Verrenberg Historisch

Haus Nr. 36 in Verrenberg (Golbergstraße )

Haus Nr. 37 in Verrenberg
ehemaliger Standort
Haus Nr. 37 in Verrenberg
Aufnahme 1926
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 37
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1833; Haus Nr. 37
Urkataster von 1833

Lage des Haus im Ort

Aufnahme von 1992

Aufnahme von 1962
Aufnahme Haus 37 in Verrenberg
Luftaufnahme

Aufnahme ca. 1960

Aufnahme der kleinen Scheune


Die Bewohner


------------Beginn nicht gesicherter Erkenntnisse --------------------------

These:
Der im Kartenausschnit links farblich markierte Bereich gehörte ursprünglich zusammen und hatte einen Besitzer.
Dieser Besitzer war Hannß Weber (1610-1683). Kam er aus Schwöllbronn?
Er teilte dieses Gut zwischen seinen beiden Söhnen
- Johann Hans Weber (1640-1705) Haus 36
- Jerg Lienhardt Weber (1642-1675) Haus 37
auf.

Haus36:
Der Sohn Jonas Weber (1679-1751) ab ca. 1711
Wieder der Sohn Johann Friedrich (1721-???). Dieser zog 1753 weg. Darum verkaufte er an seinen Schwager
Der Schwager Johann Andreas Ilg (1721-1787) ab 1756
Wieder der Sohn Johann Michael Ilg (1763-1826) ab 1789

Haus37:
Der Sohn Jerg Lienhardt Weber (1642-1675) ab 1694
Der Sohn Johann Leonhard Weber (1670-1756) ab 1694
Wieder der Sohn Johann Andreas Weber (1716-1772) ab 1741
Der Schwiegersohn Johann Matthäus Ilg (1748-1787) ab 1772


Johann Michael Ilg und Johann Matthäus Ilg waren verwandt
Die Summen, die jeweils bei der Hofübergabe fällig wurden, zeigen, dass es sich um recht stattliche Höfe gehandelt haben muss.

Nach aktuellem Stand der Forschung wurde beim Bau des Haus Nr.37 1799 im 2.Stock ein Backofen eingebaut, der wohl für einen Bäcker gedacht war. Dieser wurde zwischen 1869 und 1896 entfernt.
Nach mündlicher Überlieferung war im Haus Nr.37 auch eine Küche eingebaut, die eher für den Betrieb einer Wirtschaft, als wie einem normalen Haushalt dimensioniert war.


Haben alle Mitglieder der "Weber Familie", die als Bäcker bezeichnet werden, im Haus Nr.37 gelebt?


------------Ende nicht gesicherter Erkenntnisse ----------------------------


Haushälfte 1
Johann Michael Ilg verkauft 1823 an seinen Sohn Michael Ilg die zweite Hälfte seines Hofes um 2400fl.
Bei der Erstellung des Urkatasters 1833 wurden als Eigentümer Michael Ilg genannt. Von seinen 11 Kindern überlebte nur Eva Louisa Elisabetha.

1843 verkauft Michael Ilg sein Guth an seinen angehenden Schwiegersohn Georg Adam Wied um 3600fl.
Interessant sind die hier aufgezählten Tiere:

Nach dem Tod von Eva Louise Elisabetha Wied geb. Ilg heiratete ihr Mann Georg Adam Wied 1848 erneut. Daraufhin übernahm Michael Ilg erneut die Haushälfte.
Im Gemeinderathsprotokoll liest sich das so:
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 04.April 1849 liest sich das so:
Gemeindepfleger Ilg trägt vor
Dadurch, daß meine Tochter starb, ververheirathete sich mein Tochtermann anderwärts hin, und ich war genöthigt mein früheres Haus und die Hälfte meiner früheren Liegenschaft wirder zu Selbst Adminstration zu übernehmen.
Unter diesen Umständen ...


Georg Adam Wied starb 1849, seine zweite Frau 1850. Auch in diesen Ehen überlebte "nur" eine Tochter - Catharina Christina Wied.
Im Schätzungsprotokoll von 1861 steht wieder der Schwiegervater Michael Ilg

Durch die Heirat 1863 von Catharina Christina Wied mit Johann Georg Weippert kam dieser auf die Haushälfte. Er zog 1868 mit seiner Familie nach Schwöllbronn.
Der Besitzer der anderen Haushälfte Christian Friedrich Mezger kaufte nun auch diese Hälfte - die Teilung des Hauses war damit beendet.

Haushälfte 2
Johann Michael Ilg verkauft 1821 an seinen Sohn Andreas Ilg eine Hälfte seines Hofes um 2400fl.
Bei der Erstellung des Urkatasters 1833 wurden als Eigentümer Andreas Ilg genannt.

Leider fehlen die folgenden Seiten, bei Bedarf bitte selbst im Ortsarchiv nachsehen.
1847 verkaufte Andreas Ilg sein Guth an seinen angehenden Schwiegersohn Christian Friedrich Mezger um 3500fl..


Wieder beide Haushälften

Seit 1868 hatte Christian Friedrich Mezger beide Haushälften im Besitz.

In einem Nachtrag zum Feuerversicherungsbuch (1869) stehen 1875 Christian Mezger jun. und senj. als Besitzer je einer Hälfte des Hauses.
1887 verkaufte Christian Mezger senj. seine Hälfte des Gutes an seinen Schwiegersohn Johann Christian Brand um 12600 Mark.

Interessant sind die hier aufgezählten Tiere:
1 Pferd Hellbraun 700 Mark
1 Pferd Dunkelbraun 600 Mark
1 Kuh 300 Mark
1 Kuh 200 Mark
1 Kalbenrind 190 Mark
1 Stierrind 190 Mark
2 Steigling a 100M 200 Mark
1 dto 80 Mark
1 dto 50 Mark
4 Läuferschwein a 32 Mark 132 Mark
8 Gänse a 3,5 Mark 28 Mark
11 Hühner a 1,5 Mark 16,5 Mark

1889 kauft dieser Johann Christian Brand noch die zweite Hälfte des Hauses (ohne Güter) von seinem Schwager Christian Gottlieb Michael Mezger um 3350 Mark.


Im Feuerversicherungsbuch von 1896 wird sein Sohn Friedrich Christian Brand als Besitzer des gesamten Hauses genannt.

1965 siedelte sein Sohn Fritz Brand dann aus und verkaufte das Haus an Eugen Braun.
Dieser vermietete es noch etliche Jahre, bevor er es abriss.


Bauliche Entwicklung

Zeichnung von 1684 mit dem leeren Platz wo später das Haus 36/37 entstand; Haus 36 Bei einer Aufnahme durch das Freilandmuseum Wackershofen 1992 wurde das Gebäude auf das 16.Jahrhundert geschätzt.
Als die Zeichnung des Pfedelbacher Maler Creutzfelder um 1670 entstand, müssen die Häuser 36 und 37 vorhanden gewesen sein. Vermutlich waren es die hier eingezeichneten.

Im Schätzungsprotokoll von 1896 wird das Alter auf ca. 100 Jahre geschätzt => also ca. um 1800 errichtet.
Das würde sich mit dem Nachbarhaus Nr.37 decken, das 1799 entstanden sein soll.
Wie lässt sich das mit der Schätzung der Experten des Freilandmuseum Wackershofen erklären?


Zeichnung Haus 36 1861 Verrenberg Bild links: Zeichnung von 1861 (das Haus war noch geteilt)

Im unteren Eintrag des Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus

(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Christian Metzher Ein einstockiges Wohnhaus auf hohem Sockel von Stein und Fachwerk mit Giebedach 44'
29'
9,5'
20'
2.   2 2   1 gew. Keller
2 Dachböden mit 4 Kammern
Ziegel gem. Fachwerk Backofen
Nähe
Fundament gew. Keller u. Sockelmauern --- 1200 IV 1500 alter Anschlag 950f..
(1861)

Im Jahr 1889 scheint es größere bauliche Änderungen gegeben zu haben.
   1869 wird von einem einstockigen, 1896 von einem zweistockigen Wohnhaus gesprochen.
In einem Nachtrag des Feuerversicherungsbuch heist es 1889:
- der nördliche Teil des dieseits einstockigen Wohnhauses von Stein u. Fachwerk mit Giebeldach.
- der südliche Teil des einerseits einstockigen nach vorne zweistockigen Wohnhauses von Stein u. Fachwerk.

Skizze des Hof No.36 in Verrenberg 1896

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Brand Christian 2 stockiges Wohnhaus im obern Dorf von gem Bauart mit Giebeldach und Zwerchhaus an der Westseite 12.60
8.30
Erdg 2.20
I.Stock 2.40
Dach 6.20

2 I.Stock
1 Im Zwerchhaus
2 I.Stock 3 Dachboden 1 I.Stock 2 1 gew Keller
2 Schweineställe
1 Remise
Dachplatten Erdgeschoß von Stein, sonst von ausgem Fachwerk Nicht 4.29m z.D. von No.36a entfernt der gewölbte Keller u die Fundamente 4100 IV 5125 Alter ca. 100 Jahre
Unterhaltung gut

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheune
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Brand Christian 1 stockige westlich vom Wohnhaus freistehende Scheuer v gem Bauart unter Giebeldach 16.55
10.55
3.85
Dach 6.70
        2 2 Tennen
2 Bare
Dachplatten Stallwände von Stein, sonst von ausgem Fachwerk Zusammenhang mit dem Anbau Mauer unter Tennebodenebene u der Steinerne Bodenbelag in beiden Ställen 3600 IV 4500 Alter ca. 150 Jahre 1827 vergrößert
Unterhaltung gut
Unter neb Anschlag von 3700M inbegriffen ist:
1 Futterschneidmaschiene im Anschlag von 80M 1 Lederriemen 30,00lg 60mm brt Anschlag 50M


1911 wurde eine elektr. Anlage mit drei Glühlampen eingebaut.

Die Skizze links soll helfen, die bauliche Entwicklung des Hauses darzustellen. Für Details auf das Bild klicken.
Bis zumindest 1869 war das Haus noch komplett einstöckig.
In einem Nachtrag des Feuerversicherungsbuch heist es 1889:
- der nördliche Teil des dieseits einstockigen Wohnhauses von Stein u. Fachwerk mit Giebeldach.
- der südliche Teil des einerseits einstockigen nach vorne zweistockigen Wohnhauses von Stein u. Fachwerk.
Ab spätestens 1896 war dann das ganze Haus zweistöckig.
Zudem wird das Zwerchhaus an der Westseite erstmals erwähnt.

Der Keller

Inzwischen wurden beide Häuser abgebrochen. Lediglich der gewölbte Keller des Haus Nr.36 ist noch vorhanden.
Der Eingang erfolgte ausserhalb des Hauses. Auffällig ist die hochwertige Arbeit des Kellers. Es ist zu vermuten, dass dieser Keller mit dem Haus um 1800 erbaute wurde. Hier wäre aber die Expertiese eines Fachmannes hilfreich.
Für Details auf die Bilder klicken.



Bild links: "Ich Michael Ilg Rosina Ilg 1859"
Bild rechts: Die Familie Friedrich Christian Brand an der Treppe zum Hauseingang. Dies war zu den Zeiten, als das Haus noch geteilt war, auch der Eingang zur Hälfte 1.
Der Pfeil zeigt die Stelle, an der der Sandstein links ursprünglich war.


Bild rechts: "Heiligenpfleger von Verrenberg"


Vermutlich besteht zwischen beiden Sandsteinen kein Zusammenhang!
Beide Sandsteine wurden im Ort gefunden und sollen ursprünglich zum Gebäude gehört haben.

Der Eintrag im Primärkataster von 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 36

Nachtrag zum Primärkataster - Ergänzungskarte zum Primärkataster

Nachtrag zum Primärkataster 1877 Haus 36-37 Ergänzungskarte zum Primärkataster Verrenberg 1833; Haus 37

 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Freilandmuseum Wackershofen: Inventarisationsbogen (1992) und Bildarchiv
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869