Verrenberg HistorischBesitzer des Hauses Flurstück Nr.54 in Verrenberg

Das Haus Flurnummer 54 blieb bis heute ein Doppelhaus, das in seiner ursprünglichen Struktur erhalten blieb.
Im Gegensatz dazu wurde die Scheune zumindest 1914 und nach 1945 neu aufgebaut.

Bauliche Entwicklung

Allgemein:

1628 Gibt von seinem Hauß, Hof, Scheuren und ein Viertel Graßgarten ...

Zeichnung von Creuzfelder um 1670 -Haus 54 Im Lagerbuch von 1684 heist es:
zu unterst im Dorf Im Gäßlein ..

Die Zeichnung links stammt etwa aus dieser Zeit. Bei den zwei Gebäuden ganz links dürfte es sich um Scheune und Haus zum Hof Nr. 54 handeln.

Im Lagerbuch von 1740 (Seite 272) wird der Hof so beschrieben:
"Besitzt ein Söldners Güthlein, und dieses besteht in einem Hauß, Scheuren, Hofrecht, und 1/4tels Morgen Baum- und Graßgartten hinter der Scheuren, liegt Zwischen dem gemeinen Weeg und Thomas Waidmann, oben wieder Thomas Waidmann und unten Er Borth selbsten ansonsten zu unterst des Dorfs im Gäßlein gelegen."

Die Parzelle rechts vom Doppelhaus 54 (heute Gartenfläche) wird im Lagerbuch von 1740 (Seite 194) als öder Hausplatz bezeichnet. Hier muss also vor 1740 (vermutlich vor dem 30jährigen Krieg) ein Haus gestanden haben.



Das Haus:

Kartenausschnitt 1818; Haus Nr. 54 Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1833; Haus Nr. 54 Vermutlich 1808 wurde der Hof geteilt.
Auf den Zeichnungen von 1818 (Bild links) und 1833 (Bild rechts) ist zu erkennen, dass in diesem Zeitraum an der nördlichen Hälfte ein Anbau nach hinten errichtete wurde.
Dagegen blieb die südliche Haushälfte unverändert.

Eine Frage bleibt allerdings offen. Stammt das Wohnhaus ursprünglich aus der Zeit vor 1740, oder wurde es vor 1818 neu errichtet?

Skizze Haus 54 1861 Verrenberg Bild links: Skizze von 1861
In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1861 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Georg Hofmann

Leonhardt Schuhmacher
Wohnhaus 1stockig Giebelwände 22'
29,5'
10'
20'

20'
29,5'
10'
20'
1.

1
  2

1
1

1
--

1
2 Dachkammern
1 ... Keller

1 Dachstube
Breit Ziegel

Breit Ziegel
Riegelfachwände

Riegelfachwände
Backofen Fundament Sockelmauern --- 325

300
IV 406

375
alter Anschlag 625f.750f.
(18)
In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Georg Hofmann

Johann Gebhardt
Ein zweistockiges Wohnhaus von Fachwerk mit Giebeldach 22'
29,5'
17,5'
20'

20'
29,5'
17,5'
20'
1

1
--

--
2

1
1

1
--

1
1 geb. Keller
2 Dachböden mit 1 Kammer

2 Dachböden mit 1 Kammer
Ziegel gem. Fachwerk

gem. Fachwerk
--

--
Fundament u. Sockelmauern --- 475

500
IV 593,45

625
alter Anschlag 325f./300f.
(1861)

Aus den Schätzungsprotokollen von 1861 und 1869 kann man entnehmen, dass in diesem Zeitraum das Wohnhaus um ein Stockwerk (2,15m) erhöht wurde (in beiden Haushälften).
Grundmaase und Dachhöhe blieben erhalten.

1896 wird die nördliche Haushälfte so beschrieben:
"Ein zweistockiges Wohnhaus an der Bitzfelder Straße von gemischter Bauart unter Giebeldach, mit gemeinschaftlicher Scheidewand an Wohnhaus No.54a angebaut"
Der Versicherungsanschlag betrug 2120 Mark.
1911 wurde eine elektr. Anlage mit zwei Glühlampen eingebaut.
1923 wurde ein zweistockiger Hausanbau und ein Abortanbau erstellt. Gleichzeitig erfolgten bauliche Verbesserungen im EG.

1896 wird die südliche Haushälfte so beschrieben:
"Ein zweistockiges Wohnhaus an der Bitzfelder Straße von gemischter Bauart unter Giebeldach mit gemeinschaftlicher Scheidewand an Wohnhaus No.54 angebaut"
Der Versicherungsanschlag betrug 1720 Mark.

Die Scheune:

Bericht über den Neubau von Gemeinden Ba 95 Nr.268 Vermutlich bezieht sich dieser Scheurenneubau von 1834 auf die Scheune, die auch auf den Karten von 1818 (alt) und 1833 (neu) zu sehen ist.

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1861 sieht man einige Details zur Scheune 54AB
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Georg Hofmann Scheuer 1stockig Giebeldach 34,5'
33'
14'
20'
          1 Stall
1 Tenne
1 .emi.
Dachraum
Breit Ziegel theils Stein theils Riegelwände ge..... Wände Fundament bis Sockel... --- 600 IV 705 alter Anschlag 300f.
(18..)
In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zur Scheune 54B
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Georg Hofmann Eine einstockige Scheuer von Stein u Fachwerk mit Giebeldach 34,5'
33'
14'
20'
          1 Tenne
1 Bare mit Remise u Stall
Ziegel Auf Stallhöhe u Anfang Stein, sonst gem. Fachwerk   Fundament u. Sockelmauern --- 600 IV 750 alter Anschlag 600f.
(1861)
In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zur Scheune 54A
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Johann Gebhardt Eine einstockige Scheuer von Fachwerk mit Giebeldach nebst ..teile mit Pultdach 22'
24,4'
12'
16'

22'
5'
7'
6'
          1 Tenne
1 Bare

1 geb. Keller

In der Baren Verlängerung
Ziegel gem. Fachwerk   Fundament u. Sockelmauern --- 200 IV 250 alter Anschlag 100f.
(1861)

1896 wird die nördliche Scheurenhälfte so beschrieben:
"Eine einstockige Scheuer von gemischter Bauart unter Giebeldach mit gemeinschaftlicher Scheidewand an die Scheuer No.54a angebaut"
Der Versicherungsanschlag betrug 1600 Mark.
1915 wurde die Beschreibung der nördliche Scheurenhälfte so geändert:
"Eine einstockige Scheuer von Stein und Fachwerk unter Giebeldach, freistehend"
Der Versicherungsanschlag betrug 4800 Mark.

1896 wird die südliche Scheurenhälfte so beschrieben:
"Eine einstockige Scheuer von Fachwerk unter Giebeldach mit gemeinschaftlicher Scheidewand an die Scheuer No.54 angebaut"
Der Versicherungsanschlag betrug 1000 Mark.
1915 wurde der Versicherungsanschlag auf 0 Mark geändert.

1914 waren beide Scheurenhälften abgebrannt. An dieser Stelle entstannt nun die neue, ungeteilte Scheune.

Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1833, Nachtrag 1914; Haus Nr. 54 Haus Nr.54 in Verrenberg Links: Der Hof 1926.

Die Zeichnung rechts zeigt den Grundriss. Diesmal war es aber keine Doppelscheune, je eine Hälfte für die zwei Familien im Doppelhaus, sondern wurde von Christian Dahler alleine gebaut.


Der Rest:

Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1833, Nachtrag 1855; Haus Nr. 54 Die Zeichnung rechts stammt aus einem Nachtrag zum Urkataster von 1855.
Das Wohnhaus scheint sich im Vergleich zum Urkataster nicht verändert zu haben.
Anderst verhält es sich mit dem nördlichen Teil der Scheune. Diese scheint nach Norden (Richtung Straße) erweitert worden zu sein.




Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1833, Nachtrag ca. 1877; Haus Nr. 54 Der Kartenausschnitt rechts zeigt den Hof um 1877.
Laut Feuerversicherungsbuch (1896) wurde 1912 auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein freistehendes Kellerhaus von Stein mit offenem Schuppen und Giebeldach gebaut (Gebäudenummer 84).

Die Bewohner

Gesamtes Haus
Im Lagerbuch von 1628 (Seite 602a) wird Hans Borth als Eigner genannt. Als nächstes ist sein Sohn Georg Borth als Miteigentümer verzeichnet.

Im Lagerbuch von 1684 wird Georg Borth als Besitzer des Hauses genannt.
Er war zusammen mit Albrecht Hettenbach folgende jährliche Gülth schuldig:
"1 Faßnachtshun" und
"2 Sommerhüner"

Die Scheune und den Grasgarten hatte er nur zur Hälfte. Die andere Hälfte hatte Albrecht Hettenbach.
Das Haus und die halbe Scheune gingen 1731 auf den Sohn Johann Michael Bort über. Dieser hatte bereits 1728 den fehlenden Teil der Scheune und des Garten gekauft.

1740 ist Hannß Georg Bort auf dem "Söldners Güthlein", wie es im Bartensteiner Lagerbuch heist.Er hatte zur gleichen Zeit auch das Haus Nr.49.
Er musste folgende jährliche Gülth bezahlen:
12 Kreuzer "Vor Eine Faßnachtshun" und
12 Kreuzer "Vor Zwey Sommer Hüner"

Nach ihm findet sich sein Sohn Johann Michael Bort auf dem Hof. Dieser verkaufte das Söldlein 1782 an seinen Schwiegersohn Georg Michael Brand. Er ist es, der Haus und Scheune (ganzer Hof?) teilt. Die nördliche Hälfte geht an seinen Schwiegersohn Georg Leonhard Hofmann, die südliche Hälfte an den anderen Schwiegersohn Johannes Gebhard.

1822 verkaufte die Witwe Anna Magdalena Brand größere Flächen des Hofes an ihren 3ten Schwiegersohn Michel Bayer aus Schwöllbronn um 1015fl.


Familie Johann Heinle vor Haus 54 in Verrenberg Nördliche Haushälfte (an der Straße)
1837 verkaufte Georg Leonhard Hofmann seine Haushälfte an seinen Sohn Michael Hofmann.

Bei der Erstellung des Urkatasters 1837 wurden als Eigentümer Michael Hofmann genannt.

1841 verkaufte Michael Hofmann den Hof an seinen Bruder Georg Leonhard Hoffmann. War der Grund, dass Michael und seine Frau bereits vier tot Kinder zu beklagen hatten?

1855/56 wird in einer "Mess-Urkunde" als Eigentümer eben dieser Georg Hofmann angegeben. Er und seine Frau starben 1893.

Ein Nachtrag im Feuerversicherungsbuch nennt 1874 nennt Gottlieb Jäger als neuen Besitzer.
Ab 1882 hatte Christian Dahler (senj) diese Haushälfte. 1893 war dann sein Sohn Christian Georg Dahler der neue Eigner.

1920 heiratete Johann Heinle aus Oberhöfen die Tochter Marie Dahler.

Das Bild links zeigt vlnr: Eliese, Mutter Marie mit Lore und Johann Heinle vor ihrem Haus.
Die Aufnahme dürfte um 1931 entstanden sein.


Südliche Haushälfte (Richtung Feuersee)
Familie Strobel in Verrenberg Bei der Erstellung des Urkatasters 1833 wurden als Eigentümer Johannes Gebhard genannt. Später ging diese Haushälfte auf seinen Sohn Johann Friedrich Gebhard über. Nach dessen Tod wird seine Witwe 1893 als Eignerin genannt (die Ehe war kinderlos).
Noch im selben Jahr verkaufte sie dann an Karl Christian Knappenberger. Vermutlich war erst der Vater und später der Sohn Carl Christian Friedrich Knappenberger auf dem Haus.

1914 wird dann als Eigentümer die Witwe des Karl Christian Knappenberger angegeben. Dieser stammte aus dem Haus 2. War dessen Sohn Friedrich Christian Knappenberger der Hauserbe?
Seltsamer weise scheint die Haushälfte dann an seine Nichte Frida Lina Knappenberger übergegangen zu sein. Sie lebte mit Ihrem Mann Gottfried Stein (1896-1981) zuerst hier im Haus 54.
Da Gottfried Stein seine Schreinerwerkstatt beim elterlichen Haus Nr. 9 hatte, machte er vermutlich in den 30er Jahren einen Häusertausch. Er zog in das Haus Nr. 9 und seine Schwester zog von dort her.
Als sie dann 1939 den Witwer Eugen Herrn Strobel heiratet, kommt dieser Name auf das Haus. Das Bild rechts zeigt Herr und Frau Strobel mit Sohn Heinz.

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628

Nst: Ba 55 / Bd 75; Haus 54

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684

Nst: Ba 55 / Bd 79; Haus 54

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800

Nst: Ba 55 / Bd 89; Haus 54

Der Eintrag im Primärkataster von 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 54
Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 54

Ergänzungskarte zum Primärkataster

Ergänzungskarte zum Primärkataster Verrenberg 1833; Haus 54

 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869