Verrenberg Historisch

Haus Nr. 58 in Verrenberg (Reblandstraße 3)


Aufnahme Nordseite von 2005

Aufnahme Nordseite von 2005

Aufnahme von 1926

Aufnahme von 1962 aus Richtung Bahndamm
Links Haus 58, rechts Haus 55
   360 Grad Rundumblick am Haus Nr.58. [Juni 2021]
   
Lage des Haus im Ort
    Ergänzungskarte zum Primärkataster Verrenberg 1833; Haus 58
Ergänzungskarte zum
Primärkataster von 1839
    Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 58
Karte von 1818
    Kartenausschnitt aus Karte von 1839; Haus Nr. 58
Urkataster von 1839




Bauliche Entwicklung

Im Lagerbuch von 1684 ("Steuerliste" S.34a) wird für das Nachbarhaus Nr.59 die Lage so beschrieben:
"... zwischen dem gemeinen Weg zu 3en und Albrecht Hettenbachen Sommergärtlein zur 4ten Seiten gelegen."
War dieser Platz 1684 also noch eine Gartenfläche?

Im Lagerbuch von 1740 ("Steuerliste" S.236) heist es:
Ein Hauß und daran gebaute Scheuren ..., wobei zwei Haushälften erwähnt werden.

1818 und 1839 lesen wir von einer südlichen und einer nördlichen Haushälfte, sowie einer Scheune.
War die angebaute Scheuer zur nördlichen Haushälfte ausgebaut worden?

1854-55 wurde die Scheune 58a abgebrochen.

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Christoph Wieland

Georg Glaser
Ein einstockiges Wohnhaus von Fachwerk mit Giebeldach 17,5'
25,5'
8'
15'

17,5'
25,5'
8'
15'
1.   1 1   2 Dachböden

1 geb. Keller (1)
2 Kammern auf dem Dach
Ziegel gem. Fachwerk Backofen Fundament u. Sockelmauern

Fundament Keller u. Sockelmauern
--- 275

375
IV 343,45

468,45
alter Anschlag 150f./200f.
(1861)


In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum nördlichen Haus (58a)
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Werner Jakob, Schankwirt 1 stockiges Wohnhaus an der Bitzfelder Straße v Fachwerk unter Giebeldach an No 58b mit gemeinschaftl. Scheidewand angebaut 4.80
7.30
Sout. 2.00
Erdg 2.20
Dach 4.40
1 EG   1 EG 1 EG   1 geb Keller Dachplatten teils ausgem teils geschliertes Fachwerk   Fundamente u einf. Gemeuer im Souterrain 520 IV 650 Alter ca. 200 Jahre Unterhaltung mittelmäßig

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum südlichen Haus (58b)
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Knappenberger Christian Kinder 1 stockiges Wohnhaus an der Bitzfelder Straße v Fachwerk mit No 58a unter gleichem Giebel Dach u mit gemeinschaftl. Scheidewand zusammen gebaut 5.15
7.30
Sout. 2.30
Erdg. 2.20
Dach 4.40
1 EG   1 EG
2 Dachboden
1 EG 1 Sout 1 geb Keller (1) Dachplatten Ueber Sockel teils ausgem teils geschliertes Fachwerk   Fundamente u einhäupt Gemäuer im Souterrain 800 IV 1000  
(1) geb. Keller => geb[ühnter] Keller => ein Keller ohne Gewölbe, also mit Balkendecke


Die Bilder von 1926 und 1962 zeigen, dass in dieser Zeit in der nördlichen Hälfte ein Ausbau des Daches erfolgte.

Vermutlich wurde die öffentliche Sprechstelle (Telefon) Anfang März 1935 in der nördl. Haushälfte des Friedrich Rupp eingerichtet.

1965 wurden an beide Haushälften angebaut.

Die nördliche Haushälfte mußte um 1975 einer neuen Straße weichen.
Unter dieser nördliche Haushälfte war vermutlich ein Keller, allerdings nicht gewölbt.


Die Bewohner


Vermutlich errichtete Johann Georg Kreb auf diesem Platz erst eine Scheune, später ein Haus.
Nach den Nachträgen im Lagerbuch von 1684 könnte man vermuten, dass der dieses Haus teilte und eine Hälfte seinem Schwiegersohn Johann Albrecht Hornung verkaufte.

Johann Albrecht Hornung bewohnte 1740 die nördliche Hälfte, sein Schwiegersohn Johann Michael Bort (1722-1807) die südliche Hälfte.


Nördliche Haushälfte (an der Straße)
Im Lagerbuch von 1740 ("Steuerliste" S.236) wird Albrecht Hornung als Eigentümer genannt.
Was passierte mit der Haushälfte nach seinem Tod 1764 und seiner Frau 1767?
Vermutlich ging die Hälfte an das einzige Kind und ihren Mann Johann Michael Bort (1722-1807) über.
Dann wäre es naheliegend, dass er diese Hälfte an seinen gleichnamigen Sohn Johann Michael Bort (1742-1794) verkaufte.
Dann wäre es auch naheliegend, dass seine Witwe 1800 verkaufte und sich das Wohnrecht sicherte.


Im Messbuch von 1818 wird Georg Schanzenbach als Besitzer genannt. Wer war konkret gemeint?
Vermutlich Johann Georg Schanzenbach.


Bei der Erstellung des Urkatasters 1839 wurde als Eigentümer Georg Michael Ahles genannt.

Hatte sein Schwiegersohn Georg Peter Feinauer zu seiner Hochzeit 1826 das Haus übernommen, oder zumindest bei seinem Schwiegervater gelebt? Er starb 1839

Vermutlich folgte ihm sein Sohn Johann Michael Ahles. Dieser zog Ende 1859 in das Haus Nr.20.

Nach dem Tod der Witwe des Johann Michael Ahles ging der Besitz am 28.03.1854 auf den Sohn Johann Michael Ahles über.
Er musste aber seine Schwester Maria Catharina und deren lediges Kind das Wohnrecht einräumen.


Tierbestand auf diesem Hof laut Viehzählung von 1858
Namen der Eigenthümer Haus/Hof Rindvieh Schafe Schweine Ziegen Bienen Gänße Enten Hühner Pferde
Ahles Michael Nr.58 Hälfte               4.  

Am 11.02.1860 verkaufte Michael Ahles sein halbes Wohnhaus an Christoph Wieland um 146fl.. Die folgenden Bedinungen wurden vereinbart:
"In diesem Hauße No.58a haben das Wohnrecht
1. Die Witwe des Georg Peter Feinauer Lebenslänglich oder bis zu ihrer wiederverheurathung
2. Deren Kinder, so lange diese unverheurathet sind laut Realtheilung Fax VI No.215 Kaufb VII blt.357b
"


Im Feuerversicherungsbuch von 1869 wird Christoph Wieland als Besitzer genannt.
Die Nachträge zeigen, dass von 1877 bis 1886 sein Schwiegersohn Georg Heinrich Schumacher auf dem Haus war.

Am 10.September 1886 verkaufte Georg Heinrich Schumacher um 950 Mark diese Haushälfte an die Witwe Christina Rosina Lay.
Die Beschreibung sieht so aus:
- 1 einstockiges Wohnhaus nördl Teil
- Hofraum
- zwei Gemüsegärten
Die Käuferin muss auch das Wohnungsrecht der Witwe des Georg Feinauer und ihrer Kinder und der "Christoph Wielandschen Eheleute" von hier übernehmen.
Es wird noch erwähnt, dass Christina Rosina Lay die Haushälfte kauft, damit ihre Schwiegertochter Johanna Christina Lay geb.Apfelbach nach dem Tod ihres Mannes darin wohnen kann.
Nach ihrem Tod 1891 stand die Haushälfte wieder zum Verkauf.


Ab 1892 ist dann der Taglöhner Johann Jakob Karl Gall als Besitzer vermerkt.

Im Feuerversicherungsbuch von 1896 wird Jakob Werner als Besitzer genannt. Er war 1889 nach Verrenberg gezogen.
1907 ging der Bahnwärter Johann Georg Rupp in Pension, so dass er die Bahnstation 89 verlassen musste. Laut Nachtrag war Johann Rupp ab 1908 neuer Besitzer. 1928 wird dann seine Witwe genannt.
Später war dann der Sohn Friedrich Wilhelm Rupp auf dem Haus.

Nach der Eingemeindung 1972 nach Öhringen wurden auch die Straßen und Gehwege neu gebaut, was mehr Platz in der Breite benötigte.
Im Bereich der nördlichen Hälfte des Haus Nr. 58 reichte der verfügbare Platz nicht aus, so daß eine Lösung her musste.

Die Idee war nun, der Bewohnerin der nördlichen Hälfte des Haus Nr. 58, Frau Martha Rupp einen Ersatz anzubieten, um durch den Abriss dieser Haushälfte ausreichend Platz zu gewinnen.
Am 12.03.1973 gab es dazu eine Besprechuung:

Als diese Haushälfte um 1975 abgerissen wurde, zog seine Witwe, Martha Rupp in das ehemalige Kühlhaus (am Feuersee) um. Es war hierzu zum Wohnhaus umgebaut worden.




Südliche Haushälfte (Richtung Feuersee)
Im Lagerbuch von 1740 ("Steuerliste" S.236) wird Johann Michael Bort (1722-1807) als Besitzer genannt.
Er hatte es vor 1788 für 100fl. an seine Tochter Maria Dorothea Bort verkauft. Die Bezahlung erfolgte 1788, wobei ihr zukünftiger Mann Johann Georg Glaser aus Amertsweiler 50fl. beisteuerte.
Antrag des Johann Georg Glaser auf das Bürgerrecht in Verrenberg (1788).Für Details einfach klicken!


Gründung der Schäfereigesellschaft in Verrenberg - 1801
Mit dem Kauf der Schäfereigerechtsame des herrschaftlichen Hofs Schwöllbronn durch die Gemeinden Schwöllbronn, Unterohrn und Verrenberg, kam es in Verrenberg zur Gründung der Schäfereigesellschaft.
Verrenberg hatte 120 Schafe erkauft, die aufgeteilt in drei Klassen auf 70 Verrenberger aufgeteilt wurden.
Johann Georg Glaser war in der III.Klasse. Damit konnte er 1 der 120 erkauften Antheile in Anspruch nehmen. Dazu kam ein Beischlag von 3 Schafen. Damit konnte er 4 Schafe halten.
Diese Schäferei Anteile sollte ursprünglich auf Hof und Gut gebunden sein. Das wäre in seinem Fall die südl. Haushälfte Haus 58.
Diese Bindung wurde aber im Laufe der Jahre nicht mehr beachtet, so dass der Verkauf der Schäferei Anteile unabhängig der Liegenschaften erfolgte.


Im Messbuch von 1818 wird Johann Georg Glaser als Besitzer genannt.

Georg Glaser und seine Ehefrau Maria Dorothea verkaufen im Juni 1819 an ihren Sohn Johann Georg Glaser und dessen Braut ihr Söldner Güthlein (halbes Haus und ganze Scheune) um 1300fl.

Bei der Erstellung des Urkatasters 1839 wurde als Eigentümer eben dieser Sohn Georg Glaser genannt.


Tierbestand auf diesem Hof laut Viehzählung von 1858
Namen der Eigenthümer Haus/Hof Rindvieh Schafe Schweine Ziegen Bienen Gänße Enten Hühner Pferde
Glaser Georg Nr.58 Hälfte 1.             3.  

Er taucht im Feuerversicherungsbuch von 1869 wird Georg Glaser wieder genannt.
1875 wird in einem Nachtrag ein Bernhard Schumacher als Besitzer genannt.
Aber schon im folgenden Jahr, 1876 kauft Conrad Keim die Haushälfte aus der "Realtheilungssache der verst. Bernhard Schumachers Ehefrau". Vermutlich wohnte er nicht selbst darin, sondern hat es vermietet.
1878 bis 1882 war dann der Schumacher Karl Friedrich Krenkler der Eigner.

Am 08.07.1882 verkaufte Karl Friedrich Krenkler seine Haushälfte an Karl Christian Friedrich Knappenberger um 897 Mark. Neben dem Haus wird noch ein Gemüsegarten erwähnt.
Der Käufer muss das lebenslange Wohnrecht von Rosina Catharina Margaretha Glaser übernehmen.
58b 39 met. ein 1.stokiges Wohnhaus südlicher Theil mit getremten Keller
1 ar 23 met. Hofraum


Vermutlich zog Karl Christian Friedrich Knappenberger später in die südliche Hälfte des Haus Nr.54. die Haushälfte verkaufte er vermutlich an seinen Bruder Friedrich Christian Knappenberger.
Dessen Tochter Mathilde Knappenberger heiratete 1940 Karl Kühnle aus Neckarsulm

Danach wohnte hier ein Herr Spengler. Vermutlich ein unehelicher Sohn von Barbara Luise Christine Knappenberger geb. Spengler.

Vermessungen


Gült- und Lagerbuch 1740

Messbuch 1818
nördl. Hälfte

Messbuch 1818
südl. Hälfte

Urkataster 1839

Zusatzkarte zum Urkataster 1833

Zusatzkarte zum Urkataster 1839 ; Haus 58

Nachtrag zum Primärkataster, 1854-55

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg, 1854-55; Haus 58 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg, 1854-55; Haus 58

Nachtrag zum Primärkataster, 1873-74

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg, 1873-74; Haus 58
 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 30 / Bü 1086
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: B 71 Kaufbuch Bd.7
Ortsarchiv Verrenberg: B 73 Kaufbuch Teil 9 1858-1861
Ortsarchiv Verrenberg: B 78 Kaufbuch Teil 14 1881-1890
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Messbuch von 1818
Ortsarchiv Verrenberg: B 56 Beilagen zum Gemeindegüterbuch Band II: Schäfereiwesen 1801-1858
Ortsarchiv Verrenberg: A 117 Geb Nr 58