Verrenberg Historisch

Haus Nr. 14 in Verrenberg (Goldbergstraße 11)


Aufnahme von 1926
Haus und Scheune
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1833; Haus Nr. 14
Urkataster von 1833
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 14
Karte von 1818

Lage des Haus im Ort

Aufnahme von 1918

Aufnahme von 2005

Aufnahme von 2005

Aufnahme von 2005


Das Schankrecht

Johann Ludwig Ebele bittet 1861 erfolgreich um die Erlaubnis, Brandwein brennen zu dürfen. War er der erste, der dieses Recht auf diesem Haus ertheilt bekommen hat?
Der zweite Mann seiner Witwe, David Karl Scholl führte dies weiter.
1874 beantragt David Karl Scholl das Recht, seinen Brandwein selbst an Endkunden verkaufen zu dürfen. Dies liest sich im Gemeinderatsprotokoll so:
David Scholl Küfer hier sucht um Brandwein Kleinverkauf nach, behufs dessen wurde demselben bezeugt
1) daß der nachsuchende ein gutes Predikat hat
2) daß gegen denselben keine der in der Gewerbeordnung §33. enthaltene Thatsachen vorliegen welche zum Bedenken veranlaßung geben.
3) ist nur ein Brandweinschenker welcher sein Gewerbe in Betrieb hat, hier. Welcher aber nicht eigenes Fabrikat hat, sondern künstlich bereiteten Brandwein führt.
Dieß gibt Veranlaßung als ein Bedürfniß zu bezeichnen daß bei dem gegenwärtigen Getränkemangel ein guter Naturbrandwein zu haben ist.
Es wird deßhalb dieses Vorhaben dem K. Oberamt zur Genemigung empfohlen


Andere Wirtschaften in Verrenberg:
Speise Wirtschaft (Haus Nr.47 1842-1992)
Gassen Wirtschaft (Haus Nr.37 ab 1826)
Gassen Wirtschaft (Haus Nr.62 um 1877)
Schildwirtschaft Sonne (Haus Nr.22 1623-19??)
Brandweinbrennerei (Haus Nr.28 vor 1845-????)


Die Bewohner

Gesamtes Haus:
Johann Friedrich Braun hatte 1729 ein Stück Garten von Jacob Wecker gekauft, um hier sein neues Haus neu bauen.

Im Lagerbuch von 1740 ("Steuerliste" S.277) wird Johann Friedrich Braun als Eigentümer genannt. Er musste folgende jährliche Gülth bezahlen:
 3 Kreuzer "an Geldt" und
12 Kreuzer "Vor Eine Faßnacht Huhn"


---------------------- Anmerkung Start ---------------------

Die Angaben im Lagerbuch und in den Amtsrechnungen passen nicht zusammen.
- Lagerbuch: Ein Nachtrag nennt Leonhard Steinbach. Dabei ist nicht klar, ob sich die Jahreszahl 1769 auf ihn oder auf Johann Georg Schukraft bezieht.
   Leonhard Steinbach starb bereits 1764.
- Amtsrechnungen: In den Amtsrechnunge von 1760 bis 1772 wird Leonhard Steinbach bei diesem Haus nicht erwähnt.
Die Angaben in Lagerbücher und Amtsrechnungen scheinen nicht zusammen zu passen.

Annahme 1: Der Eintrag von Leonhard Steinbach im Lagerbuch war ein Versehen des Schreibers, die Angaben in den Amtsrechnungen stimmen. Dies ist die wahrscheinliche Variante.
Nach dem Tod der Eheleute Johann Friedrich Braun 1768 ging das Haus auf den Sohn Johann Michael Braun über. Das dieser bereits ein anderes Haus hatte,
verkaufte er an seinen Schwager 1769 Johann Georg Schukraft. Laut den Amtsrechnungen hatte dieser das Gut bis mindestens 1805. Verkaufte er im hohen Alter oder später seine Erben?
Nächster Besitzer war laut Lagerbuch  Georg Michael Bürkert. Dieser starb aber bereits 1798.


Annahme 2: Der Eintrag im Lagerbuch stimmt und Leonhard Steinbach war zeitweilig Eigentümer des Hauses.
Die Jahreszahl 1769 im Lagerbuch muss sich dann auf Johann Georg Schukraft beziehen, da Leonhard Steinbach bereits 1764 starb.

Johann Friedrich Braun verkaufte zu unbekannter Zeit und Grund an Leonhard Steinbach. Seine Tochter Maria Catharina Steinbach heiratete 1777 Georg Michael Bürkert.
Georg Michael Bürkert vermachte seinen Hof vermutlich 1800 an seinen Sohn Johann Peter Bürkert.

---------------------- Anmerkung Ende ---------------------


Linke Haushälfte:
Bei der Erstellung des Urkatasters 1833 wurde als Eigentümer der linken Haushälfte eben dieser Peter Bürkert genannt.
Nach dem Tod von Peter Bürkert (1835) und seiner Witwe (1839) wurde die Haushälfte 1840 von den Erben an Friedrich Gulde (aus Schwöllbronn) um 475fl. verkauft. Die 3 Söhne behalten sich den Sitz in der Kammer ob der Stube vor, so lange sie ledig sind.


1845 kaufte Johann Michael Bürkert (Sohn des oberen Peter Bürkert) die Haushälfte von Martin Hoffmann um 600fl. Hatte es dieser 1840/41 von Friedrich Gulde erkauft?


Leider sind im Moment nicht alle Seiten verfügbar, bei Interesse bitte selbst im Ortsarchiv nachsehen.
1849 wurde aus der "Ganthmasse" (Zwangsversteigerung) des Johann Michael Bürkert die Haushälfte an Baltas Käppler verkauft.

1859-60 steht im Nachtrag zum Primärkataster Johann Ludwig Ebele als Besitzer. Er heiratete 1859. Da er und seine Frau nicht aus dem Ort stammten, steht zu vermuten, dass sie sich im Jahr ihrer Vermählung hier einkauften.
Nach seinem Tod 1864 heiratet seine Witwe 1865 Johann David Karl Scholl.
Im Schätzungsprotokoll von 1869 wird David Scholl als alleiniger Eigentümer des ganzen Hauses genannt.



Rechte Haushälfte:

1803 steht in den Amtsrechnungen, dass Johann Georg Bort sein Gut (inkl. dieser Haushälfte) an seinen Schwiegersohn Georg Michael Lebhardt verkaufte.

1818 verkaufte Georg Michael Lebhardt seine Haushälfte um 400 Gulden. Käufer war sein Schwager Johann Philipp Bort.
Wann wurde die Haushälfte wieder verkauft? 1834 nach dem Tod von Johann Philipp Bort?
War Peter Bürkert der Käufer?

Bei der Erstellung des Urkatasters 1837 wurde als Eigentümer dieser Haushälfte Johann Michael Zorn genannt. Er war der Schwiegersohn von Peter Bürkert. Nach seinem Tod 1853 dauerte es wohl nicht mehr lange, bis der Hof zum Verkauf stand.

1859-60 steht im Nachtrag zum Primärkataster Philipp Bühner als Besitzer. Er hatte nach der Scheidung von seiner 1sten Frau 1859 das Haus Nr.47 verkauft und war hier her gezogen.

Im Schätzungsprotokoll von 1869 wird David Scholl als alleiniger Eigentümer des ganzen Hauses genannt.

Gesamtes Haus:
1913 wird im Feuerversicherungsbuch sein Sohn, der Küfer Karl Scholl jun. als alleiniger Eigner genannt. Er fällt 1914 im I.Weltkrieg.
Seine Witwe heiratete 1920 Gottfried Kohler. 1921 ist dann Gottfried Kohler als Besitzer im Feuerversicherungsbuch eingetragen.
Seine Tochter Luise heiratet 1947 Joachim Frank und blieb auf diesem Haus.


Heute ist der Name Kneidinger auf dem Haus.

Bauliche Entwicklung

Johann Friedrich Braun hatte 1729 ein Stück Garten von Jacob Wecker gekauft, um hier sein neues Haus neu bauen.

Die Scheune 14a. wurde vermutlich erst später gebaut, da sie sonst im Lagerbuch von 1740 erwähnt sein müsste.

Der Küfermeister Johann Ludwig Ebele richtet 1861 im "Partere Stock" eine Brandweinbrennerei ein.

Zeichnung Haus 14 1861 Verrenberg Bild links: Zeichnung von 1861

1865 beantragte Philipp Bühner den Bau eines Backofens mit Schweinestall (Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 4613).

Im unteren Eintrag des Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus

(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
David Scholl Ein zweistockiges Wohnhaus aus Stein und Fachwerk mit Giebeldach 45'
34,5'
18'
23'
2.   2 2 2 1 gew. Keller
2 Dachböden mit 4 Kammern
1 Werkstadt
Ziegel der erste Stock Stein sonst gem. Fachwerk Backofen Fundament, gew. Keller u. Sockelmauern --- 2200 IV 2750 alter Anschlag 2200f.
(1861)



Über der Eingangstür des Wohnhauses findet sich folgende Inschrift im Sandstein.
Haus Nr. 14 in Verrenberg
Sie hatten 1870-1882 eine umfassende Renovierung des Gebäudes vorgenommen.

1892-93 war es dann Johann David Karl Scholl, der die Scheune 14a erweiterte. Bis zum Abbruch 1972/73 gab es keine weiteren Veränderungen.
Das Haus dürfte eines der ältesten noch erhaltenen Verrenberger Häuser sein.

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Scholl David Küfer 2 stockiges Wohnhaus von gemischter Bauart unter Giebeldach in den Jahren 1870-1882, 1895 durchgreifend baulich verb essert 12.70
9.70
Erdg.2.50
I.Stock 2.60
Dach 6.60
3 I.Stock   1 I.Stock
7 Dachboden
1 I.Stock     Dachplatten Umfassungswände von Stein, Giebel ausgemauertem Fachwerk mehr als 4.29m z.D.v.No.14a entfernt gemäuer unter der horizontalen Ebene des Fußbodens im Erdgeschoß Vorplatz (Kellergewölbe soweit versichert) 4600 III 4600 Alter ca. 150Jahre
Unterhaltung gut
Unter nebigem Anschlag von 4600M inbegriffen ist;
1 Brennkessel mit Kupfereinsatz, Kupferhelm und Kühlgefäß, Anschlag 100M

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheune
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Scholl David 1 stockige im Jahr 1892 umgebaut u vergrößerte Scheuer am Ortsweg No.1 v gemischter Bauart unter Giebeldach 12.45
8.25
3.80
Dach 5.20
        1 1 Tenne
2 Bare
Dachplatten Stallwände von Stein sonst von ausgemauertem Fachwerk Zusammenhang mit dem Schuppen Fundament u Bodenbelag im Stall 1600      


1911 wurden zwei elektrische Brennstellen eingerichtet.
1923 wird im Feuerversicherungsbuch eine Brauereieinrichtung erwähnt.

Aus dem Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800

Nst: Ba 55 / Bd 89; Haus 14

Der Eintrag im Primärkataster von 1833

Eintrag im Primärkataster von 1833; Haus 14

Nachtrag zum Primärkataster, 1859-60

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1859-60; Haus 14 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1859-60; Haus 14

Nachtrag zum Primärkataster, 1892-93

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1892-93; Haus 14 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1892-93; Haus 14

Ergänzungskarte zum Primärkataster

Ergänzungskarte zum Primärkataster Verrenberg 1833; Haus 14

 

Quellennachweis.

Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800
Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
HZA Ba 115 Bd 711 Amtsrechnungen 1803/04
Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 4613