Verrenberg HistorischDas Armenhaus in Verrenberg



Jeder, der das (aktive) Verrenberger Bürgerrecht hatte, konnte in Notfällen auf die Unterstützung durch die Gemeinde rechnen.
So wurde z.B. Waisenkinder bei Familien im Ort in Pflege gegeben. Durch die Verarmung weiter Schichten der Bevölkerung entstand auch in Verrenberg die Notwendigkeit, ein Armenhaus zu errichten.
Wann dies erstmals geschah, wird wohl im Dunkel der Geschichte bleiben. In den Hungerjahren 1816-17 wäre wohl die Notwendigkeit gegeben, es fehlen aber für dieses Zeitraum Unterlagen.


Aus dem "Schultheißen-Amts Protokoll" - 1825
Im "Schultheißen-Amts Protokoll" findet sich am 25.Februar 1825 folgendes:
Unter Beyziung auf den disseitigen Erlaß vom 15ten v m wird dem Schultheißenamt ereffnet daß die grundsäze welche bey wechselseidiger Erstattung der Kurkosten für arme unterdahnen des Battnschen Staates festgestelt worden auch auf die schweizerische Staats angeherige seine Anwendungen finde


Im Urkatasters von 1833 wird kein Armenhaus erwähnt.
Erst 1847 findet sich im Gemeinderatsprotokoll wieder ein Eintrag:
1847 gab es in Verrenberg kein Armenhaus
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 28.Januar 1847 liest sich das so:
... Ein Armenhaus befindet sich hier nicht und es ...
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 17.Februar 1847 liest sich das so:
... ob bey der zunehmenden Verarmung der niedern Classen es überhaupt nicht für nöthlich und angemessen erachtet werde ein Armenhaus zu bauen oder zu kaufen ...
... so ist das ganze Gemeinde Raths Collegium darinen einig, dass die Erbauung eines Armenhauses vorerst noch unterbleiben solle.

1854 wird für Schulkinder gekocht, um das Betteln abzustellen
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 18.Juni 1854 liest sich das so:
Bei der immer zunehmenden Noth der Armuth gegenüber wurden die hies. Bürger, durch armen Kinder aus der hies. Gemeinde mit dem Bettel zu hart belästigt, um diesem Unfug zu steuern, und das herumziehen der Kinder durch Bettel auf zu heben hat der unterzeichnete Gemeinderath
Beschlossen
Daß für 12. Kinder zur Unter..... jedem Tag Mittags um 11 Uhr in dem hies. Schullokal ausgetheilt werden soll, zu dieser Kochanstallt ist die Jacob Mäule von hier vorgeschlagen worden und mit diesem ein Accord abgeschlossen, daß sie für diese 12.Kinder alle Tage eine Suppe zur Genüge der Kinder kochen, und auf das Schullokal zu tragen habe, womit Hl. Schullehrer Zundel oder ein Gemeinderaths Mitglied bei der Unteraustheilung anwohnen wird.
Die Caroline Mäule bekommt für jeden Tag so lange sie Kocht je Tag 20x.

am 20. Febr. 1854 ist das erste mal gekocht worden und so alle Tage bis zum 6.Mai 1854.
Auf die immer steigende Preise der Lebensmittel hatte sich Mäule vor dem Gemeinderath beschwert, daß sie bei diesem so hohen Preisen immer um vor stehende 20x. kochen könnte, denn sie habe dabei einen bedeutenden Verlust.
Hierauf wurde von dem Gemeinderath nochmals beschlossen, der Meule so lange sie nocht kocht statt 20x. 24x. bekommen soll.
Also hat dieselbe vom 7.Mai bis 12.Juni d.J. bei der hies. Gemeindepfleg Casse in anrechnung zu bringen a. pr. Tag 24x. weil dieselbe biß lezteren Datum gekocht hat

1855 wurden Haus, Scheuer und Garten aus der Gantmasse des verst. Christian Schäffners
von der Gemeinde gekauft, um hier das Armenhaus einzurichten
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 18.Oktober 1855 liest sich das so:
Vor dem Gemeinderath und dem Bürgerausschuß
In der Gantmasse des verst. Christian Schäffners ist ein einstökiges Wohnhaus nebst Scheuer und Garthen im Werth von 275f. vorhanden, auß welchem die hiesige Ablösungs Casse ein Betrag von 22f. 53x mit II .... zu vordern hat.
Weil dieses Haus und Scheuer und Garten wurde bei der Versteigerung so wenig geboten daß diese Forderung gänzlich verloren gegangen wäre.
Aus diesem Grunde und weil die Gemeinde
kein Armenhaus besizt, ein solches aber ein täglich dringenderes Bedürfniß wird, wie dem für die aus 10. Köpfen bestehende Familie des Schäffner ein Obdach aus Gemeindemitteln angeschafft werden muß hat der Gemeinderath unter Zustimmung des Bürgerausschußes dasselbe um 132f. angekauft, zahlbar 1/10 barr und der Rest in 3 verzins ..... .... 1855, 1856, 1857
Es wurde nun
Beschloßen
Hierzu unter den ansätzen sich höhere Genehmigung zu erbitten daß der Kaufschilling in dem angegebenen Weißen ohne eine Kapitalaufnahme aus den laufenden Mitteln der Gemeinde Pflege aufgebracht werden könne.
Die Not, neben den anderen Obdachlosen, die 10 köpfige Familie des verstorbenen Christian Schäffners nach dem Zwangsverkauf ihres Hauses unterzubringen, zwang die Gemeinde eben dieses Haus zu kaufen und als Armenhaus einzurichten.

1857 wird angegeben, daß die Gemeinde jährlich 400f. für das Armenwesen ausgibt
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 6.März 1857 liest sich das so:
Unterm 12.Jan 1857 hat der Gemeinderath mit Zustimmung des Bürgerausschußes für die Gemeinde erkauft
Fld. No. 482
........
Die Armenunterhaltung kostet die Gemeinde allein, alljährlich 400f. und die
........

Wo im Ort lag das Haus Nr.41, das neue Armenhaus?
Lageplan des Haus Nr.41, bis 1860 Heute gehört dieser Platz zum Hof der Familie Braun.

1860 - für das abgebrannte Armenhaus wird ein Ersatz gesucht
Haus Nr. 13 in Verrenberg - 1926 Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 14.Dezember 1860 liest sich das so:
Durch das ihm heurigen Spätjahr hier abgebrannte Armenhaus sind wir in die Lage gesezt, daß wir für die vielen Obdachlosen Armen wieder ein Obdach aufbringen, die Erben der verstorbenen Christina Zorn besizen ein Haus mit einer daran hängenden Scheuerlein welches sich zu diesem Zwek eignen würde.
Der Gemeinderath und Bürgerausschuß hat daher einstimmig
Beschlossen
Dem Gemeindepfleger Mugele den Auftrag zu ertheilen, oben erwähnte Geb...lichkeit für die hiesige Gemeinde um einen entsprechenden Preis anzukaufen. Denn es ist voraussichtlich dass man 12 - 15 Personen darin unterzubringen hat, es scheint doch besser zu sein ein Haus anzukaufen als die Armen in Miethzins unterzubringen all.. es schon im hies. Orte an Miethwohnungen fehlt

Von den "12 - 15 Personen darin unterzubringen" gehörte der größte Teil vermutlich zur Familie des verst. Christian Schäffners.
Ab 1861 war das Verrenberger Armenhaus im Haus Nr.13 eingerichtet!

Es gibt ein Armenhaus, aber es fehlt ein Bett - 1861
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 28.Mai 1861 liest sich das so:
... Die hies. Gemeinde besizt wohl ein Armenhaus um den Schäffner darin unterzubringen, aber ein Bett und eine Person zur Verpflegung dessen war nicht vorhanden hierauf ...

Bericht an das Oberamt, wie die Ortsarmenbehörde aufgestellt ist - 1874
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 18.November 1874 liest sich das so:
Gemäß Aufforderung des K.Oberamts Oehringen nach besond. Schreiben v. 14ten d.M. würde folgendes berüchtet.
Die Ortsarmenbehörde in hiesiger Gemeinde ist in folgender Weise Constituiert.
Zu den Verhandlungen wird nach Art.9. des Gesetzes vom 17.April 1873 Regb 1875 S.112. der Geistliche von Bizfeld in dessen Pfarrsprengel die hies. Gemeinde gehört als Stimberechtigtes Mittglied eingeladen die Leitung der Sitzung besorgt der Ortsvorsteher mit dem genannten Geitslichen gemeinschaftlich.
Eine besondere Deputation besteht hier nach Art.10 nicht, da auch eine besondere Armenkasse nicht besteht. Die Ausgaben zu Armenzwecken müßen aus der Gemeinde Casse bestritten werden, es werden deßhalb auch sämtliche Gemeinderatsmitglieder zu den Verhandlungen eingeladen.

Umgang mit Vagabunden im Ort - 1881
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 20.Januar 1881 liest sich das so:
Auf Grund der Gemeinschaftl. Verhandlung des Amtsversammlungsausschußes, der Landarmen Comission und des Bezirkswohltätigkeitsvereins unter dem Vorsitz des kl. Oberamts
vom 3ten Januar d.J.
Maßregeln und Bestimmungen gegen die das Publikum belästigendes Vagantenwesens betref wurde gemäß Zif. 9. jener Bestimmungen mit Sonnenwirth Johann Zorn hier über Nachtquatier und Speisung der zureisenden Vaganten in folgender Weise ein Vertrag abgeschlossen.
1) Sonnenwirth Zorn verpflichtet sich Mittags von 11 - 1 Uhr auf eine von dem Schultheißenamt aufzustellende Karte den zureisenden die vorgeschriebene Mittagkost an Supp und Brod
für 20d
2) die vorgeschriebene Abendkost, Nachtquatier, und Morgens Supp oder Brod für 50d in vorgeschriebener Weise zu reichen.
3) Dem Oberamt durch Protokollauszug hievon Anzeige zu machen welches sich die Regelung der Preise vorbehalten hat.

Wer Unterstützung will, soll auch arbeiten - 1924
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 26.August 1924 liest sich das so:
Nach §.9. Abs.2 der Verordnung vom 15.Oktober 1923 ist, soweit Gelegenheit besteht die Gewerbslosenunterstützung von einer Unterstützung gemeinnützigem Carakter, Gemeindearbeiten abhängig zu machen u zwar bis zu 24 Stunden unentgeltlich; ein Lohn ist hierfür nicht zu bezahlen.
Beschluß
1.) Die Erwerbslosenunterstützung von einer wöchentlichen unentgeltlichen 24 stündigen Gemeindearbeitsleistung abhängig zu machen.
2.) Wer die Arbeit verweigert, scheidet aus der Erwersfürsorge aus.
3.) Bekanntmachung in der Gemeinde

Richtsätze der Unterstützung werden definiert - 1926
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 10.Februar 1926 liest sich das so:
Das Oberamt verlangt mit Runderlaß vom 19.Januar d.J. eine Beschlußfassung der Ortsfürsorgebehörde über Richtsätze, Art u Maas der öffentl. Fürsorge.
Der Inhalt des Erlasses wird dem Gemeinderat zur Kenntnis gebracht.
Im Hinblick darauf, daß die für den einzelnen Fall festzusetzende Richtsätze weder Höchst noch Mindestsätze, sondern nur Anhaltspunkte darstellen, u die tatsächliche Unterstützung von Fall zu Fall auch unter diesen Richtsätzen bleiben kann wird
Beschlossen
Folgende Richtsätze für das Maß der öffentlichen Fürsorge aufzustellen:
Es beträgt der monatliche Aufwand für Nahrung, Wohnung, Kleidung u Beleuchtung, Kochfeuerung Reinigung sowie für kleinere laufende Bedürfnisse, bei
a) einer alleinstehenden hilfsbedürftigen mit eigenem Haushalt (17,50) 25M
b) einer alleinstehenden hilfsbedürftigen in fremdem Haushalt, unter grundsätzlicher Gleichstellung von Mann u Frau (10,50) 15M
c) einem Ehepaar oder Geschwistern in gemeinsamen Haushalt (24,50) 35M
d) einem Erwerbsunfähigen zum Haushalt des Hilfsbedürftigen Angehörigen (4,20 - 5,60) 6 - 8 M
Auf diese Sätze kommen nur Anrechnung etwaige Einkommensbezüge des Hilfsbedürftigen, sowie etwaige Unterstützungen von allimentationpflichtigen Verwanden.
Auszug ans Oberamt


Nachtrag links:
Nebige Richtsätze werden hiermit um 30% ermäßigt
Verrenberg 7.Sept. 32


Als 1920 das Armenwesen neu geregelt wurde und die Gemeinde hier nicht mehr zuständig war, wurde das Haus an den Schankwirt Otto Werner verkauft.
 

Quellennachweis.

Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
Ortsarchiv Verrenberg: Schultheißen-Amt Protokoll