rund 8,5 Millionen Mark nur für 1897, ohne Folgeschäden. Eine für die damalige Goldmarkzeit riesige Summe! Was umso betrübender war, als die wenigsten ihren Besitz gegen Hagel versichert hatten. Bei gar vielen Landleuten hatte eben der Glaube Fuß gefaßt, daß es hier überhaupt nicht hagle, weil dies in den letzten 70 Jahre nicht vorgekommen war.
Um das traurige Los der von dem schrecklichen Unglück vom 1.Juli betroffenen wenigsten etwas erreichen zu können, wurde für Öhringen und den Bezirk ein Hilfskomitee gebildet, das einen Aufruf zur Hilfe besonders an jene richtete, die vom Schaden verschont geblieben waren. Gebeten wurde un Beiträge in Geld und Naturalien.
Für die Hagelgeschädigten in Hohenlohe wurde in Hamburg, Breslau und München gesammelt. Gaben kamen aus England und der Schweiz, wo Wohltätigkeitsveranstaltung abgehalten wurden.
Um die Dächer schnell wieder instandsetzen zu können, vermittelte die Amtskörperschaft 500.000 Ziegel vor allem für Öhringen, Cappel, Neuenstein, Verrenberg, Büttelbronn und Langenbeutingen.

 

Berichte zum Unwetter 1897 in der Neckar Zeitung für den Raum Öhringen

Freitag, 2.Juli 1897 O e h r i n g e n, 1. Juli. Eine fürchterliche Nacht liegt hinter uns. Um 1 Uhr entlud sich ein von Nordwest kommendes Gewitter über unsere Gegend. Dasselbe war von furchtbarem Hagel begleitet, der 10 Minuten lang anhielt und kein grünes Blatt an den Bäumen ließ. Zahllose Fensterscheiben sind zertrümmert. Nach mehreren Stunden war die ganze Gegend noch wie in ein Winterkleid gehüllt. Der Schaden ist sehr groß. Auf das Hagelwetter folgte nach kurzer Zeit ein zweites Gewitter, das infolge der zertrümmerten Scheiben ganze Wohnungen unter Wasser setzte, so daß man vergeblich nach einem trockenen Plätzchen suchte, um Bett oder Klavier unterzubringen. Die Feuerwehr ist ausgerückt. Weiterer Bericht folgt.
Samstag, 3.Juli 1897 O e h r i n g e n, 1. Juli. Die Verheerungen, welche das heute nacht hier niedergegangene Hagelwetter verursachte, konnten erst mit Tagesanbruch in ihrer schauerhaften Größe gewürdigt werden und spotten jeglicher Beschreibung. Morgens 9 Uhr waren noch Hagelkörner in der Größe von Taubeneiern aufzulesen. Ganze Dächer sind abgedeckt, tausende von Fensterscheiben eingeschlagen. Der Sturm warf Fabrikkamine um und entwurzelte mannsdicke Bäume; derselbe hat namentlich den Anlagen des Hofgartens arg mitgespielt. Statt der Blätter hängen an den Bäumen Fetzen der aufgeschlagenen Rinde. Die Felder sehen aus der Ferne schwarzgrau; die Früchte sind sämtlich zu Grunde gerichtet; ebenso die Gartengewächse. Die ganze Gegend hat das ......(auf der Kopie sind zwei Zeilen nicht lesbar) ..... Während des Gewitters war das Blitzen ein fast ununterbrochenes unheimliches Feuer; die Erde schien mehreremals zu beben. In einer Viertelstunde war alles geschehen. Hier hat sich sofort auf Veranlassung von Stadtschultheiß Schäufele ein Notstandskomite gebildet. Wie man hört, soll das Unwetter in östlicher Richtung über Neuenstein, die Hallgegend bis Kupfer sich ausgedehnt haben. Die elektrischen Leitungen sind sämtlich unterbrochen. - In einem von anderer Seite uns zugegangenen Berichte heißt es: In unserem Bezirk, der sich bisher rühmen konnte zu den glücklichen Gegenden des Landes zu zählen, sind in der vergangenen Nacht ca. 20 Gemeinden schwer heimgesucht worden; nicht allein die prachtvollen Ernteaussichten sind vernichtet, sondern der Stolz des Bezirks - die Baumpflanzungen - sind auf Jahrzehnte hinaus zerstört. Die stärksten Bäume sind niedergerissen, die stehengebliebenen ihrer Rinde beraubt und deshalb auch dem Untergang zugeführt. Der Hagel, welcher ca. 1/2 Stunde anhielt, hatte Gebilde bis zu Hühnereigröße und die Gewalt des Sturms vermochte das Werk der Zerstörung so zu steigern, daß Kamine weggerissen, Dächer abgedeckt, Wandungen eingedrückt, überhaupt die Gebäude aufs Aergste beschädigt worden sind. Das ca. 25 Meter hohe Dampfkamin der Weipert'schen Maschinenfabrik ist eingestürzt. Was der Hagel nicht vernichtete, wurde durch die Wassermassen zu Grunde gerichtet. Hilfe thut not; der Bezirk Oehringen, der immerfort seine Liebesthätigkeit bekundete, darf wohl auf die Unterstützung des Landes und all der Freunde in der Ferne hoffen! Der Bezirkswohlthätigkeitsverein, an dessenSpitze die Herren Dekan Eidenbenz, Oberamtmann Mezger und Oberamtspfleger Krauß stehen, ist schon zur Hilfeleistung getreten.
Sonntag, 4.Juli 1897 O e h r i n g e n, 2. Juli. Von den 48 Gemeinden des Bezirk Oehringen sind nicht weniger als 31 durch den Hagelschlag betroffen und zwar am meisten: Oehringen, Adolzfurth, Baumerlenbach, Büttelbronn, Cappel, Eckartsweiler, Feßbach, Gaisbach, Goggenbach, Kesselfeld, Kleinhirschbach, Kupferzell, Langenbeutingen, Neuenstein, Pfedelbach, Schwöllbronn, Verrenberg, Waldenburg, Westernach, Westernbach, Windischenbach, Wohlmuthausen, während: Eschelbach, Kirchensall, Mangoldsall, Michelbach, Obereppach, Oberohrn, Obersöllbach, Orendelsall, Zweiflingen etwas weniger beschädigt sind. Der Schaden dürfte nach Millionen zu berechnen sein. Auser einigen größeren Gutsbesitzern ist fast niemand versichert.
 
 
Die Hagelschäden in Württemberg in den Jahren 1870 - 1897
Jahr Zahl der Vollständig verhagelte
Baulandfläche
Hagel-
schaden
in
Geldwert
Bewilligter
Steuer-
nachlaß
Hageltage betroffenen im ganzen in %
des
Bau-
landes
Oberamtsbezirke Gemeinden
        ha % M M
1870 8 26 84 9 196,5 0,79 2 023 230 27 653
1871 9 20 42 5 622,1 0,48 1 236 862 24 375
1872 14 53 221 26 532,4 2,27 5 837 128 116 347
1873 23 67 206 32 133,7 2,74 7 069 414 122 839
1874 16 30 40 3 711,6 0,32 816 552 13 229
1875 12 38 90 11 281,4 0,97 2 481 908 52 977
1876 17 38 81 8 792,7 0,75 1 934 394 35 721
1877 13 31 74 6 049,8 0,52 1 330 956 28 215
1878 12 28 79 7 848,2 0,67 1 726 604 28 215
1879 4 16 36 4 115,9 0,35 905 498 13 291
1880 17 58 176 20 688,0 1,76 4 551 360 68 556
1881 13 27 61 4 995,7 0,43 1 099 054 13 568
1882 8 58 205 30 425,2 2,60 6 693 544 108 795
1883 17 41 116 16 367,9 1,40 3 600 938 67 172
1884 7 23 49 5 677,7 0,48 1 249 094 22 409
1885 13 38 105 14 537,3 1,24 3 198 206 39 250
1886 10 14 19 1 627,0 0,14 357 940 6 565
1887 12 14 21 1 780,0 0,15 391 600 4 370
1888 9 19 69 5 780,6 0,49 1 271 732 13 955
1889 19 30 95 12 818,0 1,10 2 819 960 34 907
1890 11 24 112 14 207,4 1,21 3 125 628 30 910
1891 12 29 117 13 350,4 1,14 2 937 088 34 570
1892 10 27 86 8 798,1 0,75 3 152 281 20 333
1893 4 11 25 3 767,0 0,32 1 513 332 9 862
1894 9 15 50 6 694,4 0,57 2 251 579 18 457
1895 12 20 83 7 518,1 0,64 2 027 877 18 209
1896 16 32 139 10 417,4 0,89 4 662 376 36 693
1897 12 32 358 42 427,4 3,62 19 249 093 145 924
 
 
Die Hagelschäden in den Gemeinden des Oberamtes Öhringen
Oberämter Gemeinden Hageltage Vollständig
verhagelte
Baulandfläche
ha
Bewilligter
Steuernachlaß
   M            Pf.
Oehringen Oehringen 1.Juli 646,0 3045 47
Adolzfurth 1.Juli 66,1 315 43
Baumerlenbach 1.Juli 206,8 924 46
Büttelbronn 1.Juli 109,8 458 17
Tlg. Obermaß-
holderbach
1.Juli 165,5 664 21
Tlg. Untermaß-
holderbach
1.Juli 228,9 893 92
Cappel 1.Juli 140,1 733 59
Tlg. Hornberg 1.Juli 30,5 150 27
Eckartsweiler 1.Juli 168,8 660 39
Tlg. Platzhof 1.Juli 67,5 238 91
Tlg. Untersöll
bach
1.Juli 123,3 553 88
Tlg. Weinsbach 1.Juli 195,9 757 42
Eschelbach 1.Juli 118,7 514 06
Eschenthal 1.Juli 32,0 99 10
Tlg. Einweiler 1.Juli 6,1 21 06
Feßbach 1.Juli 293,8 934 99
Tlg. Kubach 1.Juli 99,9 358 84
Tlg. Künsbach 1.Juli 110,2 367 03
Tlg. Rüblingen 1.Juli 297,1 960 92
Gaisbach 1.Juli 77,7 271 99
Tlg. Etzlinswl. 1.Juli 24,6 70 12
Tlg. Haag 1.Juli 89,5 324 91
Tlg. Kemmeten 1.Juli 91,2 307 55
Tlg. Oberhof 1.Juli 64,2 214 27
Tlg. Schipperg 1.Juli 45,9 139 93
Tlg. Schnaihof 1.Juli 5,0 16 22
Tlg. Unterhof 1.Juli 31,9 112 71
Tlg. Weckhof 1.Juli 27,0 93 06
Goggenbach 1.Juli 259,7 869 15
Kesselfeld 1.Juli 161,3 585 65
Tlg. Großlindig 1.Juli 7,7 28 04
Tlg. Hofrain 1.Juli 51,7 208 15
Kirchensall 1.Juli 263,2 923 25
Tlg. Göltenhof 1.Juli 40,3 153 46
Tlg. Mainhardtsall 1.Juli 111,5 407 90
Kleinhirschb. 1.Juli 159,0 558 87
Tlg. Döttenweil. 1.Juli 63,3 220 31
Tlg. Emmertshof 1.Juli 43,0 162 71
Tlg. Großhirschbach 1.Juli 144,6 523 69
Tlg. Löschenhirschbach 1.Juli 155,4 562 61
Tlg. Stolzeneck 1.Juli 42,4 148 83
Kupferzell 1.Juli 266,4 983 81
Tlg. Rechbach 1.Juli 84,1 278 27
Tlg. Schafhof 1.Juli 42,4 168 13
Tlg. Ulrichsberg 1.Juli 98,5 355 91
Langenbeuting. 1.Juli 590,5 2221 21
Mangoldsall 1.Juli 192,9 664 60
Tlg. Füßbach 1.Juli 129,5 466 87
Tlg. Langensall 1.Juli 208,1 714 09
Neuenstein 1.Juli 420,6 1842 17
Tlg. Eichhof 1.Juli 46,9 222 88
Tlg. Klumpenhof 1.Juli 39,1 180 49
Neureuth 1.Juli 26,3 97 81
Tlg. Neufels 1.Juli 41,1 131 86
Obereppach 1.Juli 60,7 221 91
Tlg. Kesselhof 1.Juli 67,1 231 82
Tlg. Lohe 1.Juli 37,0 131 98
Tlg. Tannen 1.Juli 73,9 250 18
Tlg. Untereppach 1.Juli 97,0 354 31
Tlg. Wüchern 1.Juli 92,0 329 20
Oberohrn 1.Juli 106,0 468 --
Obersöllbach 1.Juli 123,2 478 80
Pfedelbach 1.Juli 119,1 473 07
Schwöllbronn 1.Juli 241,5 923 60
Tlg. Stackenhof 1.Juli 27,2 77 84
Tlg. Unterohrn 1.Juli 120,5 435 79
Verrenberg 1.Juli 306,5 1385 44
Waldenburg 1.Juli 372,6 1100 --
Tlg. Goldbach 1.Juli 22,8 51 48
Tlg. Hohebuch 1.Juli 88,7 320 85
Westernach 1.Juli 264,5 822 94
Tlg. Bauersbach 1.Juli 92,5 331 62
Tlg. Beltersroth 1.Juli 154,6 369 64
Tlg. Belzhag 1.Juli 205,7 832 49
Tlg. Hesselbronn 1.Juli 227,1 752 78
Tlg. Löcherholz 1.Juli 12,5 47 34
Westernbach 1.Juli 270,7 1027 81
Windischenbach 1.Juli 207,3 834 60
Wohlmuthausen
Tlg. Habershof
1.Juli 32,6 127 14
Tlg. Metzdorf 1.Juli 51,9 196 44
Zweiflingen 1.Juli 92,4 353 34
Tlg. Friedrichsruhe 1.Juli 114,0 395 89
Tlg. Pfahlbach 1.Juli 17,7 61 46
Tlg. Schönau 1.Juli 18,8 57 41
Tlg. Tiefensall 1.Juli 149,1 485 20
 
 
Die Hagelschädigungen im Jahr 1897 nach Oberämtern.
Die Oberämter des Jagstkreis
Oberämter Zahl der
betroffenen
Gemeinden
Zahl der Hageltage Vollständig
verhagelte
Baulandfläche
ha
Die verhagelte Fläche
beträgt in Prozent
des gesamten Baulands
%
Bewilligter
Steuernachlaß

M        Pf.
Apr. Mai Juni Juli Aug. Sept. zus.
Aalen 5 - - 1 1 - - 2 688,4 4,33 1 788 36
Gerabronn 49 - - - 1 - - 1 3 727,7 10,98 7 964 73
Gmünd 17 - - - 1 - - 1 1 053,5 6,05 2 426 31
Hall 5 - - - 1 - - 1 225,0 0,99 543 90
Künzelsau 11 - - - 1 - - 1 769,0 3,15 1 709 57
Mergentheim 1 - - 1 - - - 1 85,0 0,30 174 68
Öhringen 85 - - - 1 - - 1 11 120,6 45,49 41 815 97
Welzheim 10 - - 2 1 - - 3 286,6 2,20 576 11
 

Gemeinderatsprotokolle zum Hagelunwetter 1897 und die Folgen

Es soll berichtet werden, wie hoch der Schaden ist - 1897
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 03.Juli 1897 findet sich folgendes:
Nach dem Ausschreiben des Kl. Oberamts vom 2.Juli d.J. ist zu berichten wie hoch sich der Schaden des am 1.Juli d.J. stattgefundenen Hagelschlages auf hiesiger Markung belauft dem zu folge wird der Schaden wie folgt veranschlagt:
1) an zu Grund gegangener Ernde . Feld und Gartengewächse 90.000M
2) an schwer beschädigten Gebäude 20.000M
3) an zu Grund gegangener oder schwer bschädigten Bäumen 150.000M
4) an den Weinbergen 50.000M
Summe 310.000M

Es sollen 30.000 Dachziegel bestellt werden - 1897
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 03.Juli 1897 findet sich folgendes:
Zur Herstellung der ruinierten Gebäuden an Dachziegeln sind noch ca. 30.000 Stück nötig (ohne diese welche sich selbst schon beschafft haben oder durch anderes Material verwart werden. Es wird
Beschlossen:
Durch Vermittlung der Oberamtspflege eine Bestellung zu machen und an die einzelnen Gebäudebesitzer zu dem Selbstkostenpreis abzugeben und von der Gemeindepflege Vorschußweise zu bezahlen. Ebenso etwa nöthigen Sämereien zum sofortigen Wiederanbau der Felder als Erbsen, Wiken Pferdezahnmais.

Es solleine Comission bestellt werden - 1897
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 03.Juli 1897 findet sich folgendes:
Zur Durchführung der thunlichsten Linderung des Unglücks ist nach dem cit. Erlaß vom 2.Juli d.J. außer den Mitgliedern des Gemeinschaftl. Amts eine Comission von noch 3 weiteren Mitgliedern der Einwohner zu bilden welche die erforderlichen Maßnahmen zur thunlichsten Linderung des entsetzlichen Unglücks soweit sie nicht den bürgerl. Collegien zustehen zu besorgen haben. Als solche wurden ernannt:
Christian Brand, Karl Carle jun, Robert Marmein

Die verhagelten Felder sollen geschätzt werden - 1897
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 08.Juli 1897 findet sich folgendes:
Nach erhaltener Mittheilung vom Kl. Kameralamt Oehr. Findet morgen den Freitag den 9.Juli d.J. die Schadensabschätzung der verhagelten Felder zum Zweck des Steuernachlasses auf hiesiger Markung statt, wozu ein Ortsschätzer zu bestellen ist. Demgemäß wird als Ortsschätzer bestellt:
Schultheiß Carle von hier
welcher sich an der Oehringer Markungsgrenze Morgens 7 Uhr einzufinden hat

Der Staat bietet ein unverzinsliches Darlehen an - 1897
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 16.August 1897 findet sich folgendes:
Nach einem Erlaß des Kl. Oberamts Oehringen vom 10.Juli d.J. hat sich das Kl. Finanzministerium auf Ersuchen des Ministeriums des Innern bereit erklärt aus Mitteln der Staatshauptkasse zur Linderung der Noth derjenigen Gemeinde welche todal verhagelt sind, ein, das erste Halbjahr unverzinsliches, dann aber mit 2% verzinsliches Anlehen, Rückzahlbar spätestens bis 1.April 1899 zu machen.
Da auch in hiesiger Gemeinde die voraussetzungen zutreffen so wird
Beschlossen
Die Kl. Staatshauptkasse durch Vermittlung des Kl. Oberamts um ein Anlehen zu bitten zwar aber durch öffentl. Aufruf zur Anmeldung der nöthigen Beträge der einzelnen zu erlaßen, damit man den Gesamtbetrag feststellen kann

Es soll ein unverzinsliches Darlehen von 11.000 Mark aufgenommen werden - 1897
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 23.August 1897 findet sich folgendes:
Nachdem die Zeichnung wie in vorsteh. Seite beschlossen wurde von den einzelnen bedürftigen Hagelbeschädigten in abgelaufener Woche vollzogen worde ist, welches nach dem besonderen Verzeichniss auf 11000M festgestellt worden ist wird
Beschlossen:
1) das Kl. Finanzministerium um ein Anlehen von 11000M zu bitten
2) Das Anlehen an die Gemeindepflege schiken zu lassen und vor versammelten Gemeinderat zur Vertheilung zu bringen.
3) Das an die einzelnen gemachte Anlehen ist vom Tag des Anlehens empfangs an gegenüber der Gemeinde mit 1% zu verzinsen.
4) Die Kl. Kreis Regierung um Genehmigung hiezu zu bitten

Es wird bekräftigt, dass amn das Darlehen aufnehmen will - 1897
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 24.September 1897 findet sich folgendes:
Nach dem Erlaß der Kl. Kreis Regierung vom 16.Septbr. D.J. ist die Abänderung des Beschlußes zu der Staatl. Kapitalaufnahme für die Sturm und Hagelbeschädigten hiesiger Gemeinde vom 23.August d.J. von 10000M auf 11000M beanstandet und wie es scheint deren Richtigkeit bezweifelt worden, es wird daher wiederholt
Beschloßen
1) für die durch Sturm und Hagelschaden bedrängten Gemeindeangehörigen ein anlehen bei der Kl. Staatshauptkasse von 11000M Ellf Tausend Mark aufzunehmen
2) Für jetzt um einen Betrag zu sofortiger Ausbezahlung von 6000M zu bitten

Wahl zum Bezirks Comite zur Verteilung der Gaben - 1897
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 30.September 1897 findet sich folgendes:
Nach der Bekantmachung des BezirksComites vom 22ten Septbr. D.J. Hohl. Bot No. 148. soll zur Berathung mit dem Bezirks Comites wegen Vertheilung der Gaben für die Hagelbeschädigten ein mit dem Erwerbs Vermögens und Familienverhältnissen der Gemeindeeinwohner genügend vertrauter Vertretter aus der Gemeinde gewählt werden. Diese Wahl wurde heute vorgenommen und es wurde einstimmig gewählt
Schultheiß Carle von hier
als Stellvertretter Gemeindepfleger Mezger von hier

Die geschädigten Bäume sollen nachgeschätzt werden - 1897
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 7.Oktober 1897 findet sich folgendes:
Durch das Kl. Ministerium ist eine Nachschätzung der durch den Sturm und Hagelschlag am 1.Juli d.J. beschädigten Obstbäume angeordnet, und ist zu den hiezu berufenen Schätzern nehmlich
Hl. Gemeinderat Gebert v Möhrig
und Gemeinderat Frank v Öhringen ein vom Gemeinderat zu bestellender ortskundiger Sachverständiger hiezu zu bestellen.
Als solcher wird bestelt Schultheiß Carle hier

Die geschädigten Bäume sollen der Beheizung der Schule dienen - 1898
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 3.Januar 1898 findet sich folgendes:
Nachdem das Holz von den durch Hagel und Sturm beschädigten Gemeinde Obstbäume in den Ort in der Nähe des Schulhauses verbracht ist und zur Schuleinheizung verwendet werden soll wird vom Gemeinderath
Beschlossen
Da segen und spalten soll nach öffentlicher Bekantmachung im Abstrich vergeben wwerden wozu der 4.Januar 98 Nachmitags (1 Uhr) anberaumt ist;
Das Holz muß so kurz gesegt und gespalten werden daß es zur Einheitzung im Schulofen verwendet werden kann.
Die Bezahlung wird von der Gemeindepflege geleistet.

Das unverzinsliche Darlehen soll nun 2 Jahre laufen - 1898
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 18.Januar 1898 findet sich folgendes:
Gemäß Erlases vom Kl. Finanzministeriums vom 30 Dezbr. 1897 und durch Anordnung des Kl. Oberamts vom 11.Januar 1898 betreffend Nachtrag des demnächst zur Veröffentlichung gelangten
Finanzgesetzes pro 1897/1899
wonach die Bedingungen des Staats-Anlehens für die Hagelgeschädigten vom 1.Juli 1897 dahin abgeändert sind, daß die Unverzinslichkeit von 6 Monate auf 2 Jahre ausgedehnt die Frist für die Rückzahlung vom 1.April 1899 bis 1.April 1901 erstrekt worden ist; insofern der Gemeinde gegenüber dem einzelnen Schultnern von den seitherigen Bedingungen keinen Gebrauch machen und bei den einzelnen das gleiche Verfahren einhalten.
Dem ensprechend wird beschlossen
Die Gemeinde verpflichtet sich das vorgeschossene oder dargeliechenen Staats Anlehen von 11000Mark für die Dauer von 2 Jahren unverzinslich zu belassen und erst nach Ablauf dieser Zeit einen Zins von höchstens 2% zu fordern

Die vom Hagel geschädigten Pappeln sollen verkauft werden - 1899
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 7.November 1899 findet sich folgendes:
Da im Jahr 1897 die Pappelbäume an der Vizinalstraße Verrenberg Bitzfeld, durch Hagelschlag ruiniert, und kein Wachsthum mehr vorhanden ist, auch durch längeres stehen lassen, Schaden leiten, wird
Beschlossen
sämtliche der Gemeinde gehörige Pappelbäume zu verkaufen und den Erlös der Gemeindepflege zum Einzug zu übergeben.


Nachtrag links:
Erlöst für 11 Stämme 124M v. H. Stutz v. Neuenstein

Die letzten 1000 Mark des Darlehens können nicht pünktlich zurück gezahlt werden - 1901
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 20.April 1901 findet sich folgendes:
Die Gemeinde hat mit Reg. Genehm. Vom 16.September 1897 Ziff 7684 anläßlich des Hagelschlages im Jahr 1897 ein Nothstandsanlehn von 11000M aufgenommen, welches spätestens bis zum 1.April 1901 wieder hat heimbezahlt werden sollen. Bis jetzt sind heimbezahlt 10000M und stehen noch aus 1000M.
Dieselben sind bis jetzt von den einzelnen Empfängern nicht beizutreiben gewesen, und werden auch voraussichtlich vor dem 1.April 1902 nicht beizutreiben sein. Mit Rücksicht darauf, daß die rückständigen Dahrlehnsempfänger meist der minderbemittelten Klasse angehören wird
Beschlossen
1. Diesem noch bis zum 1.April 1902 fragliches Darlehen im Gesamtbetrag von 1000M anzuborgen.
2. Solche als Gemeindeschuld zu betrachten und bis 1.April 1902 heimzubezahlen
3. und hiezu die Genehmigung der Kl. Kreisregierung einzuholen.

Quellennachweis

Buch "Öhringer Heimatbuch" von Wilhelm Mattes
Hohnloher Bote 1897
Hohenloher Zeitung 1997
Statistisches Handbuch für das Königreich Württemberg Jahrgang 1898 (Juli 1899)S.60,62,63,65
Staatsarchiv Ludwigsburg: F 192 II / Bü 1500; Schuldenwesen der Gemeinden, Gde. Verrenberg 1856 - 1906