Verrenberg HistorischDer Turnverein in Verrenberg


Der erste Verrenberger Turnverein wurde wohl im Mai oder Juni 1925 gestiftet.

Im "Schultheißenamt Protokoll" findet sich dazu dieser Hinweis:
04.Juni 1926 Es erscheint Friedr. Kühner zur Rose hier u. bringt vor:
Der hiesige Turnverein feiert am Sontag den 6.Juni sein I.Stiftungsfest an welchem ich die Oberamtliche genehmigung zur Tanzunterhaltung erhielt, ich bitte am demselben Tags um Verlängerung der Polizeistunde bis Nachts 1/2 2Uhr
Beschluß
Dem Friedrich Kühner die Nachgesuchte Polizeistunde bis Nacht 1/2 2 Uhr zu verlängern. Verwaltungsgebühr 2M

Unklar bleibt allerdings, wer den was genau gestiftet hat.
Es war ungewöhnlich für ein so kleines Bauerndorf, dass eine Handvoll junger Bauern und Handwerker sich die Idee des Turnvaters Jahn der körperlichen Ertüchtigung zum Ziel setzte.
Die Mittel waren gering und schon die Anschaffung eines Barren bedeutete eine große Errungenschaft.

In einem Nachtrag zum Primärkataster von 1926 zeigt sich aber, dass bereits im Gründungsjahr Raum für die Turnbegeisterten geschaffen wurde, indem ein Anbau an die neu errichtete Ortskelter geschaffen wurde.
Dorfkelter Verrenberg Primärkataster 1926
Dorfkelter Verrenberg Primärkataster 1926 Als die Dorfkeltern 1925 neu Aufgebaut wurde, entstand zugleich ein Anbau, der vom Turnverein bezahlt und benutzt wurde.

Bereits 1925 veranstaltete der Turnverein gemeinsam mit dem Gesangverein eine Herbstfeier.
Bis ins Jahr 1931 finden sich im Archiv Hinweise auf Veranstaltungen des Turnvereins. Details gibt es hier.

1927 sucht man neben der Turnhalle nach einer geeigneten Fläche für Übungen im freien.
Im Gemeinderats Protokoll findet sich dazu folgendes:
15.Dezember 1927 Das Anwesen der Wilh. Heinrich'schen Eheleute in Verrenberg ist im Oktober 1926 abgebrannt u es liegt die Area desselben sowie der anstoßende Garten seither Öde da.
Aus der Mitte des Gemeinderats wurde schon des öfteren zur Sprache gebracht, daß sich diese Fläche zum Turnplatz vorzüglich geeignet u daß in der Gemeinde der Wunsch besteht, diesen Platz, wenn er nicht zu teuer zu stehen kommt für die Gemeinde zu erwerben.
Gemeindepfleger Carle ist mit den Heinrich'schen Eheleute in Verhandlung eingetreten u es besteht die Möglichkeit den Platz um 350M gegen baar u gegen übernahme sämtliche durch den Kauf entstehenden Kosten u Steuern zu erwerben.
In erwägung daß sonst eine andere Gelegenheit zur Erwerbung eines geeigneten Platzes nicht vorhanden u der Kaufpreis von 350M ein angemessener ist ergeht der
Beschluß
Dem Gemeindepfleger Carle zum Abschluß des dies bezüglichen auf der vorbesprochenen Basis ruhenden Kaufvertrags, zur Dinglichen Einigung über Erwerbung der Area von Geb. No 45 = 3ar 40qm mitten im Dorf u P.No. 148 = 3ar 78qm Baum u Gemüßegarten daselbst durch die bürgerliche Gemeinde u zur Stellung des Antrags auf Eintragung im Grundbuch zu ermächtigen
13.Februar 1930 Der von Wilh. Heinrich im Jahr 1927 käuflich erworbene Brandplatz P.No 148/1 mit 7ar 18qm entspricht nicht den erhofften Zwecken, er eignet sich nicht zur Anlage eines Gartens u ebensowenig zu einem Turnplatz, nachdem bis jetzt gar keine Einnahmen aus diesem Platz zu verzeichnen sind wird
Beschlossen
Diesen Platz um etwas daraus zu erziehlen im öffentl. Aufstrich zu verpachten oder zu verkaufen
Eine öffentl. Bekanntmachung hierüber ergehen zu lassen

1934 wurde eine Vereinbahrung zwischen der Gemeinde und dem Turnverein getroffen, die die Nutzung der Turnhalle durch die Gemeinde regelte.
1934 Zwischen dem Turnverein Verrenberg u. der Gemeinde Verrenberg
Zwischen den Vorstand des Turnvereins Verrenberg u der bürgerl. Gemeinde Verrenberg - vertreten durch Bürgermeister Bort - wird heute folgender Vertrag abgeschlossen.
§1.
Der Turnverein Verrenberg uberläßt die in seinem Eigentum stehende Turnhalle der Gemeinde Verrenberg mit Wirkung vom 1.März 1934 an bis auf weiteres zur unentgeltlichen Mitbenützung.
§2.
An dem Mitbenützungsrecht der Gemeinde ist enthalten:
  a. die Mitbenützung durch die Schule
  b. die Mitbenützung durch die Hitlerjugend u. das Jungvolk
  c. die Mitbenützung durch S.A S.S. u B.D.M
§3.
Die Benützung der Turnhalle wird folgendermasen geregelt:
An den Werktagen hat tagsüber die Schule, Hitlerjugend u. B.D.M. das ausschließliche Benützungsrecht der Turnhalle.
Die Benützung an Sonntagen ist durch eine Vereinbarung zwischen Turnverein u Gemeinde zu regeln, wobei die Sonntags eines Monats im Bedarfsfall zur einen Hälfte dem Turnverein u zur andern Hälfte der Gemeinde zur Verfügung stehn.
Der Turnverein hat das ausschließliche Benützungsrecht der Turnhalle an zwei von ihm festzusetzenden Wochenabend, während an den andern Abenden die Gemeinde bezw die von ihr zugelassenen Verbände das ausschließliche Benützungsrecht haben.
§4.
Für das Recht der Mitbenützung übernimmt die Gemeinde die vom Turnhallenbau noch vorhandenen Schulden im restlichen Betrag von 95RM 95d. Sie wird die Gläubiger alsbald befriedigen

Im Herbst 1934 wurde dann die Turnhalle für den reichen Weinertrag benötigt.
05.September 1934 hienach wird folgende Kelterordnung u. Vertrag festgesetzt
1. Nachdem die Aussichten des diesjährigen Herbstes gute sind u. der Platz in der Kelter zum Aufstellen der Bütten nicht ausreichen wird kommt nun die Turnhalle in Frage, es ist jedem Weingärtner nun gelegenheit gegeben sich für einen Platz zu sichern, u. für jede eingestellte Kufe 1M standgeld zu bezahlen

Ob damit die Tätigkeit des Turnvereins entgültig ruhte oder es in der Vorkriegszeit noch Aktivitäten gab ist noch unklar.

1947 kam es dann zur Gründung der "TSG Verrenberg 1947 e.V.". Auf dem Golberg entstanden ein Sportplatz und ein Umkleidehäuschen. Trainiert wurde auf der Dorfstraße vor der Kelter.
Wie kameradschaftlich der Zusammenhalt war, zeigt eine Geschichte, die der Lehrer Hans-Jörg Weinbrenner 1957 niederschrieb:
Das gute nachbarschaftliche Verhältnis der übrigen Dörfler zeigt folgende kleine Geschichte: Vor einiger Zeit wurde einem Fußballspieler der Verrenberger Mannschaft bei einem Spiel absichtlich der Unterschenkel abgeschlagen.
Die Frühjahrsarbeiten häuften sich an, der Mann konnte nichts tun ...
So fanden sich denn der ganze Sportverein ein, um die ausgefallenen Arbeiten gemeinsam zu verrichten.


1957 errang der mit 41 Mitgliedern kleinste Verein des Fußballbezirks Hohenlohe den Hohenloher Wanderpokal. Die "Golbergelf", wie sie nun hieß, war zum Favoritenschreck geworden.
1959 erkämpfte die 1.Mannschaft die Meisterschaft der C-Klasse, wurde 1961 Meister der B-Klasse und spielte dann ein Jahr in der A-Klasse des Bezirks.

Bilder hierzu finden sie hier:
Jahresausflug TSG, ca. 1950 nach Heidelberg
TSG Mannschaft ca. 1951
SW Bilder zur TSG Mannschaft
Der Sportplatz auf dem Golberg wird angelegt
C-Klassenpokalsieger 1968 - TSG Verrenberg
Einweihung des neuen Sportplatzes 1980
 

Quellennachweis.

Ortsarchiv Verrenberg: Schultheißen-Amt Protokoll
Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
Buch "öhringen Stadt und Stift"; 1988
Nachlass des Schullehrer Günther. Danke an Heike Weis!