Verrenberg Historisch

Haus Nr. 33 in Verrenberg 1818 Nr.34 (Lindenweg 5)


Aufnahme von 1926

Aufnahme von 1962

Aufnahme von 2005
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 33
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1839; Haus Nr. 33
Urkataster von 1839

Stein über dem Kellereingang

Lage des Haus im Ort


Die Bewohner

Die Initialien im Sandstein ("AFS" und "E L(?)") über dem Kellereingang (Bild oben) dürften dem Erbauer des alten Haus von 1794 zuzuordnen sein. Noch lässt sich aber keine klare Zuornung treffen.
Oder ist dieser Sandstein noch älter?

Kaufte Friedrich Ungerer das Haus vom Erbauer? Im Familienregister heist es, dass er 1797 in Verrenberg bürgerlich wurde. In den Hofverkäufen 1822 und 1826 wurde jeweils sein Ausgeding ausdrücklich fest gehalten. Da seine Ehe kinderlos blieb, hatte er vermutlich seinen Hof im Alter verkauft um vom Käufer im Aler versorgt zu werden.


Gründung der Schäfereigesellschaft in Verrenberg - 1801
Mit dem Kauf der Schäfereigerechtsame des herrschaftlichen Hofs Schwöllbronn durch die Gemeinden Schwöllbronn, Unterohrn und Verrenberg, kam es in Verrenberg zur Gründung der Schäfereigesellschaft.
Verrenberg hatte 120 Schafe erkauft, die aufgeteilt in drei Klassen auf 70 Verrenberger aufgeteilt wurden.
Friedrich Ungerer war in der III.Klasse. Damit konnte er 1 der 120 erkauften Antheile in Anspruch nehmen. Dazu kam ein Beischlag von 3 Schafen. Damit konnte er 4 Schafe halten.
Diese Schäferei Anteile sollte ursprünglich auf Hof und Gut gebunden sein. Das wäre in seinem Fall das Haus Nr.33.
Diese Bindung wurde aber im Laufe der Jahre nicht mehr beachtet, so dass der Verkauf der Schäferei Anteile unabhängig der Liegenschaften erfolgte.


Im Messbuch von 1818 wird Friedrich Ungerer als Besitzer genannt.

Im Rechnungsbuch von 1820/21 steht unter der Rubrik "unständige Gefälle Handlohn", dass eine Rosine Bürkert das Gütle des Friedrich Ungerer inkl Haus um 280fl. gekauft hat.
In einem Nachtrag zur Zubringensinventur des Johann Georg Kimmel von 1828 steht:
"Unter dem beibringen der Ehefrau ist keine Liegenschaft beschrieben, u..chtet solche, wie sich bei der Pfandbereinigung ergab am 03.Sept 1820 noch im ledigen Stande von Friedrich Ungerer allhier deßen ganzer Hof a 1700fl. erkauft hatte."

War sie die Ehefrau des nächsten Besitzer Georg Kimmel? Ihre Mutter war eine geborene Ungerer aus Michelbach. Verwandschaft von Friedrich Ungerer?

Vor 1822 war Georg Kimmel auf diesem Hof. In diesem Jahr tauschte er den Hof mit Adam Halt. Das Ausding für Friedrich Ungerer, der Sitz im Haus hat wird geregelt.

1824 verkaufte Adam Halt den Hof an Michael Krämer aus Schwöllbronn um 250fl.


1826 verkaufte Michael Krämer aus Schwöllbronn diesen Hof um 275fl. an Friedrich Kern aus Langenbeutingen.
Es wird noch von einem Recht der Witwe des Friedrich Ungerer erwähnt, das der Käufer übernehmen muss. War Maria Elisabetha Ungerer geb. Söhnle gemeint? Ihr Mann hatte sich 1824 erhängt.

Bei der Erstellung des Urkatasters 1839 wurden als Eigentümer Friedrich Kern genannt. Als er 1868 starb, gab es keine Nachkommen, so das der Hof zum Verkauf stand.


Am 07.05.1864 verkaufte Friedrich Kern an Johann Schanzenbach:
"Wohnhauß 2.stokig mit Stall und gedrehmten Keller, Scheuer mit dem Wohnhaus unter einem Dache", Hofraum, Gras-, Gemüse, und Baumgarten um 700fl.
Im Kauf beinhaltet ist auch u.a. "das sämtliche vorhandene Weebgeschirr samt Webstuhl."
Die Schwester des Verkäufers war verwitwet und hatte Friedrich Kern über lange Zeit gepflegt. Als Belohnung soll sie nach seinem Tod aus dem Kaufschilling 200fl. erhalten.
Die restlichen 500fl. aus dem Kaufschilling bleiben beim Käufer und werden nicht verzinst. Dieser muss dafür dem Verkäufer "Hausmanns gute Kost zu verabreichen, Holz und Lichtfrei halten ...".


Im Feuerversicherungsbuch von 1869 steht Johann Schanzenbach als Besitzer. Im Nachtrag von 1878 wird dann Johann Jakob Ungerer (sen.) genannt.
Zwei Jahre später, 1880, heiratet sein gleichnamiger Sohn Johann Jacob Ungerer jun. und übernahm den Hof.
Seltsam ist, dass beim Nachtrag zum Neubau (Haus+Scheune) 1880 als Besitzer neben dem Sohn Johann Jacob Ungerer jun. auch dessen Mutter Sophie Ungerer geb. Wolf genannt wird.

Wieder ging der Hof auf den Sohn, Friedrich Christian Ungerer, über. Auch er übergab Haus und Hof an seinen Sohn Wilhelm Ungerer.

Noch ist unklar, was mit Sohn Wilhelm Ungerer passiert ist. Es scheint, dass später sein Bruder Friedrich Ungerer den Hof übernommen hat.
Der Sohn von Friedrich, Wilhelm Ungerer war dann der nächste Hofeigner.

Bauliche Entwicklung

Der Sandstein im Kellergewölbe deutet darauf hin, dass das "alte Haus" um 1794 erbaut wurde.
Auf wen deuten die Initialen "AFS" und "E L(?)" hin?
Am 28.August 1878 wurde es durch ein Feuer zerstört.
Hinter diesem Keller liegt ein älterer Gewölbekeller, der noch von dem alten Haus stammen dürfte.

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum alten Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Johann Schanzenbach Ein zweistockiges Wohnhaus mit angebauter einstockiger Scheuer von Stein und Fachwerk mit Giebedach 23'
29'
15,8'
18'

21'
29'
15,5'
18'
1.   1 1 1 1 geb. Keller
2 Dachböden mit 2 Kammern

1 Tenne
1 Stall
1 Holzplatz
Ziegel 1ste Stock Stein sonst gem. Fachwerk Backofen
1 Giebel getäfert
Fundament Keller u. Sockelmauern --- 700

330
IV 875

437,30
alter Anschlag 400f./200f.
(1861)


Im Gemeinderatsprotokoll vom 20. Januar 1879 wird erwähnt, dass dieses Gebäude am 28.August 1878 abgebrannt ist!
1879 wurde das Haus wieder neu gebaut.



Nachtrag zum Primärkataster 1879 - Zeichnung

Nachtrag zum Primärkataster 1879


Skizze des Hof No.33 in Verrenberg 1896 Skizze des Hof No.33 in Verrenberg 1896
In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum neuen Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Ungerer Jakob, Bauer 2 stockiges 1879 erbautes Wohnhaus an der Saugasse v. gem Bauart unter Giebeldach 8.60
10.10
Erdg 2.60
I.Stock 2.50
Dach 5.40
2 I.Stock 1 I.Stock<   1 I.Stock< 1 1 teils gewölber teils zwischen eisernen Tragbalken ausgewölbter Keller Dachplatten Erdgeschoß von Stein, sonst von ausgem Fachwerk Zusammenhang mit dem Anbau Mauern unter Fußboden des Erdgeschoßes 3200     Alter 17 Jahre
Unterhaltung mittelmäßig
Unter nebigem Anschlag von 3200M inbegriffen ist, 1 Backofen mit Vorgelage, Fundament ausgenommen
1 Abtrittgehäuse Grube ausgenommen

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheune
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
derselbe 1 1/2 stockiger Scheuer unter gleichem Dach ohne eigene Wand angebaut 8.20
10.10
5.40
Dach 5.40
          1 Tenne
1 Bare
1 Remise
Dachplatten ausgem Fachwerk desgl Mauern unter Tennebodenebene 1700     Die Dreschmaschiene ist Irreperabel

1902 wurde die Scheune erweitert und daran ein Schuppen angebaut.




1903 wurde die Scheune durch einen Anbau erweitert.

Nachtrag zum Primärkataster 1903 - Zeichnung

Nachtrag zum Primärkataster 1903

1920 wurde die Scheune erneut erweiert.

Nachtrag zum Primärkataster 1920 - Zeichnung

Nachtrag zum Primärkataster 1920

1929 wurde noch eine zusätzliche Scheune gebaut.

Nachtrag zum Primärkataster 1929 - Zeichnung

Nachtrag zum Primärkataster 1929


Lager- und Gültbücher, Vermessungen, (Ur)Kataster


Messbuch 1818

Urkataster 1839

Ergänzungskarte zum Primärkataster

Ergänzungskarte zum Primärkataster Verrenberg 1833; Haus 33
 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1839
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: B 74 Kaufbuch Bd 10
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Messbuch von 1818
Ortsarchiv Verrenberg: B 56 Beilagen zum Gemeindegüterbuch Band II: Schäfereiwesen 1801-1858
HZA Ba 115 Bd 1195 Amtsrechnungen 1820/21
Staatsarchiv Ludwigsburg F 192 III Bü 2031