Verrenberg HistorischBesitzer des Hauses Flurstück Nr.13 in Verrenberg,
später Armenhaus

Links: Aufnahme von 1926   Mitte: Karte von 1818 mit Haus Nr. 12 und 13   Rechts: Ausschnitt aus dem Urkataster von 1833. Dort können Sie die Lage des Hauses im Ort erkennen.
Haus Nr. 13 in Verrenberg - 1926 Kartenausschnitt 1818; Haus Nr. 12 Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1833; Haus Nr. 13

Die Bewohner

1827 wurde "Haus samt Scheune" der Witwe des Mathes Kleiner um 242fl. versteigert.
Der Käufer war Anton Hörger.

Bei der Erstellung des Urkatasters 1833 wurde als Eigentümer Anton Hörger`s Witwe genannt. Wurde das Haus nach ihrem Tod 1843 an Christine Zorn verkauft?

In den Schätzungsprotokollen von 1854 wird eine Christine Zorn als Besitzerin genannt.

1860 kaufte die Gemeinde den Hof, um hier, als Ersatz für das abgebrannte Armenhaus einzurichten.
Im Gemeinderatsprotokoll vom 14.12.1860 liest sich das so:
Durch das ihm heurigen Spätjahr hier abgebrannte Armenhaus sind wir in die Lage gesezt, daß wir für die vielen Obdachlosen Armen wieder ein Obdach aufbringen, die Erben der verstorbenen Christina Zorn besizen ein Haus mit einer daran hängenden Scheuerlein welches sich zu diesem Zwek eignen würde.
Der Gemeinderath und Bürgerausschuß hat daher einstimmig
Beschlossen
Dem Gemeindepfleger Mugele den Auftrag zu ertheilen, oben erwähnte Geb...lichkeit für die hiesige Gemeinde um einen entsprechenden Preis anzukaufen. Denn es ist voraussichtlich dass man 12 - 15 Personen darin unterzubringen hat, es scheint doch besser zu sein ein Haus anzukaufen als die Armen in Miethzins unterzubringen all.. es schon im hies. Orte an Miethwohnungen fehlt
Erschreckend ist die hier genannte Zahl von 12-15 obdachlosen Armen im Ort, die untergebracht werden müssen!
Das Haus war mit so vielen Personen recht eng besetzt.

Im Schätzungsprotokoll von 1864 wird das Gebäude als Armenhaus der Gemeinde Verrenberg genannt.

Im Pfarrarchiv heist es:
03.06.1866: In Verrenberg liegt ein Kranker - Hofmann - im Armenhaus in sehr elenden Umständen. 3fl bewilligt. Kirchengemeinderat Mugele wird es ihm in wöchentlichen Raten geben. Pfarrer Schiller

1876 gab es drei Bewohnerinen:
In dem hiesigen Armenhaus befinden sich 2. Weibspersohnen welche noch zwar mit verschiedenen Kräften Arbeitsfähig sind nehmlich
Agatha Wieland
Barbara Schäffner
und Dorothea Schäffner
bei den gegenwärthigen hohen Taglöhnen wird es denselben wohl möglich eine kleine Hausmiethentschädigung an die Gemeindekaße zu bezahlen und es wird ihnen deßhalb ihren Kräften entsprechend folgende Hausmietentschädigung angesetzt
Wieland pro Monat 2M
Barbara Schäffner 1M
Dorothea Schäffner 50Pf
Dies wird denselben mit dem Anfügen eröffnet, daß im fall sie dieß nicht bezahlen wollten so hätte sie sich in anderwärtiges Unterkommen zu verschaffen.
Obige Hausmiethentschädigung wird ihnen blos auf das Sommerhalbjahr und zwar vom 15.Mai bis 15.Nov 1876 angesetzt

1881-82 und 1896 wird wiederum die Gemeinde als Eigentümer erwähnt.

1901 gab es zwei Bewohnerinen:
die in geringem Vermögensverhältnisse lebende Karoline Gaßmanns Witwe und bittet um Einziehung in das hiesige Armenhaus um eine billige Hausmiethe zu erhalten.
Da außer der Kränkl. Led. 75 Jahre alten Agate Wieland Niemand im Armenhause wohnt wird
Beschlossen
Die Gaßmanns Witwe in das Armen Haus einziehen zu lassen mit der Auflage, daß dieselbe jährlich 8M acht Mark Hausmiethe zu bezahlen habe, und die Agate Wieland im Fall einer Krankheit zu verpflegen

1918 kam die Witwe Sophie Catharina Magdalena Schanzenbach auf die Gemeinde zu, da sie eine Unterkunft suchte.
In diesem Zusammenhang findet sich folgendes in den Gemeinderatsprotokollen vom 15.07.1918:
Das hiesige mitten im Dorf stehende sogenannte Armenhaus, wird seit Lebzeiten seiner Bestimmung gemäß nicht mehr bewohnt, nachdem dieses Jahrelang nicht mehr benützt war, ...
Wie die folgenden Einträge im Gemeinderatsprotokoll zeigen, scheint die Witwe doch wo anders unter gekommen zu sein.

Ab 1919 versucht die Gemeinde dann das Gebäude zu verkaufen:
Im Gemeinderatsprotokoll vom 10.07.1919 liest sich das so:
Das hiesige mitten im Dorf stehende sogenannte Armenhaus, wird seit Lebzeiten seiner Bestimmung gemäß nicht mehr bewohnt, nachdem dieses Jahrelang nicht mehr benützt war, hat sich infolge Wohnungsmangel doch wieder ein Liebhaber gezeigt so daß die Gemeinde nun wieder einigermasen auf ihre Rechnung kam. Mit dem Armenhauszusammenhängend ist die Gemeindescheuer und aus diesem Grund seit einiger Zeit des Anwesen sehr begehrt.
Mit Rücksicht darauf daß hier keinerlei Hilfsbedürftige oder Obdachlose überhaubt keine Ortsarme vorhanden sind, das Bauwesen sehr Reperaturbedürftig und für die Gemeinde nicht Rentabel ist und durch die Veräuserung des Anwesens selbstständigen Betriebs ermöglicht wird
beschluß
Der Gemeinderat den Verkauf des Armenhauses und die Vorlage eines Protokollauszugs dem Oberamt
1920 kauft dann die Frau des Schankwirt Otto Werner, Rosine Maria Werner das Gebäude:
Im Gemeinderatsprotokoll vom 24.04.1920 liest sich das so:
In Ausführung des Beschlußes vom 10.Juli d.J. S.403 ist aus dem Grundbuchheft No.84 Geb.No. 13 Wohnhaus mit Scheuer mitten im Dorf eingetragene Grundstück 3 mal im öffentl. Aufstrich zur Versteigerung gebracht worden, und es wurden in dem letzten Versteigerungstermin am 15. Okt 1919 auf betr Gebäute unter der Bedingung daß der Kaufpreis zu 5% vom Zuschlagstag an zu verzinsen und gegen 1/2 jährl. Kündigung zu bezahlen ist, daß die Summe vom 1. April 1920 an von dem steigerern zu leiden ist, und daß sämtliche Kosten der Steigerer zu tragen hat, angeboten
von Frau Rösle Werner hier
2500M
Beschluß
Der Gemeinderat ist der Überzeugung daß ein weiteres Ergebnis nicht mehr zu erziehlen ist und schlägt vor
1. Dem Bezirksrat um Genehmigung dieses verkaufs Bebäude No. 13 an Frau Rösle Werner um 2500M zu ersuchen
2. Den Gemeindepfleger Carle zur Vornahme der zur Übertragung des Eigentums an Werner erforderlichen Rechtsgeschäfte zu ermächtigen.

Für das Jahr 1924 steht dann Friedrich Kühner im Feuerversicherungsbuch als Eigner. Dieser hatte darin noch eine kleine Wagner Werkstatt.
1954 wurde es dann von der Familie Friedrich Ungerer, die daneben im Haus Nr. 12 wohnte, für 2000DM gekauft und abgerissen (vermutlich 1958). Es muss zu diesem Zeitpunkt schon recht alt und baufällig gewesen sein.

Bauliche Entwicklung

Zeichnung Haus 13 1861 Verrenberg Bild links: Zeichnung von 1861

Im unteren Eintrag des Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus

(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Gemeinde Das einstockige Armenwohnhaus mit angebauter Scheuer von Fachwerk mit Giebeldach 22'
22,5'
9'
14'

34'
22,5'
12,5'
14'
1.   1 1   2 Dachböden mit 1 Kammer

1 Tenne
1 Stall
Ziegel gem. Fachwerk Backofen Fundament u. Sockelmauern --- 450
400
IV 562
500
alter Anschlag 425f/325f.
(1861)



1896 wird das Wohnhaus so beschrieben:
"Ein einstockiges Armenhaus mit Fachwerk unter Giebeldach"
Der Versicherungsanschlag betrug 1000 Mark.
1918 wird der Zustand des Gebäudes beschrieben :
Im Gemeinderatsprotokoll vom 15.07.1918 liest sich das so:
... wurde über das schon längere Jahre unbewohnt und bereits baufällig gewordene Gemeinde Armenhaus verhandelt und ...
Im Gemeinderatsprotokoll vom 10.07.1919 liest sich das so:
... das Bauwesen sehr Reperaturbedürftig ...

Der Eintrag im Primärkataster von 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 13


Nachtrag zum Primärkataster, 1881-82

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1881-82; Haus 13
Es fehlen noch folgene Einträge:
1854-55/28
1907/144
1958/72 und 74
 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1854
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869