Verrenberg Historisch

Haus Nr. 22 in Verrenberg (Golbergstraße 25)


Aufnahme des Haus von 2005

Aufnahme der Scheune von 2005

Plan vom Umbau 1876
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 22
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1833; Haus Nr. 22
Ausschnitt Urkataster 1833

Lage des Haus im Ort

Postkarte von 1906

Kinderfest 1930, im Hintergrund das Haus

Aufnahme von 1962
Haus und Scheune

Aufnahme von 2005 über dem Scheunentor


Das Schankrecht

Details zum Schankrecht allgemein und im Detail zu diesem Hof gibt es auf einer seperaten Seite.


Die Bewohner

Im Lagerbuch von 1628 (Seite 669b) wird Hans Sommer als "Würth" bezeichnet. Vermutlich war er es, der hier 1623 eine Erbschenke einrichtete.
Wie Hanß Weckher zum Nachbesitzer von Gasthaus und Hof wurde, ist nicht ganz klar. Er wird 1628 als "Beckh" und 1637 als "Beckh und Würth" bezeichnet. Demnach ist zu vermuten, dass zum Gasthaus auch eine Bäckerei gehörte.
Seine Tochter Anna Barbara Weckher heiratete 1666 Johann Leonhard Keppler.

Im Lagerbuch von 1684 (Seite 31b) ist eben dieser Johann Leonhard Keppler als Schultheiß und Eigentümer eingetragen.
Er musste folgende jährliche Gülth bezahlen:
1 Kreuzer 2 Pfennig "an Geldt" und
1 Faßnachthuhn

Johann Michael Grabert heiratete 1703 die Tochter Anna Dorothea Käppler und kam so zum Guth.
Im Lagerbuch von 1740 (Seite 256) ist er als Schultheiß und Eigentümer eingetragen.
Er musste folgende jährliche Gülth bezahlen:
 1 Kreuzer "an Geldt" und
12 Kreuzer "Vor Eine Faßnacht Huhn"
Er starb am 03.07.1755.

Sein Sohn Heinrich Adam Grabert übernahm mit seiner Hochzeit 1756 den Hof. Er starb 1772

1787 wird Johann Peter Österlin als Wirt bezeichnet. Vermutlich war er Sonnenwirt. Er starb bereits 1797.

1797 wird im Lagerbuch von 1684 ein Ludwig Brecht genannt, zu ihm fehlen bis dato aber weitere Informationen. War er lediglich ein Händler oder der gleichnamige Schultheiß von Weißlinsburg?

Bereits 1798 wird im gleichen Buch Johann Michael Starck als Eigentümer genannt.
Zog er bereits 1790 von seiner Wohnung im Haus Nr.6 hier her?
Nach seinem Tod 1801 heiratet die Witwe im selben Jahr Wilhelm Franz Happold.


Gründung der Schäfereigesellschaft in Verrenberg - 1801
Mit dem Kauf der Schäfereigerechtsame des herrschaftlichen Hofs Schwöllbronn durch die Gemeinden Schwöllbronn, Unterohrn und Verrenberg, kam es in Verrenberg zur Gründung der Schäfereigesellschaft.
Verrenberg hatte 120 Schafe erkauft, die aufgeteilt in drei Klassen auf 70 Verrenberger aufgeteilt wurden.
Wilhelm Franz Happold war in der 1.Klasse. Damit konnte er 3 der 120 erkauften Antheile in Anspruch nehmen. Dazu kam ein Beischlag von 3 Schafen. Damit konnte er 6 Schafe halten.
Diese Schäferei Anteile sollte ursprünglich auf Hof und Gut gebunden sein. Das wäre in seinem Fall das Haus Nr.22.
Diese Bindung wurde aber im Laufe der Jahre nicht mehr beachtet, so dass der Verkauf der Schäferei Anteile unabhängig der Liegenschaften erfolgte.


Im Messbuch von 1818 wird Wilhelm Franz Happold als Besitzer genannt.

Aus der Ehe von Wilhelm Franz Happold gab es keine überlebenden Kinder, so dass der Hof 1827 verkauft wurde.

Bei der Erstellung des Urkatasters 1839 wurde als Eigentümer Gottlieb Atz genannt. Im "Verzeichnis aktiver Gemeinde Bürger" steht, dass Gottlieb Atz das Bürgerecht durch Guts Ankauf 1827 bekommen hat.

Nach dem Tod von Gottlieb Atz 1851 wurde das Gut von den Erben verkauft.

Anzeige im Hohenloher Bote von 1851

Aus diesem Gutsverkauf und einem späteren Fahrnisverkauf stammt der folgende Bestand:
Am 15.07.1851 wurde der Kaufvertrag geschlossen. Der Käufer Abraham Oppenheimer aus Ernsbach musste 9500fl. bezahlen.
Informationen zu Abraham Oppenheimer aus Ernsbach gibt es auf www.geni.com und Wikipedia.org



Am 15.04.1852 steht im Kaufbuch:" Mittelst Vertrag vom 01.08.1851 vertauscht Abraham Oppenheimer an Peter Zorns Wittib ...."
Abraham Oppenheimer gibt den erst erkauften Hof Nr.22 an Peter Zorn's Witwe ab. Dafür erhält er von ihr den Hof Nr.16+17
Die Peter Zorn's Witwe muss noch 1800fl. drauf zahlen.





Als am 6.März 1853 der Speisewirth Jacob Mäule um die Concession einer Schildwirtschaft bittet, führt er folgendes aus:
Zwar ist noch ein Haus vorhanden, auf dem das Recht der Schildwirthschaft ruht, allein von diesem Recht wird gegenwärtig kein Gebrauch gemacht, und wird wohl , da dasselbe auf einem Bauern der große Oekonomie besizt, übergegangen ist , auch nicht ausgeübt werden."



1855-56 wird Peter Zorn's Witwe als Eigentümer des Gasthauses Sonne bezeichnet. Ihr Sohn Johann Peter Christoph Zorn wird in seinem Familienregister 1864 als Sonnenwirth bezeichnet.

Am 13.04.1864 verkaufte Peter Zorn's Witwe an ihren ältesten Sohn Johann Christoph Zorn die hiernach beschriebene Liegenschaft um 6000fl. und zwar:
- Die Schildwirtschaftsgerechtigkeit zur Sonne und teilweise von dem Wirtschafts Gebäude zur Sonne
- ein 2 stokiges Wohnhaus
- eine fünfbarigen Scheuer mit Stallungen nebst Keller dabei
- Schweinestall
- Hofraum und die hälfte des Keller unter dem Wohnhaus Geb Nr.22
- an das Wohnhaus angebaute Tanzbodennebst Stallungen

Der Käufer bekommt die untere Stube nebst Stubenkammer, die Verkäuferin in der Stube und der Stubenkammer neben dem Tanzsaal ihren lebenslänglichen Wohnsitz.
Weiter bekommt der Käufer die Hälfte des oberen Boden und zwar den Teil gegen die Linde und die Küche im unteren Stock. Die Verkäuferin behält das Recht in dieser Küche zu kochen und zu waschen.
Diverse Flächen an Wiesen, Baumstücke und Gemüsegarten werden geteilt.
Der Käufer erhält auch das sämtliche vorhandene Vieh und 2 Mutterschweine und die vorhandenen Hühner. Der Wert wird vom Gemeinderath auf 600fl. geschätzt.
Dazu das sämtliche vorhandene Fuhr und Bauerngeschirr, ...
Von den 6000fl. Kaufschilling kann der Käufer 3000fl. als Heiratsgut abziehen. Die restlichen 3000fl. müssen zu 4% verzinst werden. Sollte die Verkäuferin die Zahlung verlangen, so hat sie dies ein Wirtschaftsjahr vorher anzukündigen.



1873 wird der Sohn Johann Peter Christoph Zorn als Sonnenwirth bezeichnet.

1896 heiratet seine Tochter Johanna Maria Elisabeth Zorn Robert Marmein.
1960 wird dann die Familie Oskar Marmein genannt.
Seit 1980 ist nun die Familie Graulich auf dem Hof.

Vielen Dank noch an die Familie Graulich, die heute hier wohnt, für die Hilfe.
Weitere Bilder finden Sie bei den Verrenberger Postkarten und dem Verrenberger Kinderfest.

Bauliche Entwicklung

1623 wird eine Erbschenke erwähnt, diese ist aber nicht die gegenüberliegende Linde (wie in manchen Schriften steht) sondern diese ehemalige Gaststätte Sonne.

1628 wird der Hof so beschrieben:
"Gibt von seinem Hauß ... welches in Anno 1623 zu einer Erbschenke gemacht, ..."
1684 wird der Hof so beschrieben:
"Einer Behaußung, Hofrecht undt kleinen Scheuren, welche Anno 1623 zu einer Erbschenk gemacht worden ..."

1802 wurde, laut Feuerversicherungsbuch von 1896, der Saalanbau errichtet.

Bild links: Die Scheune zum Haus 22, 2006   Bild rechts: Sandstein über dem Tor Scheune zu Haus 22 in Verrenberg 2006 Sandstein in Scheune zu Haus 22 in Verrenberg 2006
Die Scheune (22b) wurde 1810 von Wilhelm Franz Happold erbaut (Jahreszahl im Sandstein).

1828 wurde laut Eintrag in den Gemeinderatsprotokolle die Scheune neu erbaut.
Die dort angegebenen Maase passen aber nicht (wurden sie damals richtig notiert?). Auch ist es nicht plausiebel, daß bereits 18 Jahre nach der Errichtung durch Wilhelm Franz Happold ein kompletter Neubau (inkl. Sandsteine) nötig war.

Das Wohnhaus wurde bei einem Brand 1840 weitgehend zerstört und danach neu aufgebaut.

Zeichnung Haus 22 1861 Verrenberg Bild links: Zeichnung von 1861

Im unteren Eintrag des Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus

(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Johann Zorn Sonnenwirth Ein zweistockiges Wohnhaus von Fachwerk mit Giebeldach nebst einem Anbau einstockig von Fachwerk mit Giebeldach 51'
40'
17,5'
25'

33'
31'
11'
17'
2.   8 1   1 gew. Keller
2 Dachböden mit 4 Kammern

1 Remise
1 Stall
Tanzsaal
Ziegel gem. Fachwerk

Ein Stockwerk Steinm, Giebel Fachwerk
Backofen
1 Giebel ge...
Fundament gew: Keller u. Sockelmauern --- 3300

800
IV
IV
4125

1000
alter Anschlag 1700f./700f.
(1861)

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zur Scheune
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Johann Zorn Sonnenwirth Eine einstockige Scheuer von Stein und Fachwerk mit Giebeldach 67,5'
43,5'
15'
28'
          1 Tenne
1 geb. Kelter
2 .... mit 2 S....
Ziegel Ein Stockwerk Stein, Giebel Fachwerk  
1 Giebel ge...
Fundament Kelter u. Sockelmauern --- 2300 IV
IV
2875 alter Anschlag 1500f.
(1861)

1876 wurde das Haus umfassend umgebaut. Dies liest sich so: "Reperatur seines Wohnhauses durch Ausbechung der südl. und westl. Umfassungswand bis auf den Grund und Einsezung einer 43cm starken Steingemäuers"
Da es nur 36 Jahre zuvor abgebrannt war und neu aufgebaut wurde, stellt sich die Frage waum dieser Umbau nötig wurde.




Skizze des Hof No.22 in Verrenberg 1896

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Marmein Robert Sonnenwirt 2 stockiges Wohnhaus u Wirtschaftsgebäude das Gasthaus zur Sonne von gem Bauart unter Giebeldach 14.90
11.25
Erdg 2.55
I.Stock 2.55
Dach 7.00
2 EG
2 I.Stock
2 EG
1 I.Stock
4 I.Stock
4 Dachboden
1 EG   1 gew Keller Dachplatten Erdgeschoß von Stein, I.Stock 1/2 Stein 1/2 ausgem Fachwerk. Giebel von ausgemauertem Fachwerk Zusammenhang mit Küchenanbau Mauern unter Fußboden des Erdgeschoßes ser gewölbte Keller u die Vortreppe 8700 IV 10875 Alter ca. 200 Jahre. Unterhaltung gut.
Im Jahr 1877 durch greifend verbessert,
Unter nebigem Anschlag inbegriffen ist das Abtrittsgehäuse ausgenommen die Grube

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Saalanbau
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
derselbe 2 stockigen 1802 erbauten Saalanbau von gem. Bauart mit einerseits mit abgewalmdem Giebeldach ohne eigene Wand angebaut 9.50
8.90
Erdg 2.70
I.Stock 2.75
Dach 5.00
          EG: 1 Fremdenstall, 1 offene Remise
I.Stock: 1 einheizbarer Saal
Dachplatten Erdgeschoß Stein u darüber von ausgemauertem Fachwerk   Fundament 3100     Alter 94 Jahr Unterhaltung gut. Unter nebigem Anschlag von 3100M inbegriffen ist eine Obstpresse mit Eichenspindel mit Steinbiet Anschlag 80M

1911 wurde eine elektr. Anlage mit sieben Glühlampen eingebaut.

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Nachtrag zum Primärkataster 1965

Lager- und Gültbücher, Vermessungen, (Ur)Kataster


Gült u Lagerbuch 1628

Gült u Lagerbuch 1684

Gült u Lagerbuch 1740

Messbuch 1818

Urkataster 1839

Nachtrag zum Primärkataster, 1855-56

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1855-56; Haus 22
 

Quellennachweis.

Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628
Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1839
Staatsarchiv Ludwigsburg E 175 I Bü 6198 Wirtschafts- und Schankkonzessionen
Staatsarchiv Ludwigsburg F 192 III Bü 3745
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
Ortsarchiv Verrenberg: Messbuch von 1818
Ortsarchiv Verrenberg: B 71 Kaufbuch Bd 7 1851-1854
Ortsarchiv Verrenberg: B 74 Kaufbuch Bd 10
Ortsarchiv Verrenberg: B 56 Beilagen zum Gemeindegüterbuch Band II: Schäfereiwesen 1801-1858
HZA Ba 35 Bü 752 "Verpachtung des Umgelds im Amt Pfedelbach an die Wirte." 1765-1798 Hohenloher Kreisarchiv: Der Hohenloher Bote von 1851