Verrenberg Historisch

Haus Nr. 61 in Verrenberg (Am Hiller 1)


Aufnahme von 1926 aus Richtung Bahndamm

Aufnahme von 1962

Aufnahmen von ca. 1925 mit Johann Jakob Friedrich Ungerer

Aufnahme von 2005

Aufnahme von 2005

Aufnahme von 2005
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 61
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1833; Haus Nr. 61
Urkataster von 1833

Lage des Haus im Ort


Die Bewohner

Die Häuser 61 und 62 in einer schematischen Darstellung Die Hausnummern auf dem Bild links beziehen sich auf die Zeit nach 1818!
1628 waren drei getrennte Plätze mit jeweils einem "Häuslein"!

Die heutigen Hofstellen 61 und 62 beinhalteten vor dem Dreißigjährigen Krieg drei Hausplätze.
Unten, bei der Darstellung der baulichen Entwicklung, finden sie eine Tabelle, die die Entwicklung darstellt.


Im Lagerbuch von 1628 wird als Besitzer Sigmund Eberlein genannt. In den Kirchenbüchern sind zwar fünf Geburten verzeichnet, es finden sich aber keine weiteren Spuren. Ist die Familie weggezogen oder starben die Kinder?
Im Lagerbuch ist auch ein Michel Kraft erwähnt. Aus den Daten der Kirchenbüchern ist hier aber keine Zuordnung möglich.

Der nächste Eintrag dürfte der von Hans Hettenbach gewesen sein. Vermutlich kaufte er den Hof zu seiner Hochzeit 1636.
1676 heiratete Hannß Zentler die Tochter von Hans Hettenbach und übernahm den Hof.

Im Lagerbuch von 1684 ("Steuerliste" S.36a) werden Hannß Zentler (Haus) und Hannß Michel Wiedtmann (Sommergärtlein, später Scheune 62) als Eigentümer genannt. An jährlicher Gülth musste er bezahlen:
1 Faßnachthun"
In diesem Lagerbuch von 1684 lesen wir, dass Hannß Zentler ein Haus gebaut hat, wo zuvor ein Gärtlein war. Hannß Michel Wiedtmann hatte den Teil des Grundstückes, wo früher mal ein Gebäude (1628 Hofstelle) gestanden hatte und nun ein Gärtlein war (1833 die Scheune zum Hof Nr.62).

Im Lagerbuch von 1740 ("Steuerliste" S.273) wird dann der Sohn Hannß Georg Zentler als Eigentümer genannt. Er hatte 1720 von seinem Vater den Hof übernommen. An jährlicher Gülth musste er bezahlen:
12 Kreuzer "Vor eine Faßnachthun"

Vermutlich 1746 ging der Hof auf den Sohn Johann Heinrich Zendtler über.

Der nächste Besitzer dürfte um 1783 der Schwiegersohn Jacob Friedrich David Uz gewesen sein.

1813 verkaufte Jacob Friedrich David Uz seinen Hof an seinen Sohn Georg Friedrich Uz um 1000fl. War es vielleicht doch nur der halbe Hof?
In den Pfedelbacher Amtsrechnungen von 1816/17 steht:
"Friedrich Utz starb von denen der Sohn G.M. begebenen 1/2 Häußle wurde nach dem Handlohn der Fall ..."
Ist damit gemeint, dass Georg Matthäus Utz nach dem Tod seines Vaters die zweite Hälfte des Haus/Hof erbte?
Dann ist zu vermuten, dass er sie relativ schnell an Johann Michael Zöller verkaufte.
In den Amtsrechnungen von 1815/1816 steht auf Fol.91b: "Peter Zöller hat von seinem Vater Michel Zöller under anderen 1/2 Haus a 115fl. übernommen."

Am 5.Mai 1817 verkauften Georg Friedrich Uz und Peter Zöller den Hof an Michael Ahles.

Georg Friedrich Uz und sein Bruder Georg Matthäus Utz wanderte 1817 nach Amerika aus.


Bei der Erstellung des Urkatasters 1833 wurde als Eigentümer Johann Georg Kipf genannt. Wohnte er hier seit 1817? Denkbar ist, dass der Vorbesitzer Michael Ahles den Hof nur kurz gekauft hatte, um ihn danach mit Gewinn wieder zu verkaufen.

1846 verkaufte Johann Georg Kipf die Hälfte seines Söldner Guthes um 1050fl. an seinen Sohn Georg Michael Kipf.

Die uneheliche Tochter dessen Frau Rosina Catharina Kipf geb. Binhammer, Rosine Catharine Binhammer heiratete 1860 den aus Hahnenbusch stammenden Johann Friedrich Ungerer. Mit ihm kam nun der Name Ungerer auf den Hof.
Nach seinem Tod heiratete seine Witwe 1878 Johann Walther. Ab 1893 war dann sein Stiefsohn Johann Jakob Friedrich Ungerer der neue Eigner.

Um 1939 wurde das Anwesen auf den Sohn Karl Friedrich Ungerer geschrieben.




Bauliche Entwicklung

Die Häuser 61 und 62 in einer schematischen Darstellung Die Hausnummern auf dem Bild links beziehen sich auf die Zeit nach 1818!
1628 waren drei getrennte Plätze mit jeweils einem "Häuslein"!


Die Tabelle unten soll den Übergang von drei Hausplätzen vor dem Dreißigjährigen Krieg zu zwei Hofstellen 1818 aufzeigen.

  Heute Haus 61 Heute Scheune 62 Heute Haus 62
1628  
Besitzer: Siegmund Eberlein
-----------
"Häuslein zu Michael Schenckel gehörig.
-----------
Nachtrag Besitzer
Michael Kraft, Hans Hettenbach, Hans Zentler
-----------
Lage: zwischen Michel Stollen Wittib und Michael Schenckel
-----------




Lagerbuch Fol. 645a
 
 
Besitzer: Michael Schenckel
-----------
"Haus und Gärtlein ..."
-----------
Nachtrag Besitzer
Hannß Michael Waidmann
-----------
Lage: zwischen Siegmund Eberlein und Peter Hettenbach
-----------
Die halbe Scheuern hat Peter Hettenbach
-----------
Lagerbuch Fol. 620a
 
Besitzer: Peter Hettenbach
-----------
"Häuslein ... und halbe Scheuren"
-----------
Nachtrag Besitzer
  
-----------
Lage: zwischen jung Hans Kolben und Michael Schenckel
-----------



Lagerbuch Fol. 645b
1684  
Besitzer: Hans Zentler und Hans Michael Waidmann
-----------
Hans Zentler hat ein Haus im Gärtlein 1628er Lagerbuch Fol.645 erbaut.
-----------
Hans Michael Waidmann hat eine frühere Hofstelle,
jetzt Sommergärtlein 1628er Lagerbuch Fol.620

-----------
Nachtrag Besitzer:
Hans Georg Zentler 1720 
 
Besitzer: Hans Michael Waidmann
-----------
Haus, Hofrecht, Scheuren altes Lagerbuch Fol 645
-----------
Nachtrag Besitzer:
1/2 Hans Georg Wenninger 1722
1/2 Peter Wenninger 1758
1740  
Besitzer:
Hans Georg Zentler hat das Haus und daran gebaute Scheuren auf ehem.
Sommergärtlein erbaut (1628 Fol. 645)
Hans Georg Wenninger hat den Graßgarten (1628: Fol.620)
-----------
Nachtrag Besitzer:
Johann Heinrich Zendtler
 
Besitzer: Hans Georg Wenninger, Nachtrag: und Peter Wenninger
-----------
Haus, Scheuren und Hofrecht
1833  
Besitzer:
Johann Georg Kipf
 
Besitzer: Peter Wenninger


Das Haus Nr.61 (roter Hintergrund) gehörte 1628 zu einem Hof, der damals an der Stelle der Scheune 62 (blauer Hintergrund) stand. Dessem Besitzer musste eine Abgabe leisten. Auf der grün hinterlegten Fläche waren Haus und Scheune des Hofes Nr.62

Das Haus, von dem wir 1628 noch lesen, dürfte kurz danach (30jähriger Krieg, Pest) öde geworden sein.
1684 wird von dem Haus berichtet, das Hannß Zentler im "Graßgärtlein" neu errichtet.
1740 wird dann die angebaute Scheune genannt.

Im Lagerbuch von 1628 heist es.
"... Gibt von seinem Häuslein ..."

Im Lagerbuch von 1684 heist es.
"...Eine Hofstatt und Graßgärtlein worauf nehmblich das gärtlein iezo obig Zendtlers Hauß erbauet ...

und besitzen anirzo
   Hanß Zendtler daß Hauß so jetzt abgemelt und zu ernanter Hofstat gehörigem gärtlein erbauet.
   Hanß Michel Waidmann die benante Hofstat so vor Zeit auch ein Sommergärtlein.
"

In den Pfedelbacher Rechnungsbücher von 1723/24 wird noch von einem öden Platz gesprochen.

Im Lagerbuch von 1740 heist es.
"... Ein Hauß und daran gebauthe Scheuren, Hofrecht und Graßgarten, davon das Haus und Scheuren auf den vormahlen gewesen Sommergärtlein erbauet worden, der öde Hofplatz aber zu dem Graßgärtlein liegen verblieben und wovon
   Hanß Georg Zendtler das Haus, Scheuren und Hofrecht
   Hanß Georg Wenninger aber obernamten Graß Gartten
besitzt...
"

Im Schätzungsprotokoll von 1861 wird die Höhe noch mit 10' angegeben. War das Haus da noch einstockig?

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Friedrich Ungerer Ein zweistockiges Wohnhaus von Fachwerk mit Giebeldach nebst einstockigen angebauter Scheuer ebenso 26'
31'
15,5'
16'

25'
31'
12,5'
16'
2.   2 1 1 1 geb. Keller
2 Dachböden mit 2 Kammern

1 Tenne
1 Barn
1 Remise
Ziegel gem. Fachwerk   Fundament Sockelmauern Kellermauern --- 850

350
IV 1062,30

437,30
alter Anschlag 450f./200f.
(1861)


In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Ungerer Johann Bauer 2 stockiges Wohnhaus in der Hillergasse von gem Bauart unter Giebeldach 7.70
8.80
Erdg 2.20
I.Stock 2.50
Dach 5.90
1 I.Stock
1 Dachboden
  1 I.Stock
1 Dachboden
1 I.Stock   1 geb. Keller Dachplatten Erdgeschoß von Stein, sonst v ausgemauertem Fachwerk Backofen auf Holzrost Fundamente u einhäuptiges Gemäuer nebst Bodenbelag im Stall 2120     Alter ca. 200 Jahre.
Unterhaltung mittelmäßig.
Unter neb. Anschlag von 2120M inbegriffen ist: 1 Backofen, ausgenommen das Pfeilerfundament Anschlag 60M
1 steinerne Vortreppe ausgenommen das Fundament Anschlag 40M

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheune
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
derselbe 1 stockiger Scheuer unter gleichem Dach ohne eigene Wand angebaut 7.10
8.80
3.70
Dach 5.90
          1 Tenne
1 Bare mit gew. Keller
Dachplatten Schliertes Fachwerk   der gewölbte Keller u die Mauern unter Tennenboden Ebene 920      


1902 heist es im Staatsarchiv Ludwigsburg (F 192 III Nr. 2052): Vergrößerung einer Scheuer
Nach 1925 wurde das Wohnhaus um ein Stockwerk erhöht.

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628 (Haus 61)

Nst: Ba 55 / Bd 75; Haus 61

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628 (1833 steht hier die Scheune 62)

Nst: Ba 55 / Bd 75; später Scheune 62

Die Häuser 61 und 62 auf einer Zeichnung von 1670

Die Häuser 61 und 62 auf einer Zeichnung von 1670

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684

Nst: Ba 55 / Bd 79; Haus 61

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800

Nst: Ba 55 / Bd 89; Haus 61

Der Eintrag im Primärkataster von 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 61

 

Quellennachweis.

Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628
Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Staatsarchiv Ludwigsburg F 192 III Nr. 2052
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
HZA Ba 115/ 1191 Amtsrechnungen 1816/17