Verrenberg HistorischDas Schank und Krämerrecht in Verrenberg


Schankrecht   Krämerrecht
Allgemeines Die Sonne Die Linde Die Rose Sonstiges   Die Rose Haus 53 - Dinger


Das Schankrecht

 

Allgemeines

Die Anfänge dieses Themas verlieren sich in fernen Zeiten ...
Das älteste, im Moment fassbare Ereignis ist 1623 die Erhebung der Sonne zu einer Erbschenke.
Unklar ist aber noch z.B. ob die Wirtschaft schon zuvor bestand und so vieles mehr.
Da gibt es in diversen Archiven noch einiges zu erforschen.
 

Die Sonne

Zeitungsanzeige Sonne in Verrenberg Anno1623 zu einer Erbschenk gemacht worden ...".
Der aktuelle Stand der Forschung legt nahe, dass von 1623 bis 1826 die Sonne die einzige Wirtschaft im Ort war.
1826 wird erwähnt, dass die "Sonne" zumindest zeitweilig geschlossen war.
Am 02.04.1842 heist es im Gemeinderatsprotokoll" ... da der Schildwirth Sonnenwirth Atz vor einigen Tagen die Wirtschaft niedergelegt hat ..."
Im Gemeinderatsprotokoll vom 05.April 1845 wird die Visitation der Wirthe geregelt.
Da die Maase und Trinkgeschire der Wirthe jährlich 2mal visitiert werden sollen, so wurde
Beschlossen
Es sollen mit dieser Visitation
Gemeinderath Ilg und
Gemeinderath Kraft
beauftragt, und sollen dieselben auf den Befehl des Ruggerichts …….. Buches bl. 58b ...§.1. aufmerksam gemacht werden.
1847 begründet Ludwig Carle seine Bitte eine Schildwirtschaft eröffnen zu dürfen u.a. damit, dass die "Sonne" ruht.
Als am 6.März 1853 der Speisewirth Jacob Mäule um die Concession einer Schildwirtschaft bittet, führt er aus, dass die Schildwirthschaft Sonne ruht.

1859 ist im "Hohenloher Bote" eine Einladung zur Kirchweih. Ab 1863-65 kommen diese Anzeigen jährlich. Dann wieder 1873-1913 fast jährlich.

Ab 1876 finden sich in den Ratsprotokollen und im "Hohenloher Bote" immer wieder Hinweise auf Veranstaltungen in der Sonne.

Um 1900 erscheint die Zeitungsanzeige rechts. Auf dem Hof war zwar die Familie Marmein, die Wirtschaft wurde
aber in erster Linie von der ledigen Schwester der Hofbesitzerin, von Luise Pauline Zorn umgetrieben.

Dies stellt nur den aktuellen Stand der Forschung dar, es gibt noch viele Quellen, die auf Bearbeitung warten ...
Seit dem Beginn des I.WK 1914 scheint die Wirtschaft geruht zu haben.

Details zu Haus und Hof Nr.22 - Die Sonne - gibt es auf einer seperaten Seite.

 

Die Linde

Die Bezeichnung "Linde" wurde nicht beim Gebäude Nr.37, sondern erst später beim Gebäude Nr.69 gebraucht!

Nach aktuellen Forschungsergebnissen begann erst mit Ludwig Carle der Ausschank von Wein auf diesem Hof!
Da der Sonnenwirth Wilhelm Franz Happold seine Erbschenke um 1826 nicht (ständig ?) geöffnet hatte, konnten die Weinaufkäufer sich im Ort weder verpflegen, noch dort übernachten. So mussten diese abends immer den Weg nach Öhringen oder Bitzfeld antreten. Was sicher nach Verkostung des angebotenen Weines nicht immer einfach war.
Ludwig Carle hatte bereits die Erlaubnis, seinen eigenen Wein zeitlich befristet bis zum 22.Dezember 1826 ausschenken zu dürfen. Am 22.März 1826 bittet er darum, dass eben diese zeitliche Begrenzung aufgehoben wird. Eine Antwort dazu fehlt in den Unterlagen.
Am 04.Mai 1827 bittet er um die Erlaubnis, eine Schildwirtschaft zum "Rößle" führen zu dürfen. Zur Begründung führte er an, dass seine Gäste sich ohne "Labung" abends noch nach Öhringen oder Bitzfeld aufmachen mussten, was mit einigen Problemen verbunden war. Er wusste wohl, wie schlecht die Aussichten auf Erfolg waren. Darum schloss er gleich die Bitte an, zumindest eine Gassenwirtschaft betreiben zu dürfen.

Die Erlaubnis für einen ständigen Weinausschank wird Ihm am 11.Mai 1827 erteilt. An Kosten wurden festgelegt:
   Concession 8 Gulden
   Inkognitionsgeld 2 Gulden 8 Kreuzer

Im Zuge diverser Schriftwechsel dazu wurde sein Vermögen auf 4000 Gulden geschätzt.

Ab 1839 tauchen in Gemeinderatsprotokollen, im "Intelligenz Blatt Oehringen" und "Hohenloher Bote" immer wieder Protokolle / Anzeigen zu Veranstaltungen auf.

1840 wird er im Gemeinderatsprotokoll erstmals als "Speis Wirth" bezeichnet.

Ursprünglich war die Wirtschaft im "alten" Haus Nr.37. Das neue Haus und damit das neue Gasthaus Nr.69 wurde vermutlich 1840 fertig gestellt.

Im Gemeinderatsprotokoll vom 05.April 1845 wird die Visitation der Wirthe geregelt.
Da die Maase und Trinkgeschire der Wirthe jährlich 2mal visitiert werden sollen, so wurde
Beschlossen
Es sollen mit dieser Visitation
Gemeinderath Ilg und
Gemeinderath Kraft
beauftragt, und sollen dieselben auf den Befehl des Ruggerichts …….. Buches bl. 58b ...§.1. aufmerksam gemacht werden.

Erst am 04.Januar 1847 macht der "Speisewirth" Ludwig Carle wieder einen Versuch, eine Concession für eine Schildwirtschaft zu bekommen. Dazu führt er aus, dass er gewillt ist ein neues, großes Haus zu bauen, welches sich bestens dazu eignet.
Dabei erwähnt er, dass gegenüber das Gasthaus "Sonne" ruht.

Im Gemeinderatsprotokoll vom 30.März 1849 taucht der Name "Linde" erstmals auf.
"Deren 2 Söhnen des Linden-Wirth Ludwig Carle, wurte ...".

Als am 6.März 1853 der Speisewirth Jacob Mäule um die Concession einer Schildwirtschaft bittet, führt er aus, dass die Schildwirthschaft zur Linde keine Gäste beherbergt.
Vermutlich in den 20er Jahren des 20.Jhdt. wurde das Recht auf Beherbergung aufgegeben.

Nach dem II.WK wurde nur sporadisch geöffnet, um die Konzession zu erhalten.
Ab 1953 wird die Wirtschaft von Gertrud und Karl Klaiber jährlich im Februar weiter betrieben.
1981 erhält Gertrud Klaiber weiterhin die Konzession.
Ab 2006 wird die Linde von Traude und Bernd Rothenhöfer monatlich ein paar Tage als Besenwirtschaft geöffnet.

Die namensgebende "Linde" stammt vermutlich von einer "Friedenslinde", die nach dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) gepflanzt wurde. Anm.: Nach Kriegen oder Pestepidemien gab es den Brauch, sogenannte Friedenslinden zu pflanzen. Die meisten erhaltenen Exemplare erinnern an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, einige aber auch noch an den Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete.
Am Pfingstsonntag 1955 schlägt ein Blitz in den Lindenbaum und zerstört ihn.
1963 wurde eine neue Linde gepflanzt

Dies stellt nur den aktuellen Stand der Forschung dar, es gibt noch viele Quellen, die auf Bearbeitung warten ...

Details zu Haus und Hof Nr.37 bzw. 69 - Die Linde - gibt es auf einer seperaten Seite.

 

Die Rose

Es war der Schmiedmeister Mäule, der 1842 die "Consesion zum Weinschankrecht" beantragte (und wohl auch bekam) und damit die Wirtschaft in diesem Haus begründete.
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 02.April 1842 liest sich das so:
Der Schmidmeister Mäule von hier will um eine Consesion zum Weinschank bei Königl. Oberamt nachsuchen und bittetet zu diesem Behuf um gemeinderäthliches Zeugniß. Es wird daher beschlosen:
1) Dem Schmidtmeister Mäule zu bezeigen das der Ort Vörrenberg 400 Einwohner zält und für das Wirthschafts gewerbe gut gelegen ist.
2) dass außer einem Gassen Wirth niemand das Wirtschaftsgewerbe betreibt, da der Schildwirth Sonnenwirth Atz vor einigen Tagen die Wirtschaft niedergelegt hat und dass Bannrecht nicht vorhanden ist.
3) dass Bittsteller ein gutes Predicat hat, einiges Vermögen besitzt und Schmidt Pro..ession betreibt die ihn aber bei seiner großen Familie nicht hinlänglich ernährt auch dass derselbe in keinem amtlichen Verhältnissen steht, der ihn vom Wirtsschaftsgewerbe ausschliesen.
4) Das sein sein Haus zu Einrichtung einer Wirtschaft sehr gut geeignet ist und Inerhalb Etters an der Strase steht auch
5) das der Gemeinderath selbst es wünscht das dem Mäule die Consesion zum Betrieb der Wirthschaft ertheilt werden möchte da wie schon gesagt außer einem Gassen Wirth sonst niemand in dem von vielen Leuten der umgegend besuchten


Mäule möchte neben Wein, Bier und Liqeur auch Brantwein ausschenken.
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 13.Juni 1846 liest sich das so:
Schmidtmeister Mäule hier will um Berechtigung zum Brantweinschank einkommen.
Derselbe ist bereits vor längerer Zeit Liqeurschank berechtigt worden und führt auch Wein und Bier.
Insoferne mit dem Bierschank in der Regel auch Brantweinschank verbunden ist, so glaubt der Gemeinderath, daß hier keine Ausnahme werde gemacht werden und
erklärt
daß vonhier aus nichts eingewendet werde, wenn dem Mäule Consession ertheilt werden wollte.
Zum Tanz wird geladen, Verrenberg 1847
Der Zeitungsausschnitt (rechts) von 1847 zeigt eine Zeitungsanzeige von Mäule

Im Gemeinderatsprotokoll vom 05.April 1845 wird die Visitation der Wirthe geregelt.
Da die Maase und Trinkgeschire der Wirthe jährlich 2mal visitiert werden sollen, so wurde
Beschlossen
Es sollen mit dieser Visitation
Gemeinderath Ilg und
Gemeinderath Kraft
beauftragt, und sollen dieselben auf den Befehl des Ruggerichts …….. Buches bl. 58b ...§.1. aufmerksam gemacht werden.

Ab 1852 tauchen in Gemeinderatsprotokollen und im "Hohenloher Bote" immer wieder Protokolle / Anzeigen zu Veranstaltungen auf.

Am 10.März 1853 bittet der als Speisewirth bezeichnete Jacob Mäule um die Konzession für eine Schildwirtschaft. Er führt dazu aus, dass ihm "schon vor mehreren Jahren" die Concession für eine Speisewirtschaft erteilt wurde und diese so erfolgreich war, dass er sein Wohnhaus "um ein Bedeudentes" erweitern musste, "um die erforderlichen Gelaße zu erlangen".
Durch diese Erweiterung hatte er sich so verschuldet, dass er trotz gut gehender Geschäfte seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Seine Hoffnung setzte er auf eben diese Konzession einer Schildwirtschaft. Sein Schwiegersohn in spee Jakob Friedrich Grabert würde das Gasthaus übernehmen, wenn eben die Schildgerechtigkeit gegeben wäre. Dieser besitze auch das notwendige Vermögen, um die entsprechende Einrichtung zu bezahlen.
Seine Bitte war vergebens, so dass er seinen Besitz verkaufte und 1854 nach Amerika auswanderte.

Der nächste Besitzer, Philipp Heinrich Bühner beantragt 1854 die Wirtschafts- und Krämerei Gerechtigkeit
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 01.September 1854 liest sich das so:
Philipp Heinrich Bühner von Ellhofen, welchem unter der Voraussetzung, daß er die hienach genannte Conceßionen erlangt, die Aufnahme in das hiesige Bürgerrecht zugesagt worden ist, bittet
1) Um Ertheilung der gewönl. Wirtschafts gerechtigkeit
2) Um Ertheilung der Krämergerechtigkeit. Zu diesem Endes wird bezeugt:
   a. daß der hiesige Ort gegen 70. Einwohner zähle, ein bedeutender Weinort sei und daher ein weiterer Wirthschaftsgewerbe wünschenswerth sei, indem
   b. außer dieser nur noch Eine Schildwirthschaft vorhanden sei
   c. daß der Bittsteller ein gutes Prädikat und 1000f. Vermögen besitze und
   d. auf dem von ihm käuflich dahier erworbene Haus seither schon eine Wirthschaft betrieben worden sei, daß ferner
   e. was die Ertheilung einer Krämerei Gerechtigkeit betreffe solche hier das hiesige Ort ein Bedürfniß und dieselbe auf dem Haus seither schon mit Erfolg betrieben worden sei.

1858 bittet der neue Besitzer Johannes Mornhinweg um die Krämer- und Wirtschaftsgerechtigkeit.
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 13.Dezember 1858 liest sich das so:
Johannes Mornhinweg aus Neubulach Oberamts Aalen Hufschmiedt und dessen Verlobte Margaretha Arnold Tuchscheerers Wittwe aus Aalen haben dem Speisewirth Bühner von hier sein Haus Käuflich erworben und sind beide Verlobte am 13.Dezember d.J. in das hies. Bürgerrecht aufgenommen worden.
Sie bitten daher:
1) um Ertheilung der Persönlichen Speisewirthschafts gerechtigkeit und
2) um Ertheilung der Krämerereigerechtigkeit wie solche auf diesem Hause von Bühner betrieben worden sind.
Zu diesem Ende hin wird hiemit Gemeinderäthlich bezeugt
a. Das der hies. Ort über 70. Einwohner zählte und ein beteudenter Weinort sei und daher ein weiteres Wirtschaftgewerbe wünschenswerth sei indem
b. Außer dieser nur noch eine Schildwirtschaft welche betrieben wurde vorhanden ist.
c. Daß die Bittsteller ein gutes Prätikat und ein Vermögen über 3000f. besizen.
Daß ferner
d. Was die ertheilung der Krämereigerechtigkeit betrifft, ... für das hiesige Ort ein dringendes Bedürfniß, und dieselbe auch dem erworbenen Hause seither schon mit Erfolg betrieben worden sei

1860 wurde Johann Mornhinweg, auf dessen Bitte, das Konzessionsgeld von 50fl. angesagt.

1878 musste der neue Besitzer Wilhelm Friedrich Hüttinger, für die "Concession zum Ausschank von Wein, Obstmost und Brandwein" 50,60 Mark bezahlen.
Am 24.Oktober 1878 wird die Concession für den Obstmost zurück gezogen und statt dessen der Bierausschank erlaubt.
Drei Jahre später erhält er, gegen eine Gebühr von 15 Mark, wieder das Recht Obstmost auszuschenken.

Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 16.Oktober 1878 findet sich folgendes:
Wilhelm Hüttinger Weingärtner von Lehrnsteinsfeld welcher kürzlich das Johann Mornhinwegsche Anwesen worauf schon längere Zeit eine Wirtschaft betrieben wurde erkauft hat, erscheint und trägt vor, daß auch er die auf dem Gebäude schon längst beriebene Schankwirtschaft mit Ausschank von Wein, Obstmost und Brandwein ausüben möchte und bittet, zur einholung der Wirtschaftsconsession in polizeilicher hinsicht um ein Zeugniß vom Ge Rath Verrenberg.
Nachdem Hüttinger lt. vorgelegtes Zeugniß vom 28.Septbr. d.J. vom GeRath Lehrnsteinsfeld ausgestellt, ein gutes Prädikat hat und daß die in §33. Abs.1 der Gewerbeordnung bezeichneten Mängel bei den Hüttingerschen Eheleute nicht zutreffen, so wird diesseits zu bezeugen
Beschlossen
1) daß gegen dieses Gesuch diesseits keine gesetzliches Hinderniß bekannt ist
2) Was die Localität betrifft, entspricht dieselbe dem Minist. Erlass vom 22ten Juli 1878 mit Ausnahme der Stokhöhe welche anstatt 2,3 met nur 2,05 met lichte Höhe hat.
3) In betreff des Brandweinausschankes wird mit rücksicht darauf, daß in gleichem Gebäude ein solcher eingegangen ist und somit in hies. Ort nur noch ein Brandweinkleinverkauf besteht dieß als ein Bedürfniß erachtet.
Im obrigen Gemeinderatsprotokoll vom 16.Oktober 1878 findet sich auf linker Seite folgende Nachträge:
Vermög Erlaßes des Kl. Oberamts vom 19.Oktober 1878
Hat Hüttinger die Erlaubniß zum ausschank nebiger Getränke gegen Bezahlung von 50M 60d Concessionsgeld erhalten

Nach erhaltener Mittheilung vom 24.Oktober 1878 ist dem Hüttinger auf sein Ansuchen beim Kl. Oberamt, die Obstmostausschank Conces. zurück gewonnen und dagegen diejenige für den Bierschank ertheilt worden.

Durch Beschluß des Kl. Oberamts vom 14.Oktober 1881 wurde dem Hüttinger die Erlaubniß zum Obstmostausschank gegen Bezahlung von 15M Sporkel ertheilt

Die Witwe des Wilhelm Friedrich Hüttinger bittet 1884 nach dem Tod ihres Mannes um "Wirtschafts Concesion"
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 21.Mai 1884
Wurde in dem Wirtschafts Concesionsgesuch der Witwe Christina Hüttinger hier, auf die am 16ten Mai d.J. abgegebene Äußerung des GeRats dahier und auf Grund der Gewerbeordnung §33 und der Minist. Verfüg. Vom 22. Juli 1878 Mist. Amtsbl. S.218 von dem Kl. Oberamt die Genehmigung zum ausschank von Wein, Bier, Obstmost und Brandwein ertheilt. Der GeRat hat hievon Kenntniß erhalten und der Hüttinger wurde die Genehmigungurkunde (mit Belehrung wegen verunreinigung des Brandweins nach der Ministvorl. vom 18. Juli 1878 Regbl. S.181) eingehändigt.


Eberhard Gottlob Apenzeller beantragt 1885 die "WirthschaftsConzession". Für das Recht Wein, Obstmost, Bier und Brandwein auszuschenken musste er 70 Mark bezahlen.
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 06.Juli 1885 findet sich folgendes:
Rothgerber von Backnang gebürtig in Zuffenhausen hat am 13.April d.J. das Wilhelm Hüttingersche Gebäude No47 hier worrauf schon längere Zeit Sp...reihandlung und Wirtschaft betrieben wurde erkauft und will dieselben Gewerbe betreiben. Behufs erlangung der WirthschaftsConzession wurde dem Appenzeller am 18ten Mai d.J. nach dem vorgeschriebenen gedrukten Formular ein Gemeinderäthl. Zeugniss ausgestellt und ein Zeugniß vom Gemeinderath Baknang beigelegt und an das Kl. Oberamt Oehringen befördert, worauf am 3ten Juli d.J. dem Appenzeller der Betrieb einer Schankwirthschaft mit persöhnlichem Recht auf Geb. No.47 mit dem Ausschank von
a. Wein
b. Obstmost
c. Bier und
d. Brandwein gegen den Sportelansatz
von a. 30M
von b. 10M
von c. 15M
von d. 15M
zus. 70M ertheilt wurde wovon man heute Kenntniss erhalten hat.
Er zog bereits 1886 wieder nach Backnang.

Johann Georg Michael Kister musste 1886 für die gleichen Schankrechte wie sein Vorgänger exakt den gleichen Betrag bezahlen.

Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 26.Juli 1886 findet sich folgendes:
Georg Kister lediger Mezger von Gütbach Gem Rüdbach OA Gerabronn hat am 31.Mai d.J. von Eberhard Appenzeller dahier das Haus mit Scheuer und Hofraum Geb. No.47 worauf schon längere Zeit Wirtschaft und Spielereihandlung betrieben wurde, erkauft Kfb. XIV bl.162b und will die gleichen Gewerbe betreiben. Behufs Erlangung der Wirtschafts Concession hat Kister von seiner Heimatgemeinde ein gutes Zeugniss vorgelegt und wurde ihm auch von hier aus das nöthige Zeugniss ausgestellt, worauf das Kl. Oberamt am 24. Juli d.J. die Wirtschafts Concession zum Ausschank von Wein, Obstmost, Bier und Brandwein ertheilt hat, gegen den Sportelansatz
von Wein 30M
von Obstmost 10M
von Bier 15M
von Brandwein 15M
  70M
wovon man heute Kenntniss erhalten und dem Kister Eröffnung gemacht hat.

Dies stellt nur den aktuellen Stand der Forschung dar, es gibt noch viele Quellen, die auf Bearbeitung warten ...

Details zum Haus Nr.47 - Die Rose - gibt es auf einer seperaten Seite.

 

Sonstiges

Weinausschank:


Johann Georg Haußler bittet 1876 erfolgreich um die Erlaubnis, seinen eigenen Wein ausschenken zu dürfen. War er der erste, der dieses Recht auf diesem Haus erteilt bekommen hat?
Im "Schultheißenamt Protokoll" vom 08.November 1876 heist es:
Johan Haußler hier erscheint und trägt vor, daß er sein Dießjahr eigenes Gewächs ca. 1300 Litter Weinmost ausschenken wolle und bittet um Einleitung hiezu treffen zu wollen.
Dem bittsteller Haußler wurde
Bezeugt
daß das Quantum von 1300 Litter eigenes Gewächs und kein erkauft worden ist, auch in polizeilicher Hinsicht von hier aus dem Ausschank kein Hinderniß im Wege steht


Brandwein:

Haus 14

Johann Ludwig Ebele bittet 1861 erfolgreich um die Erlaubnis, Brandwein brennen zu dürfen. War er der erste, der dieses Recht auf diesem Haus ertheilt bekommen hat?
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 13.Dezember 1861 findet sich folgendes:
Küfermeister Ludwig Ebele Bürgerlich in Bizfeld und Wohnhaft hier hatte eine kleine Brandweinbrennerey welche im Partere Stock ganz feuerhaft und auf einem Kellergewölbe steht einrichten lassen wozu er um diese Ausführung bei der Feuerschau und dem Gemeinderath nachgesucht, und Erlaubniß dazu erhalten hat.
Ebele bittet daher auch um Ertheilung der Conssesion zum Brandweinbrennen.
Der Gemeinderath hat auf dieses Gesuch
Beschlossen
Daß dem Bittsteller von hieraus seinem Gesuch entsprochen sein soll, mit dem Anfügen daß dieses Vorhaben in der hiesigen Gemeinde öffentlich bekannt gemacht werden soll und hierüber eine Tagfahrt festzusezen, daß etwaige Einwendungen biß zu dieser Tagfahrt bei dem Schultheißenamt dahier vorzubringen seien, und nach Ablauf dieser Frist einen Protokoll Auszug zu fertigen und denselben nebst etwa vor kommenden Einwendungen dem K. Oberamt Oehringen zu weiteren Verfügung vorzulegen

Der zweite Mann seiner Witwe, David Karl Scholl bittet um die Erlaubnis auch Brandwein brennen zu dürfen.
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 27.Oktober 1864 findet sich folgendes:
David Scholl Küfermeister und Bürgerlicher Inwohner von hier welcher sich mit der Ehefrau des verstorbenen Küfers Ludwig Ebele Verehlicht und lezterer eine entsprechende Brandweinbrennerey besessen hat bittet um Ertheilung der Consession zum Brandweinbrennen. Der Gemeinderath hat auf dieses Gesuch Beschlossen:
Daß dem Bittsteller von hier aus seinem Gesuch entsprochen sein soll mit dem anfügen daß dieses Vorhaben in der hies. Gemeinde Öffentlich bekannt gemacht worauf hier über ene Tagfahrt zu etwaigen Einreden festzusezen, nach Ablauf dieser Frist solle ein Protokollauszug gefertigt und denselben nebst etwa vorkommenden Einwendungen dem K.Oberamt Oehringen zur weiteren Verfügung vorgelegt werden.
Da es im Ort keine Einwände gab, findet sich schon am folgenden Tag im Gemeinderatsprotokoll folgendes:
Obriges Gesuch ist an 28.Oct. 1864 im hies. Orte bekannt gemacht und zur Vorbringung etwaiger Einsprachen eine Frist von 8 Tagen anberaumt worden worüber aber nach Ablauf dieser Frist keine Einsprachen erhoben worden sind

Zwei Jahre später möchte er dann seinen Brandwein auch selber ausschenken
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 16.April 1866 findet sich folgendes:
Es erscheint heute David Scholl Küfermeister von hier und trägt vor:
Ich habe mich entschlossen zu meinem Handwerk um einen Brandweinschank nachzusuchen und bitte daher den Gemeinderath um ..teilung ged. Ertheilung der Consession hiezu treffen zu wollen.
Auf vorstehendes Gesuch wurde berathung hierüber gepflogen und in Erwägung gebracht daß der Bittsteller gut Prädirt und sich nur 2. Brandweinschenker nebst einem Berechtigten welcher es aber für jetzt nicht erfüllt in dem hies. Ort welcher über 400 Seelen zählt seinem Gesuch zu entsprechen und beschliessen
Diesem Vorhaben in dem hies. Orte über etwaige Einwendungen bekannt machen zu lassen und nach Ablauf der Frist von 8 Tagen also bis 24.April d.J. dem K. Oberamt Oehringen einen Protokollauszug zur Beurkundung der Ertheilung der Consession vorzulegen.


1874 beantragt David Karl Scholl das Recht, seinen Brandwein selbst an Endkunden verkaufen zu dürfen.
Dies liest sich im Gemeinderatsprotokoll so:
David Scholl Küfer hier sucht um Brandwein Kleinverkauf nach, behufs dessen wurde demselben bezeugt
1) daß der nachsuchende ein gutes Predikat hat
2) daß gegen denselben keine der in der Gewerbeordnung §33. enthaltene Thatsachen vorliegen welche zum Bedenken veranlaßung geben.
3) ist nur ein Brandweinschenker welcher sein Gewerbe in Betrieb hat, hier. Welcher aber nicht eigenes Fabrikat hat, sondern künstlich bereiteten Brandwein führt.
Dieß gibt Veranlaßung als ein Bedürfniß zu bezeichnen daß bei dem gegenwärtigen Getränkemangel ein guter Naturbrandwein zu haben ist.
Es wird deßhalb dieses Vorhaben dem K. Oberamt zur Genemigung empfohlen

Nachtrag links:
Durch Erlaßes des K. Oberamts v. 30.Januar/6.Februar 1874 ist dem Küfer Scholl diese ... ertheilt worden.


Haus 28

Johann Friedrich Löffler bittet um ein Zeugnis um die Erlaubnis zum Ausschank von Brandwein zu bekommen
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 10.Januar 1845 findet sich folgendes:
Küfermeister Friedrich Löffler dahier bittet um ein Zeugniß Behufs des bei Oberamt einzueinzureichenden Gesuchs um die Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein
Beschluß
Solle bezeugt werden
a) daß der Ort 410 Einwohner zähle und zum Wirtschaftsgewerbe gar nicht ungünstig gelegen ist,
b) daß sich hier befinden
    eine Schild
    eine Speise         Wirtschaft
    eine Gassen
    eine Brantweinschenke
wegen die Schildwirthschaft von jezt aber 1/4 Jahre lang oder während der Winterzeit von dem ........ deswegen nicht betrieben werden will, weil ihm zu wenig ......... an Umgeld abgerechnet worden, daß übrigens keine der bestehenden Wirtschaften ein Brennrecht für sich habe.
c) daß Bittsteller ein gutes Prädikat habe und zünftiger Küfermeister ist, welche Profeßion ihn jedoch nicht hinlänglich ernährt, was für ihn um so härter seyn dürfte, als sein geringes Anwesen verschuldet ist.
d) daß demselben in keinen amtlichen Verhältnissen stehe, die ihn vom Wirtschafts Gewerbe ausschließen
e) daß sein Haus innerhalb Etters steht und zu Einrichtung einer Wirtschaft ungeeignet erscheint.
f) daß er Erlaubniß zum Brantweinbrennen hat und die Brennerei betreibt übrigens im G.... sein Erzeugniß nicht absetzen kann.
Hat er vom Oberamt die Erlaubnis bekommen? Gemeint war mit:
- Schildwirtschaft die Sonne (Haus Nr.22)
- Speisewirtschaft die Rose (Haus Nr.47)
- Gassenwirtschaft die Linde (Haus Nr.69)
- Brandweinschenke das Haus Nr.14


Haus 46

1841 bietet der Küfermeister Johann Heinrich Jacob Utz im "Intelligenz Blatt Oehringen" Trester Branntwein zum Verkauf an.

1842 bietet er erneut im "Intelligenz Blatt Oehringen" Trester Branntwein zum Verkauf an.

 

Das Krämerrecht



Krämerladen im Gasthaus Rose

Als Philipp Bühner 1854 die "Krämergerechtigkeit" beantragt, heist es im Gemeinderatsprotokol:
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 01.September 1854 liest sich das so:
Philipp Heinrich Bühner von Ellhofen, welchem unter der Voraussetzung, daß er die hienach genannte Conceßionen erlangt, die Aufnahme in das hiesige Bürgerrecht zugesagt worden ist, bittet
1) ...
2) Um Ertheilung der Krämergerechtigkeit. Zu diesem Endes wird bezeugt:
...
   c. daß der Bittsteller ein gutes Prädikat und 1000f. Vermögen besitze und
...
   e. was die Ertheilung einer Krämerei Gerechtigkeit betreffe solche hier das hiesige Ort ein Bedürfniß und dieselbe auf dem Haus seither schon mit Erfolg betrieben worden sei.

Bereits 1858 war Johannes Mornhinweg als Nachbesitzer auf dem Gut. Er beantragt u.a. die "Krämerereigerechtigkeit".
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 13.Dezember 1858 liest sich das so:
Johannes Mornhinweg aus Neubulach Oberamts Aalen Hufschmiedt und dessen Verlobte Margaretha Arnold Tuchscheerers Wittwe aus Aalen haben dem Speisewirth Bühner von hier sein Haus Käuflich erworben und sind beide Verlobte am 13.Dezember d.J. in das hies. Bürgerrecht aufgenommen worden.
Sie bitten daher:
1) ...
2) um Ertheilung der Krämerereigerechtigkeit wie solche auf diesem Hause von Bühner betrieben worden sind.
Zu diesem Ende hin wird hiemit Gemeinderäthlich bezeugt
...
c. Daß die Bittsteller ein gutes Prätikat und ein Vermögen über 3000f. besizen.
Daß ferner
d. Was die ertheilung der Krämereigerechtigkeit betrifft, ... für das hiesige Ort ein dringendes Bedürfniß, und dieselbe auch dem erworbenen Hause seither schon mit Erfolg betrieben worden sei


 Anzeige links:  Am 18.Dezember 1858 erschien dazu im "Hohenloher Bote" die Anzeige.
 Brief rechts:  Am 10.Dezember 1859 wurde der Kramhandel vom Oberamt genehmigt. Die Artikel, mit denen er handeln durfte waren:
   Zucker, Caffee, Liqueur, Gewürze, Reis, Salz, Essig, Oehl, Cigarren, Rauch- und Schnupftabak, Cäse, Seife, Lichter, Papier, Siegellak, Nadeln, Heften, Faden, Tabakspfeiffen, Schwefel Zündhölzer, Docht, Drahtstifte, Wichse, Wezsteiner, Schiefertafeln, Creide, Bleistifte und Federn


Johannes Mornhinweg erschoss sich 1877, seine Witwe starb ein Jahr später.

Der neue Eigentümer Wilhelm Friedrich Hüttinger stellt zwar Antrag zur "Wirtschaftsconsession", aber zur "Krämerereigerechtigkeit" konnte kein Eintrag gefunden werden.
Hat er diese wirklich nicht beantragt, oder fehlt ein Eintrag im Gemeinderatsprotokoll? Hier könnten noch Unterlagen im Ortsarchiv sein.
Er starb 1884, seine Frau 1885.

Eberhard Gottlob Apenzeller kaufte das Anwesen 1885 und will "Specereihandlung und Wirtschaft" weiter betreiben, wie dies in der Vergangenheit in diesem Haus bereits so war.
Bereits im folgenden Jahr zog er wieder weg.

Erklärung zu Specereihandlung:
Das aus dem Mittelalter überlieferte Wort „Spezereien“ ist laut Lexikon ein Ausdruck für Gewürze und Gewürzwaren.
Im süddeutschen Raum wurde ein Gemischtwarenhandel oder Kauf-/Kramerladen bis in unsere Zeit hinein eine „Spezereihandlung“ genannt.


Johann Georg Michael Kister kaufte Haus und Hof und beantragte 1886 wieder "Specereihandlung und Wirtschaft" weiter betreiben.
Bereits zwei Jahre später verkaufte er und zog weg.

Als Philipp Jakob Werner 1888 die Wirtschaft kauft, ist wieder keine Rede von "Krämerereigerechtigkeit".
Aber im kirchl. Familienregister wird er als "Krämer und Gastwirt" bezeichnet.

1902 kam es zu einem umfassenden Um- und Neubau. Im Plan ist ein bereits zuvor existierender Laden eingezeichnet - an der Stelle, an der er auch im 20.Jahrhundert zu finden war.

Aufnahme von 1907

Plan von 19001

Plan von 19001


1911 heiratet der Sohn Albert Otto Werner und übernimmt das Gasthaus. Er starb im Februar 1919 in Rußland.
Seine Witwe heitatete 1922 Friedrich Kühner
Später übernahm sein gleichnahmiger Sohn.

Aufnahme von 1965

Aufnahme aus den 1970er, Wirtschaft und Kaufladen

Die beiden Aufnahmen oben zeigen den Eingangsbereich. Links ging es zum Kaufladen, rechts in die Wirtschaft.
Ein paar Aufnahmen aus der Gaststube gibt es hier.


 
Haus 53 - Dinger

Haus 53 in Verrenberg Ausschnittvergrößerung
Bild links: Das Haus Nr.53 auf einer Postkarte vor 1904
Bild mitte: Ausschnittvergrößerung - Schild mit der Aufschrift Handlung
Bild rechts: Kopf einer Rechnung des Friedrich Dinger von 1920.

Als Friedrich Dinger 1907 in Mannheim das 2te mal heiratete, wurde er noch als Landwirt bezeichnet. Im selben Jahr zog er noch in das Haus Nr.53 ein.
Da auf der Postkarte, die 1904 verschickt worden war, bereits ein Schild mit der Aufschrift "Handlung" erkennbar ist, hat er die Handlung übernommen, nicht gegründet.

Einiges spricht dafür, dass die Vorbesitzerin, die Witwe Bertha Gutropf, den Handel auf diesem Haus begründete.
Sie hatte bereits als Witwe um 1897 den Hof gekauft. Im Folgejahr heiratete ihre Tochter in Verrenberg den aus Murrhard stammenden Karl Michael Weber. Beide scheinen bis 1905 hier gewohnt zu haben

Unklar ist noch, mit welchen Waren genau gehandelt wurde. Es wird im Ort von z.B. Kohlebriketts erzählt. Hier muss noch weiter geforscht werden.

 

Quellennachweis.

Staatsarchiv Ludwigsburg E 175 I Bü 6198 Wirtschafts- und Schankkonzessionen
Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
HZA Ba 35 Bü 752 "Verpachtung des Umgelds im Amt Pfedelbach an die Wirte." 1765-1798
https://la24muc.de/175/spezereihandlung
Intelligenz Blatt Oehringen 1841
Intelligenz Blatt Oehringen 1842