Verrenberg HistorischDie Familie Johann Jacob Ungerer
(1819-1896) in Verrenberg


Johann Jacob Ungerer ist wohnsteuerpflichtiger Beisitzer seit 1874
Im Verzeichnis der wohnsteuerpflichtigen Einwohner im Ortsarchiv findet sich folgendes:
Art und Zeit als Beisitzer: den 17.März 1874 durch Einzug v. Frankenhof Gem. Löwenstein hierher
Art und Zeit des Austritt als Beisitzer:  
Bemerkung:  

Jakob Ungerer bekommt ein Zeugnis - 1874
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 02.September 1874 findet sich folgendes:
Auf Anordnung des Königl. Oberamts Oehringen wurde v. Gemeinderath den nachstehenden Persohnen die beigesetzten Zeugnisse über Predikat, vermögen und Vorstrafen ausgestellt.
1. .....
2. Jakob Ungerer
  Predikat und Vorstrafen unbekannt da er vor einem halben Jahr erst hieher gezogen ist.
  Vermögen ca. 1400fl. welches unter Pflegschaftl. Verwaltung steht

Streitsache wegen Kuhtausch - 1874
Im "Schultheißenamt Protokoll" vom 29.September 1874 heist es:
Streitsache des Jakob Ungerer Kl. Gegen
Friedrich Reber Bekl. V. hier
der Streitgegenstand ist schon beim Königl. Oberamts Gericht anhängig gewesen,
Kuhtausch betreffend
wurde heute verglichen und die Klage von dem Kläger zurück genommen

Die Söhne Gottlob und Jakob werden bestraft - 1875
Im "Schultheißenamt Protokoll" vom 17.Mai 1875 heist es:
Auf Anzeige des Adam Bort Bauer hier wurden Gottlob Ungerer 22.Jahre alt und Jakob Ungerer 20.Jahre alt beide Söhne des Jakob Ungerer Bauer hier wegen verübtem groben Unfug und Störung der Festtagsfeier je um 1.Taler gestraft

Jakob Ungerer will gemeinschaftlich mit Georg Friedrich Buchta einen Backofen errichten - 1875
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 03.September 1875 findet sich folgendes:
Das gemeinschaftl. Bauvorhaben des Friedrich Buchta und Jakob Ungerer Bakofenbau in den Garten des Buchta P.Nr. betreffend
Baudiarium No.9
wurde heute dem Gemeinderath zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. Mit Rücksicht darauf, daß sämtl. Gemeinderathsmitglieder Lokalkubdig sind, wird auf vorlegung von Riß und .....pläne verzichtet, und unter Einhaltung der Feuerpolizeilichen Vorschriften hiemit die Genehmigung ertheilt.

Johann Jakob Ungerer will die Zustimmung zu einem Gutsverkauf - 1876
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 09.November 1876 findet sich folgendes:
Es erscheint Jakob Ungerer Bauer von hier mit seinem Gutskäufer Salomon Israel von Oehringen und geben an, daß sie bitten um ein Gemeinde Rathliches Zeugniß zur Einholung der Regierungsgenehmigung zu sofortiger stückweiser Weiderveräußerung der Liegenschaft welche Salomo Israel unter dem gestrigen Tag von Jakob Ungerer hier erkaufte von mehr als zehn Morgen.
Es wird hierauf zu bezeugen
Beschloßen
1.) Der Verkäufer ist schon bejahrt seine Kinder welche ihn unterstützen könnten sind ihm unfolgsam und hat zimlich starke Schuldenlast wodurch er zum Verkauf veranlaßt wurde, selbst stückweise zu verkaufen war derselbe nicht gewillt.
2.) Die Liegenschaft ist zimlich Pacellirt und eignet sich zum stückweisen Verkauf
3.) Der hiesige Ort ist stark bewohnt worunter viele junge Männer welche nach Gütererwerbung trachten.
4.) Daher würde dieser stückweise Verkauf für die hiesigen Einwohner als nützlich und vortheilhaft erscheinen.
5.) Insbesondere kann dieses Gesuch empholen werden da der Kaufpreis für den Verkäufer entsprechent ist und der Kauf von der Genehmigung abhängig gemacht ist.


Im Nachtrag wird erwähnt, dass der Verkauf genehmigt wurde.

Johann Jakob Ungerer bekommt ein Zeugnis - 1877
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 08.Juni 1877 findet sich folgendes:
Dem Jakob Ungerer Bauer hier wurde auf anordnung des Kl. OberamtsGerichts Oehringen am 8.Juni folgendes Bezeugt
1. Prädikat
   Ungerer ist ein guter gemütlicher Mann somit gut Prediziert
2. Er ist am 17. März 1874 von Frankenhof Gem. Löwenstein hierher gezogen hat seither keine Vorstrafen nach dem dießseitigen Strafverzeichniß.
3. Vermögen ca. 3000M zu hoffendes Vermögen ist nicht bekannt.
4. Kann etwaige Untersuchungskosten bezahlen.

Johann Jakob Ungerer, wegen Verdacht auf Überschuldung wurde ein Vermögensverzeichniss erstellt - 1879
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 03.Januar 1879 findet sich folgendes:
Durch das Schultheißenamt wurde dem Gemeinderath vorgetragen, daß gegen Jakob Ungerer Bauer hier mehrere Bürgschafts und eigene Schulden eingeklagt seyen und daher dringender Verdacht vorliege Gemäß diesem wird durch den Gemeinderath folgende Vermögensübersicht hergestellt.
In Erwegung daß sämtliche Liegenschaft
1. Dem Sohn I.Ehe der Ehefrau und
2. den 2. Söhnen I.Ehe des Ehemanns für ihr Mutter beziehungsweise Vatergut im Betrag zusammen von 8098M 28d
im Anschlag von 8920M mit Ausnahme eines Grundstücks nehmlich Piiii 28ar 4 metr. Aker im Segrund verpfändet ist, steht bei den jetzigen Zeitverhältnißen ein Ueberlas..icht in Aussicht, es wird daher die Forderung mit dem Werth der verpfändeten Liegenschaft verglichen und beides außer Berechnung gelaßen. Dagegen kommt folgendes in die Vermögens übersicht
Berechnung
Aktiva
Liegenschaft
28 ar 4 met. Aker im Segrund
wird die Fahrniß Taxirt Summerisch außer der Compedenz

Schulden
Pfandschulden
Da wie schon gesagt die Forderungen der Kinder das in gesetzlicher Nutznießung der Eltern ein einfacher Betrag sicher gestellte Vermögen mit dem jetzigeen Werth verglichen wurde.
unversicherte (eingeklagt)
1. Emil Friedrich Bäker v. Oehringen als Bürgschaft. Schuldner des Friedrich Christ ca. 380M
2. Friedrich Rappold in Oehringen als Bürg und Selbstzahler für Ch. Vollmer 220M
3. Moses Berliner in Eschenau als deßgl. 273M 43d
4. Carl Rappold Gerber in Oehringen 37M 85d
5. Jakob Weißman in Oehringen als Bürge des Christ. Vollmer 409M
6. Karl. Schmelcher Bäker in Oehringen desßgl. 4M
7. Heinrich Phanter Gertner in Oehr. desßgl. 48M
8. Gebrüder Rothschild in Canstadt 546M
9. Nathan Lindner in Oehringen 19M 54d
10. Felix Knoll in Oehringen 19M 54d
11. ... Ullmann in Heilbronn 915M 20d
12. Schultheiß Mezger v. Zweiflingen 48M
Summa Schulden 3023M 31d

Schulden 3023M 31d
Vermögen  1300M
Rest Schulden 1723M 31d

Die Ehefrau welche krank ist wurde über die Ansprüche ihrer weiblichen Freiheiten im Bett gehört welche erklärt, daß ihr Beibringen in 2000M baar und einiges Aussteuer bestanden sei und daselbe in anspruch nehmen. Die Beibringens Inventur sei im Frankenhof Gem Löwenstein gefertigt worden.
Hierauf wird
Beschloßen
Die Vermögensübersicht des Jakob Ungerer dem Kl. Oberamtsgericht Oehringen zu weiterer Verfügung vorzulegen.

Johann Jakob Ungerer, es wird ein Güterpfleger eingesetzt - 1879
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 14.Januar 1879 findet sich folgendes:
Durch das Kl. Oberamtsgericht ist am 7. Januar d.J. gegen Jakob Ungerer Bauer hiern Vermögensuntersuchung angeordnet worden, diese wurde heute durch das Kl. Gerichts Notariat vorgenommen.
Zu diesem in Aussicht stehenden Gant hat der Gemeinderath zum Güterpfleger vorgeschlagen
Peter Frank Bauer & Gemeinderath hier

Johann Jakob Ungerer bekommt nach seinem Gant ein Zeugnis - 1879
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 20.Januar 1879 findet sich folgendes:
Dem in Gant gekommenen Jacob Ungerer wurde über dessen Vermögenszerfall von dem Gemeinderath folgendes zu bezeugen
Beschloßen
1. Prädikat gut, manchmal nur zu gut
2. Vorstrafen am 14.Juni 1877 vom Kl. Oberamtsgericht Oehringen wegen Beleidigung um 12M Geldstrafe.
3. Der Vermögenszerfall mag herrüren von eingehung Thörrichter Bürgschaftsverbindlichkeiten und des am 28ten August 1878 gehabten Brandunglücks wo ihm sein Gebäude abgebrannt ist

Johann Jacob Ungerer sen. möchte für sich und seine Familie das Bürgerrecht - 1887
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 12.Dezember 1887 findet sich folgendes:
Die hienach aufgeführten Persohnen bitten um Aufnahme in das hiesige Bürgerrecht, dieselben verzichten auf ihr seither gehabtes Bürgerrecht, nehmlich
....
9. Johann Jacob Ungerer Bauer sen. geb. am 27. December 1819 in Oberstenfeld verheirathet in II.Ehe mit Sophia Christiane geb. Wolf geb. am 17.Februar 1833 in Eberstadt
Vater folgender unverheiratheter Kinder
a. Friedrike Wilhelmine g. am 28. Nov. 1864
b. Karoline Sophie geb. am 5. November 1865
c. Karl Wilhelm geb. am 12.Februar 1871
bisher bürgerlich in Großbotwar
seit 1874 hier wohnhaft

Nach den vorgelegten Nachweisen sind dieselben
1. Im Besitz der württembergischen Staatsangehörigkeit
2. Im alter über 25. Jahren
3. Entrichten dieselben seit wenigstens __ Jahren aus einem der Besteuerung der Gemeinde unterworfenen Vermögen , Steuer zur hiesigen Gemeindepflege.
Im letzt verfloßenen Rechnungsjahr bezahlten in hiesiger Gemeinde neben der Wohnsteuer an Staatsamtskörperschaft und Gemeindesteuer von Grund, Gebäude und Gewerbe zusammen
...
Zif. 9. Ungerer sen. 35M 73d
...
4.) Liegt bei denselben keines im Art. 14. und 57 des Gesetzes über die Gemeindeangehörigkeit vom 16.Juni 1885 angeführten Mängel vor.
5.) Haben dieselben schon vor dem 1.Januar 1886 das Recht zur Theilnahme an der Wahl zu den Gemeindeämtern auf Grund des Art. 3. Abs. 1. des Gesetzes vom 6.Juli 1849 beseßen.
   Hienach haben die Nachsuchenden Anspruch auf Ertheilung des Bürgerrechts und ist das Bürgergeld anzusetzen nach Gesetz Art. 45. Abs.2. des Gesetzes.
Beschluß
1.) Den vorerwehnten Persohnen Zif. 1-12 das Bürgerrecht in hiesiger Gemeinde zu ertheilen
2.) Denselben anzusetzen für die Verleihung des Bürgerrechts je 3M
3.) Die Ansätze der Gemeindepflege zum Einzug zu überweisen
4.) Eintrag in die Bürgerliste machen zu lassen
5.) Den Gemeinderat der betreffenden Orte wo die nachsuchenden Persohnen seither bürgerlich waren zu benachrichtigen
6.) Den Nachsuchenden Eröffnung zu machen.

 

Quellennachweis.

Bitzfelder Kirchenbücher (Mikrofilm KB 1503 Band 25 und 26)
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
Ortsarchiv Verrenberg: Schultheißen-Amt Protokoll
Ortsarchiv Verrenberg: Verzeichnis der wohnsteuerpflichtigen Einwohner ab 1828