Verrenberg Historisch

Haus Nr. 69 in Verrenberg (Golbergstraße 28)


Aufnahme von 2005

Aufnahme von 2005

Aufnahme von 2005
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 69
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1833; Haus Nr. 69
Urkataster von 1833

Lage des Haus im Ort


Das Schankrecht


1840 wird Johann Ludwig Carle im Gemeinderatsprotokoll erstmals als "Speis Wirth" bezeichnet.
Im Gemeinderatsprotokoll vom 05.April 1845 wird die Visitation der Wirthe geregelt.
Da die Maase und Trinkgeschire der Wirthe jährlich 2mal visitiert werden sollen, so wurde
Beschlossen
Es sollen mit dieser Visitation
Gemeinderath Ilg und
Gemeinderath Kraft
beauftragt, und sollen dieselben auf den Befehl des Ruggerichts …….. Buches bl. 58b ...§.1. aufmerksam gemacht werden.

Erst am 04.Januar 1847 macht der "Speisewirth" Ludwig Carle wieder einen Versuch, eine Concession für eine Schildwirtschaft zu bekommen. Dazu führt er aus, dass er gewillt ist ein neues, großes Haus zu bauen, welches sich bestens dazu eignet. Dabei erwähnt er, dass gegenüber das Gasthaus "Sonne" ruht.

Im Gemeinderatsprotokoll vom 30.März 1849 taucht der Name "Linde" erstmals auf.
"Deren 2 Söhnen des Linden-Wirth Ludwig Carle, wurte ...".

Als am 6.März 1853 der Speisewirth Jacob Mäule um die Concession einer Schildwirtschaft bittet, führt er aus, dass die Schildwirthschaft zur Linde keine Gäste beherbergt.
Vermutlich in den 20er Jahren des 20.Jhdt. wurde das Recht auf Beherbergung aufgegeben.

Nach dem II.WK wurde nur sporadisch geöffnet, um die Konzession zu erhalten.
Ab 1953 wird die Wirtschaft von Gertrud und Karl Klaiber jährlich im Februar weiter betrieben.
1981 erhält Gertrud Klaiber weiterhin die Konzession.
Ab 2006 wird die Linde von Traude und Bernd Rothenhöfer monatlich ein paar Tage als Besenwirtschaft geöffnet.

Andere Wirtschaften in Verrenberg:
Speise Wirtschaft (Haus Nr.47 1842-1992)
Schildwirtschaft Sonne (Haus Nr.22 1623-19??)
Brandweinbrennerei (Haus Nr.14 1861-mind.1923)
Brandweinbrennerei (Haus Nr.28 vor 1845-????)

Die namensgebende "Linde" stammt vermutlich von einer "Friedenslinde", die nach dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) gepflanzt wurde. Anm.: Nach Kriegen oder Pestepidemien gab es den Brauch, sogenannte Friedenslinden zu pflanzen. Die meisten erhaltenen Exemplare erinnern an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, einige aber auch noch an den Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete.
Am Pfingstsonntag 1955 schlägt ein Blitz in den Lindenbaum und zerstört ihn.
1963 wurde eine neue Linde gepflanzt


Die Bewohner

1854 wird die Witwe von Ludwig Carle als Eigentümer des neuerbauten Hauses genannt. Es wird erzählt, dass die Bauzeit 10 Jahre betragen haben soll.
Der gemeinsame Sohn Carl Christian Carle übernimmt 1887 das Haus und wird als Lindenwirth bezeichnet.
Später wird dann dessen Sohn Christian Friedrich Carle der Eigentümer sein. Von seinen vier Söhnen kommt nur Willi Carle aus dem II.WK zurück. Er heiratete nach Bitzfeld in die "Rose". Daher übernimmt die Tochter Gertrud den Hof.
1946 ziehen Kriegsvertriebene ein.
Mit der Hochzeit von Gertrud mit Karl Klaiber 1951 kam dieser Name auf den Hof.
Seit 1978 wohnen Traude und Bernd Rothenhöfer in der Linde.

Bauliche Entwicklung - Haus 69 - die neue Linde:

Im Feuerversicherungsbuch wird als Baujahr für die neue Linde (Nr.69) 1840 genannt. Es heist, daran sei 10 Jahre lang gebaut worden.
Unter diesem neuen Haus befindet sich auch ein 2 stöckiger Keller!

Nachtrag zum Primärkataster 1854 - Zeichnung

Nachtrag zum Primärkataster 1854

1860 stellt Carl Christian Carle den Antrag auf Bau einer Scheune (Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 5122).

1863 stellt der Lindenwirth Carl Christian Carle den Antrag auf Anbau einer Holzremise an das Wohnhaus (Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 4867).

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Karl Carle Ein zweistockiges Wohnhaus von Stein und Fachwerk mit Giebeldach 55'
38'
20'
17'
4. 4 2 3   1 gew. Keller
2 Dachböden mit 4 Kammern
3 Geschierrkammern
Ziegel Der erste Stock Stein sonst gem. u verblendetes Fachwerk Keine der Backofen gesetzl. gebaut Fundament Sockel u. Kellermauern --- 6300 III 6300 alter Anschlag 4000f.
(1861)

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Carle Karl 2 stockiges 1840 erbautes Wohnhaus bei der Linde von gem. Bauart unter Giebeldach 15.60
10.90
Souterrain Vergl 2.50
Erdg 3.00
I.Stock 2.70
Dach 4.90
2 EG
2 I.Stock
2 EG
2 I.Stock
1 EG
1 I.Stock
4 Dachboden
1 EG
1 I.Stock
  1 gew. Keller
1 große Faß Remise
mit Kelter
1 Brauerei
1 Schweinestall
Dachplatten Erdgeschoß v Stein, sonst v ausgem und verblendeten Fachwerk keine der ganze Keller u. die Fundamente sowie das einhäuptige Gemäuer im Souterrain 11000 IV 13750 Alter ca.56Jahre. Unterhaltung gut Unter neb Anschlag von 11000M inbegriffen ist
1 Brauerreikessel mit Kupfereinsatz Kupferhelm und Kühlgefäß Anschlag 80M
1 Obstpresse mit Eichenzundel und Holzbiet Anschlag 80M
1 Abtrittgehäuse, ausgenommen der Grube, Anschlag 60M
1 Backofen darunter Schweinestall ausgen. der Fundamente anschlag 260M
1 hintere Vortreppe ausgen der Fundamente Anschlag 15M


1911 wurde eine elektr. Lichtanlage mit drei Glühlampen eingebaut.

Das Baudatum im 1896er Feuerversicherungsbuch und das Gesuch für eine Concession für eine Schildwirtschaft von 1847 wiedersprechen sich! Welches Datum stimmt nun?

Der Eintrag im Primärkataster von 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 37
Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 69

Nachtrag zum Primärkataster

Nachtrag zum Primärkataster 1877 Haus 36-37

Nachtrag zum Primärkataster, 1854-55

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1854-55; Haus 37 und 69 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1854-55; Haus 37 und 69

Nachtrag zum Primärkataster, 1919

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1919; Haus 69 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1919; Haus 69

Ergänzungskarte zum Primärkataster

Ergänzungskarte zum Primärkataster Verrenberg 1833; Haus 37

 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Staatsarchiv Ludwigsburg E 175 I Bü 6198 Wirtschafts- und Schankkonzessionen
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 5122
Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 4867