Verrenberg HistorischErweiterung der Schule und Aufgabe
der Kapelle in Verrenberg; 1871 - 1876

Die Verhältnisse in der Verrenberger Schule scheinen um 1870 verbesserungswürdig gewesen zu sein.Hier einen kurzen Überblick über die Lage damals.
Im EG befand sich der "Beetsaal", im 1.OG Schul- und Gemeinderatszimmer. Diese konnten nur über eine Treppe außen am Gebäude erreicht werden.
Die ca. 75 Kinder von 6-14 Jahren belegen das "Schullokal" in zwei Schichten, da der verfügbare Platz (ca.36m2) es nicht anders erlaubt.
Als Grundlage für diese Seiten diente der Bestand "F 192 II / Bü 586; Volksschule Verrenberg 1871 - 1938" aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg. Leider scheinen hier einige Unterlagen und Zeichnungen zu fehlen.
Im Folgenden soll die Entwicklung chronologisch aufgeführt werden.

03.08.1871 Das Dekanat Weinsberg führt beim Oberamt Öhringen Beschwerde über das "Schullokal" in Verrenberg.
Das Zimmer ist viel zu klein, so dass "Abteilungs Unterricht" (Unterricht in zwei Gruppen nacheinander)
gehalten werden muß.
Auch sind die Wände zwar vorschriftsmäßig gestrichen (blau-grün), aber unvergipst.
Die Subsellien (Schulmöbel) sind mangelhaft, ohne "Fußbänkchen".
Ein Gefahrenherd für die Sittlichkeit stellt auch die Tatsache dar, dass für beide Geschlechter nur ein
Abtritt (Toilette) vorhanden ist.
Da erscheinen die Schiebefenster als kleineres Problem, diese sollten durch Flügelfenster ersetzt werden.
   
15.08.1871 Der Verrenberger Gemeinderat antwortet, dass für eine Erweiterung kein Platz zur Verfügung steht.
Auch wird der "Abteilungs Unterricht" verteidigt. Denn der Lehrer könnte keinen "Vorstand" leisten, wenn alle Kinder (ca. 75!!) gleichzeitig unterrichtet werden müssten.
Zu den Subsellien heist es, dass diese inzwischen ausgebessert und mit "Fußbänkchen" versehen worden seien.
Den Einwand die Fenster betreffend meint man, dass eine Dosierung der Lüftung mit Schiebefenster sehr viel besser möglich sei.
Den fehlenden 2ten Abtritt erkennt man als Mangel an, verweist aber erneut auf den mangelden Platz im Gebäude.
   
  Der Verrenberger Gemeinderat bestand 1871 aus folgenden Herren:
Christoph Adam Lay, Mugele, Mezger, Georg Michael Zentler, Zöller, Schmelzle und dem Schultes Carle.
Als Lehrer wird ein Herr Herb benannt.

1.Stock der Verrenberger Kirche um 1870 Bild links:
Diese Skizze dürfte den Grundriss des 1.Stocks um 1871 in etwa treffen.

Vom Lehrer Herb sind für das alte "Schullokal" folgende Maße überliefert:
  Länge: 7,87 m
  Breite: 4,58 m
  Höhe: 2,57 m

Die 4 Fenster waren jeweils
0,71 m breit und 1,14 m hoch.
   
12.01.1872 Der Königliche Oberamtsbaumeister Lutz hat in einem Schreiben vom 12. Januar 1872 zuerst das Gebäude beschrieben, wie er es vorgefunden hat und dann seine ersten Vorschläge für den Umbau gemacht.
Den Wortlaut können Sie im folgendem nachlesen.

Der Unterzeichnete hat an Ort und Stelle Einsicht genommen und beehrt sich über das Schullokal in Verrenberg
in folgendem zu äußern:
Das ganze Gebäude in Verbindung mit einem Betsal und eines Gemeinderathszimmer steht nach allen Seiten frei - hat eine gesunde Lage und ist an der östl: Seite ein massiv von Stein gebauter Thurm angebaut.
Der I. Stock ist ebenfalls massiv und enthält nach der ganzen Ausdehnung des Gebäudes den Betsal.
Der II. Stock ist von Fachwerk mit Eichenholz und Ausmauerung construirt, in welchem sich das Schullokal mit Gemeinderathszimmer und Vorplätzen befindet. Durch eine an der westl. Gibel Wand angebrachten mit Pultdach überdeckte Holztreppe gelangt man in dieses Stockwerk. Das Schullokal liegt südeöstlich, ist sehr troken und hat im Allgemeinen eine sehr freundliche Lage. An den beiden Außenseiten befinden sich zusammen 4 Fenster von 98 cm brüstungshöhe und 115/82 cm lichter Größe.
Die Subsellien sind derart aufgestellt, daß den Schulraum das Licht von rechts und von dem Gesichte einfällt, vergl. die beid. des Planes nach dem jetzigen Stande.
Die beiden Abtritte aus dem selben Plan ersichtlich, sind von mangelhaften ausgebauten Bretterhäuschen hergestellt, welche blos am 2ten Stock angehängt und nicht einmal bis zum Terainboden reichen.
Soll der Abtheilungsunterricht, wie er jetzt besteht für 24 - 36 Schüler beibehalten werden, so wäre den Übelständen auf folgende einfache Art abzuhelfen:
Nach beiliegendem Plane (Project I.) wird der große Vorkamin, welches einen unnützen Platz einnimmt, verkleinert, die Scheidewände zwischen Vorplatz des Rathszimmers und des Oehrn heraus genommen und der Eingang zur Schule an die der südl. Fensterwand gegenüberliegende Scheidewand verlegt.
An der südl. Fensterwand dürfte noch 1 Fenster von gleicher Größe - wie die übrigen - angebracht werden.
Der Catheder und die Subsellien werden jetzt derart aufgestellt, daß den Schülern das Licht von links und vom Rücken einfällt (vergl. Project I.).
Bezüglich der Abtritte lassen sich dieselben auf der nördl. Seite anbringen. Man würde in diesem Falle den Abtritt für den Lehrer und das Rathszimmer zwischen beide Schülerabtritte hinein legen. Die Anlage ist aus dem Plan ersichtlich.
Soll der Abtheilungsunterricht aufhören, so muß das Schullocal vergrößert werden, vergl. Project II.
Der Oehrn vor dem Local wird noch zu dem Schulzimmer genommen und die mit gelber Farbe angegebene Scheidewände werden herausgebrochen. Die an der Westseite angebrachte Treppe ist dann von Süden nach Norden um ca. 1 1/2 meter zu verrücken. An der südl. Seite ist ebenfalls noch ein neues Fenster, wie in Project I. einzusetzen. Die Treppe in Speicher wird verlegt, wie im Plann mit rother Farbe angegeben ist.
Die Abtrittanlage ist dieselbe wie bei Project I.
Die Kosten werden bei Project I. auf ca. 250M und bei Projekt II. auf ca. 300M sich belaufen.
   
15.02.1872 Die Ortsschulbehörde erklärt sich einverstanden mit dem Beschluss des Gemeinderaths das Project II. auszuführen, wenn die Königl. Oberschulbehörde das ganze als Vereinbar mit der Königl. Ministerial-Verfügung vom 28.12.1870 hält.
   
  Es folgen diverse Schreiben, die aufzuführen diesen Rahmen sprengen würde.
   
12.04.1872 Der Königliche Oberamtsbaumeister Lutz hat in Verrenberg einen überarbeiteten Plan für Project II. vorgelegt. Darin fällt nun auch das Gemeinderathszimmer zugunsten des Schulzimmers weg!
So könnten alle Schüler gleichzeitig unterrichtet werden. Die Kosten werden nun auf 1500 - 1800 Mark veranschlagt. Der Verrenberger Gemeinderat bezweifelt, dass diese Summe ausreichen wird. Da die Gemeinde noch durch die Zehnt- und Gefällablösung verschuldet ist und viele unvermögende Leute hier wohnen, wird vom Gemeinderath beschlossen:
   Das Königl. Consistorium wird gebeten den Umbau zu verschieben, bis dringendere Gründe
   für diesen eintreten und bis die Gemeinde finanziell wieder besser da steht.
   
  Eine Verschiebung wird abgelehnt, trotz Anerkennung der schlechten finanziellen Lage der Gemeinde.
    
22.08.1872 Die Gemeinde stimmt dem neuen Plan zu Project II. zu, wenn es ihr erlaubt wird ihr Gemeinderathszimmer über dem Schullokal unter dem Dach einzurichten. Gleichzeitig die Bitte, die Höhe des Schullokals zu belassen, um die Kosten zu begrenzen.
   
17.02.1873 Baurath Stahl (Königl. Oberschulbehörde Stuttgart) hat keine Einwände gegen das Project II.. Es werden aber nicht die Vorgaben der Bestimmung von §1 der Verfügung vom 28.12.1870 eingehalten. Es überlässt es dem Königl Consistorium den Gesamtplan trotzdem zu genehmigen. Zwei Vorschläge zur Ausführung sehen Sie in FigA und FigB.
Vorschlag zur Schule Verrenberg 1871 Vorschlag zur Schule Verrenberg 1871
   
03.03.1873 Das Königl. Consistorium genehmigt den Bauplan, mit der Auflage, dass die Vorschläge des Baurathes Stahl zu berücksichtigen sind und spätestens im Frühjahr 1875 zu beginnen ist. Zum 01.12.1874 ist über die getroffenen Vorbereitungen zu Berichten.
   
26.02.1874 Laut Oberamtsbautechniker würde sich das Kirchlein unter der Schule zur Einrichtung eines Schullokales eignen. Diese Variante wird befürwortet, da es die geringsten Kosten für die Gemeinde verursachen würde (wird später doch verworfen).
Es wird festgestellt, dass im Kirchlein kein Gottesdienst durch den Geistlichen gehalten wird, sondern lediglich Mittwochs Beetstunde durch den Lehrer gehalten wird und diese hauptsächlich von älteren Leuten besucht wird, denen der Kirchgang nach Bitzfeld zu beschwerlich ist.
   
27.03.1874 Das Königl. evangelische Consistorium genehmigt die Umwandlung des Kirchleins in Verrenberg in eine Schule
   
02.04.1874
Laut Gemeinderathsbeschluss vom 26.02.1874 (fehlt!) soll das Kirchlein in ein Schullokal umgewandelt werden soll. Das Königl. Oberamt wird gebeten, den Königl. Oberamtsbaumeister zur Erstellung des Bauplanes zu veranlassen.
   
17.11.1874 Das Einrichten der Schule im Kirchlein geht nicht, da eine Türe und mehrere Fenster in die dicke Wand gebrochen werden müssten.
   
30.08.1875 Es soll noch in diesem Späthjahr mit dem Umbau begonnen werden.
Was irgendwie geht (wie dir Abtritte an der westl Giebelseite) sollen aber erst am nächsten Schuljahr gemacht werden. Der Oberamtsbautechniker soll möglichst bald eine Kostenaufstellung machen.
   
16.12.1875 In betreff Vergrößerung des hies. Schullokales nach GeRathsBeschluß vom 30.August d.J. oben bl. 234b Verhandl. II. Zif.3 wurde der gefertigte Kostenvoranschlag von Hl. Oberamtsbaumeister Lutz am 12. Dez hieher übergeben und wurde heute dem versammelten Gemeinderath, Ortsschulrath und Bürgerausschuß zur Einsicht vorgelegt.
Nach gepflegener Berathung hierüber wurde einstimmig
Beschlossen
1. Die Ausgaben des Kostenvoranschlages von 2205M 19Pf zur Genehmigung
2. das Kl. Oberamt zu bitten, daß der Hl. Oberamtsbaumeister Lutz mit der Verakordierung und beaufsichtigung des Bauwesens beauftragt werde.
3. Den Betrag der Kosten durch Capitalaufnahme aufzubringen und daselbe folgendermaßen wieder zu deken
   a. Im Jahr 1877/78 (da in diesem Jahr die letzten 100f von der Aufnahme zur Feuerspritze noch zu tilgen sind) nur 200M
   b. in den Rechnungsjahren pro 1878/84 je 300M
   c. Den Rest von 205M pro in dem Rechnungsjahr 1884/85
4. höhere Genehmigung hiezu einzuholen
   
06.02.1876 Der genehmigte Schuldentilgungsplan wird der Gemeinde Verrenberg übergeben. Die Baukosten von 2205 Mark sollen folgendermasen getilgt werden:
Rechnungsjahr   Betrag
1877/78 200 Mark
1878/79 300 Mark
1879/80 300 Mark
1880/81 300 Mark
1881/82 300 Mark
1882/83 300 Mark
1883/84 300 Mark
1884/85 205 Mark
Summe 2205 Mark
   
14.02.1876 Das Königl. ev. Consistorium berichtet an das Königl. Gemeinschftl. Oberamt Weinsberg/Öhringen, das in der Lehrerwohnung in Verrenberg (1838 erbaut) Reperaturen am Boden, Wänden und Fenstern, sowohl innen als auch außen, auszuführen sind. Auch wird aufgrund der fehlenden Speisekammer angeordnet, dass ein Speisekasten einzurichten sei.
Es wird die Vorgaben gemacht, dass die Arbeiten beginnen müssen, sobald die Witterung dies Erlaubt. Nach Beendigung der Arbeiten ist unverzüglich darüber Bericht zu erstatten. Erst dann will man die vakante Lehrerstelle neu ausschreiben.
   
12.02.1876 Die Gemeinde Verrenberg reicht die Bauakten zur Genehmigung beim Königl. Oberamt ein.
Hier einige Zeichnungen darraus.
Plan des 1 Stock der Schule in Verrenberg 1876
Bild oben: Grundriss des 1.OG wie es nach dem Umbau ausehen soll.
Bild unten: Querschnitt wie es nach dem Umbau ausehen soll.
Querschnitt der Schule in Verrenberg 1876


Westansicht der Schule in Verrenberg 1876
Bild links: Westansicht der Schule, wie es nach dem Umbau ausehen soll.
Bild unten: Westansicht der Schule heute.
Westansicht der Schule in Verrenberg 2004
Situationsplan der Schule in Verrenberg 1876
Karte der Schule in Verrenberg von 1876
Karte der Schule in Verrenberg von 1876
   
06.05.1876 Das Königl. evangelische Consistorium will einen Bericht über den Stand des "Schulwesens" in Verrenberg.
   
12.05.1876 Der Schulth. Carle meldet, dass der Umbau im Gange ist.
   
19.05.1876 Zur Bezahlung des ersten Abschlages für die neue Schule wurde von Friedrich Carle led. Ein Darlehn von 1000M zu 5% aufgenommen.
   
25.05.1876 Die Baugenehmigung wird am 25.05.1876 an die Gemeinde Verrenberg übergeben.
   
22.07.1876 Die Ortsschulbehörde von Verrenberg meldet an das das Königl. Gemeinschftl. Oberamt Öhringen/Weinsberg, dass die Renovierung der Lehrerwohnung abgeschlossen ist. Es wird bemerkt, dass die vorhandenen Räumlichkeiten hinreichend seien, bis auf die fehlende Speisekammer.
Die Bitte wird gestellt, "nach langem Unglück mit Lehrer Herb, die hiesige Schulstelle mit einem tüchtigen Lehrer in kurzer Zeit zu besetzen".
Wie ist diese Bemerkung zu verstehen?
   
14.08.1876 Das Königl. ev. Consistorium meldet an das Gemeinschftl. Oberamt in Schulsachen Weinsberg/Öhringen, dass die Lehrerstelle in Verrenberg erst ausgeschrieben werden kann, "nachdem die Fruchtbesoldung vom Hohlmaß ins Gewicht umgerechnet sein wird."
   
19.08.1876 Die Ortsschulbehörde erstellt die angeforderte Umrechnung.
   
31.08.1876 Das Königl. ev. Consistorium akzeptiert die vorgelegte Umrechnung der Fruchtbesoldung und hat die vakante Lehrerstelle ausgeschrieben.
   
22.03.1877 Zur Dekung der Schulanbaukosten sind nach dem Überschlag 2205M aufzunehmen Beschlossen siehe bl. 237
Es sind bis jetzt 2000M aufgenommen und wird deßhalb
Beschlossen
1. Die restlichen 205M bei Gottlieb Zöller hier welcher sich bereit erklärt hat gegen 5% verzinsung aufzunehmen.
2. Das Kapital ist in dem Rechnungsjahr pro 1884/85 abzuzahlen und von Seiten des Darleihers bis dahin unaufkündbar, dagegen ist die Gemeinde berechtigt gegen 1/4 jährige Kündigung zu jeder Zeit das Kapital abzutragen.
 

Quellennachweis.

Staatsarchiv Ludwigsburg: F 192 II / Bü 586; Volksschule Verrenberg 1871 - 1938