Verrenberg HistorischAuswanderung in der Region und Verrenberg


Auswanderung in der Region allgemein Auswanderer aus Verrenberg
 
 

Auswanderung in der Region allgemein

Kopf-Auswanderungsprospekt 1850 Bild links: Aus einem Werbeprospekt von 1850
Bild rechts: Beispiel für eine württembergische "Bürgerrechts-Verzichts-Urkunde" von 1869
Anlaufpunkt für Auswanderer aus der Region war wohl Heilbronn.
Hier gab es diverse "Auswanderer-Beförderungs-Anstalten", die teilweise aber auch "Bezirks-Agenten" in Städten wie Öhringen hatten. Anzeigen, die in Amtsblätter wie den "Hohenloher Boten" geschaltet wurden erreichten weite Teile der Bevölkerung.
So wurde 1849 vom Verrenberger Gemeinderath beschlossen, ein zweites Exemplar des "Oehringer Intelligens blatt" anzuschaffen. Dieser gingen von Haushalt zu Haushalt, wo er aber, unter Strafe, nicht länger als eine halbe Stunde verbleiben durften.

Grundsätzlich hatte jeder Bürger das Recht auszuwandern. Eine Voraussetzung war, dass man "auf sein bißheriges Bürgerrecht dahir und auf jede Art von bürgerlichen Verband mit den Wirten bürgerschen Stat für sich wissendlich und wollendachtlichg Verzicht leistet".
Zudem musste sichergestellt sein, dass alle offenen Forderungen und Schulden beglichen waren. Entweder man stellte einen Bürgen, der für nach der Ausreise bekanntwerdende Forderungen einstehen musste, oder man gab im Amtsblatt die geplante Auswanderung bekannt, so dass Gläubiger die Möglichkeit erhielten zu reagieren.
In manchen Gemeinden wurde die Auswanderung finanziell unterstützt, andere zur Auswanderung gezwungen. So wollte man sozial Auffällige wie junge ledige Mütter, Strafgefangene und Bedürftige los werden. Es gab aber auch die Fälle, das Auswanderungswillige gehalten wurden, weil sie als tugendhaft, arbeitssam und sparsam galten.
Manche reisten zuerst alleine aus, um die Familie dann später nachkommen zu lassen.

Wer nun diese Hürden gemeistert hatte und seinen Heimathschein oder die "Verzichts-Urkunde" in Händen hielt, reiste nach Heilbronn.

Zu den Abfahrtshäfen konnte man auf verschiedenen Wegen gelangen. 1850 heist es in einem Prospekt des J.M. Bielefeld:
"Es liegt in Ihrer Wahl, ob Sie
    über Rotterdam direct nach New=York,
    über Rotterdam und Hâvre per Dampfboot, oder
    über Köln, Paris & Hâvre per Eisenbahn,
    über Straßburg, Paris & Hâvre mit Diligence und Eisenbahn
reisen wollen."

Diligence => Kutsche

Für die Überfahrt gibt J.M. Bielefeld folgende Preise an (Zwischendeckpassagiere):
"Die Preise über Rotterdam und Havre sind gegenwärtig ab Mannheim:
nach New York für eine Person über 10 Jahren fl. 55; für eine Person von 1 - 10 Jahren fl. 45.
nach New Orleans für eine Person über 10 Jahren fl. 50; für eine Person von 1 - 10 Jahren fl. 40.
Kinder unter 1 Jahre sind frei."
...
In obigen Preisen ist das Armen-, Spital- und Kopfgeld in Amerika inbegriffen und wird von mir bezahlt.


Zu diesen Preisen kommt noch die Beförderung nach Mannheim. Für eine Familie mit drei Kindern über 10 Jahren musste also für eine Reise nach New York mit 275 Gulden gerechnet werden.
Der notwendige Proviant für die Überfahrt wird so angegeben:
Der vorgeschriebene Seeproviant besteht für die Person über 6 Jahren:
nach New York in: 40 Pfund Zwieback, 5 Pfund Mehl, 5 Pfund Reis, 2 Litres Essig, 14 Pfund Schinken, 4 Pfund Butter, 2 Pfund Salz, 140 Pfund Kartoffeln oder 20 Pfund Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen), Preis: fl 17
Für Kinder von 1 - 6 Jahren die Hälfte".

Für die oben genannte Musterfamilie bedeutet dies noch einmal 85 Gulden, also 360 Gulden in Summe. Bedenken muss man auch noch, das die Auswanderer wohl nur die wichtigsten Dinge mitnehmen konnten und bei ihrer Ankunft noch einige Baarreserven benötigten.

Bei den Schiffen handelte es sich größtenteils um Segelschiffe von 300 bis 1200 Tonnen.
Als kleinen Anhaltspunkt, 1869 verdiente ein Maurer- oder Zimmerermeister in Verrenberg 1,5 Gulden am Tag. In Kleinhirschbach (Hohenlohe/Württemberg) wird der Jahresverdienst des "kleinen Knecht" 1853 mit "16 Gulden, 2 Hemeter" angegeben.

1860 musste für die Überfahrt nach Amerika ca. 80 Gulden gerechnet werden.

 
 

Verrenberger Auswanderer

Anzeige im Bote für Hohenlohe; 8.März 1854 Hier folgt eine Tabelle mit den mir bekannten Verrenberger Auswanderer. Grundlage sind haupsächlich die Gemeinderatsprotokolle und das Hauptstaatsarchiv in Stuttgart. Es gab mit Sicherheit Auswanderer, die hier nicht erscheinen.
Auswanderung erforderte die für die Reise und für die Existenzgründung notwendigen Mittel. Öffentliche Unterstützung wurde von der Verrenberger Gemeinde im Normalfall nicht gewährt. 1847 und 1854 wurde jeweils einem Auswanderungswilligen ein Zuschuss zugesagt, da zu erwarten war, dass in Zukinft "der Bittsteller der Gemeinde später hie doch zu Last fallen würde".
Auch ist kein Fall bekannt, in dem (ein von der Gemeinde unterstützter) zur Auswanderung gedrängt/gezwungen wurde. Dies kam in anderen Gemeinden (z.B. Wimpfen Dezember 1854) durchaus vor.

Vor der Auswanderung musste sichergestellt werden, dass Gläubiger nicht leer ausgingen. Dazu musste entweder ein Bürge gestellt werden, der für etwaige Verbindlichkeiten am Heimatort gerade stehen musste, oder man gab die geplante Auswanderung rechtzeitig im Amtsblatt (Kocherbote) bekannt.

Leider sind über die Zielorte der Auswanderer in der Regel keine genaueren Angaben verfügbar. Es wäre interessant zu wissen, wo in den USA Nachkommen Verrenberger Auswanderer leben.
Es fällt auf, dass nach dem Hagelunwetter 1897, die Schriften von Eberhard Schanzenbach auch nach Chicago geschickt wurden. War dies die neue Heimat einiger Verrenberger geworden?

1855 wurde vor einem dubiosen Anwerber für die Auswanderung in die Wallachei gewarnt:
Warnung des Oberamtes an die Schultheißen - 1855
Im "Schultheißenamt Protokoll" vom 24.September 1855 heist es:
Ein gewisser Johann Schallansky hat sich in öffentlichen Blättern insbesondere in der Schwäbischen Merkur, erboten, Auswanderer in die Wallachei anzunehmen und mit denselben Contrakte wegen der Pachtweisen Übernahme von Güterstücken im Namen der Gutherrn abzuschliesen und sich hiebei auf einen Cou.... Carl Senger in Besigheim als denjenigen bezogen, der nähere Auskunft hierüber ertheilt.
Wenn auch der gedachte Schallansky noch einzelnen vorgelegten, übrigens nicht amtlich beglaubigten Privatverträgen, wirklich die Ermächtigung zu Abschluß derartiger Verträge haben sollte, so ist jedenfalls so viel ausser Zweifel daß bei den Gegenwärtigen in der Wallachei bestehenden Verhältnissen, die Auswanderung dort hin durchaus nicht rathsam ist.
Die Schultheißen ämter werden daher beauftragt der Ausführung eines derartigen Vorhabens mit Nachdruck entgegen zu tretten, und von jedem solchen Versuche als bald Anzeige hieher zu machen
Oehringen den 24.Sept 1855


Name Vorname Familien-
stand
Beruf Ort Emigrations-
datum
Zielland Häfen Alter Anzahl
Erwachs.
Vermögen Sonstiges
Schanzenbach Johann Georg verh.   Verrenberg 1817     36
Jahre
2    
Lebhardt Georg Michael verh. Söldner Verrenberg 1817 Amerika   42
Jahre
2   mit seiner Ehefrau
Maria Dorothea
und Kinder
Utz Georg Friedrich verh.   Verrenberg 1817 Amerika   31
Jahre
2   Mit 2 Kindern
Zöller Johann Peter verh.   Verrenberg 1817 Caucasien
(Russland)
--- 27
Jahre
2   Er nahm seine Frau mit. Diese starb in Ungarn. Er kam zusammen mit seinem Vater als Bettler nach Verrenberg zurück.
Zöller Johann Michael Witwer Söldner Verrenberg 1817 Caucasien
(Russland)
--- 63
Jahre
2   Er nahm seine Tochter Magdalena Elisabetha mit. Diese starb in Ungarn. Er kam zusammen mit seinem Sohn als Bettler nach Verrenberg zurück.
Braun Johann Georg ledig   Verrenberg Feb. 1833 Amerika   27 Jahre 1   Er wanderte zusammen mit Matthäus Weber aus
Schuhkraft Johann Michael ledig   Verrenberg März 1833 Amerika   30 Jahre 1 700 Hat er Mathäus Weber und Johann Georg Braun getroffen, die bereits 1833 ausgewandert waren?
Weber Matthäus ledig   Verrenberg Feb. 1833 Amerika   27 Jahre 1 150f. Er wollte ursprünglich zusammen mit seiner 18jährigen Schwester gehen
Er wanderte zusammen mit Johann Georg Braun aus
Krämer Johann Matthäus verh. Bauer Verrenberg 1834 Amerika   50
Jahre
2   Mit Sohn Johann Georg.
Seine Frau und 2ter Sohn blieben zurück.
Weber Georg Friedrich ledig   Verrenberg Feb. 1847 Amerika   31 Jahre 1 80f.  
Brand Georg Adam ledig Bäcker Verrenberg 27.03.1849 Nordamerika   20
Jahre
1 150 fl. Er nahm von seinem Vermögen von 2600f. lediglich 200fl. mit, bis er in Amerika dann wirklich sesshaft ist.
Halt Georg Adam ledig   Verrenberg 1849 Amerika   26
Jahre
     
Ilshöfer Friederika Jakobina ledig   Verrenberg 1851 Amerika   22
Jahre
1   Mit Sohn Christian Ludwig
Schüler Wilhelm Jacob verh   Verrenberg Mai 1853 Amerika   38
Jahre
2    
Grabert Friedrich verh.   Verrenberg Juni 1853 Nordamerika
Indiana
  27 Jahre 2   Mit seiner Frau Jakobine Christiane Friederike Mäule
Schanzenbach Catharina Magdalena ledig   Verrenberg Juli 1853 Nordamerika   20 Jahre 1    
Kraft Michael ledig Bauer Verrenberg 04.02.1854 Nordamerika   57
Jahre
1 200 fl. Bürge: Sein Bruder Matthäus Kraft aus Verrenberg
Wenninger Johann Peter ledig Metzger Verrenberg 14.07.1854 Nordamerika   16
Jahre
    1 Kind
Kronmüller Ludwig ledig Bauer Verrenberg 31.08.1854 Nordamerika   37
Jahre
1    
Weiß Johann verh. Weingärtner Verrenberg 21.11.1854 Nordamerika   37 + 32 Jahre 2   Johann Weiß mit seiner Ehefrau.
Mäule Jakob verh. Schmied Verrenberg 23.11.1854 Nordamerika   56 Jahre 2   öffentl. Gläubigeraufruf
Mit Frau Caroline
und Sohn Jacob
Layh Johann Peter ledig   Verrenberg 1855 Amerika   36
Jahre
1   lt. Gemeinderatsprotokoll bereits 1854 ausgewandert
Az Franz Gottlieb ledig Metzger Verrenberg 18.07.1855 Nordamerika
PA-N.A.
  24
Jahre
1 1000 fl. Er war bereits um 1852 nach Pennsylvania gereist
Grockenberger Johann Georg verh.   Verrenberg Juli 1856 Westf.   43
Jahre
     
Az Aam Georg ledig   Verrenberg Feb. 1866 Nordamerika Bremen
New York
20
Jahre
     
Weber Johann Friedrich verh. Bauer Verrenberg vermutl 1866 Amerika     1    
Reber Christian Friedrich verh. Bauer Verrenberg Feb. 1881 Nordamerika Antwerp
49
Jahre
1   ohne seine Frau
Frank Johann Ludwig verh. Taglöhner Verrenberg 02.06.1881 Amerika Antwerp
New York
32 Jahre 1   Frau und Kinder kamen 3 Monate später nach
Knappenberger Johann Friedrich verh. Bauer Verrenberg 02.06.1881 Amerika Antwerp
New York
34 Jahre 1   Frau und Kinder kamen später nach
Messer Michael Peter Jakob verh. Eisenbahn- hilfswärter Verrenberg 02.06.1881 Amerika Antwerp
New York
34 Jahre 1   Frau und Kinder kamen später nach
Messer Barbara verh.   Verrenberg Sep. 1881 Amerika   32 Jahre 1   Sie folgte mit den 4 Kindern ihrem Mann nach
Frank Christine Catharina verh.   Verrenberg Sep. 1881 Amerika   36 Jahre 1   Sie folgte mit den 2 Kindern ihrem Mann
Ruth Elisabetha Christina ledig   Verrenberg Sep. 1881 Nordamerika   18
Jahre
1   alleine
Ahles Jakob Karl led. Weingärtner Verrenberg ca. Feb. 1882 Amerika   33 Jahre 1   Im Gemeinderathspr. findet sich led. ein Ersuchen nach einem Heimathschein
Ahles Johann Michael led. Weingärtner Verrenberg ca. Feb. 1882 Amerika   26 Jahre 1   Im Gemeinderathspr. findet sich led. ein Ersuchen nach einem Heimathschein
Knappenberger Christine Katharina verh.   Verrenberg Mai 1882 Amerika   30 Jahre 1   Sie folgte mit den 3 Kindern ihrem Mann
Zentler Georg Karl Franz ledig   Verrenberg Juli 1882 Amerika   23
Jahre
1    
Ruth Johann Friedrich verh. Bauer Verrenberg März 1883 Nordamerika   47
Jahre
2   mit 4 Kindern
Keppler Catharina Magdalena ledig   Verrenberg August 1883 Nordamerika Bremen
New York
16
Jahre
1    
Sauer Catharina Magdalena     Verrenberg Oktober 1883 Nordamerika   43
Jahre
    Mit Ihr wanderte Christina Sauer (geb. 19.02.1864) aus Baumerlenbach aus.
Feinauer Johann Christian ledig Schmid Verrenberg Feb. 1884 Amerika   25
Jahre
1    
Vollmer Christiana Friederika verh.   Verrenberg 1890/1 Amerika     1   Sie war in der Zeit, in der ihr Mann im Gefängnis war nach Amerika ausgewandert
Vollmer Johann Christian verh. Bauer Verrenberg 1892/3 Amerika     1   Seine Frau war in der Zeit, in der er im Gefängnis war bereits nach Amerika ausgewandert
Debold Johann Georg verh. Bauer Verrenberg 1894 Amerika Antwerp       Die Mutter mit den Kindern 18.07.1894.
Vater war schon da.
Reber Maria Luise verh.   Verrenberg März 1895 Nordamerika Antwerp
Philadelphia
66
Jahre
1   zu ihrem Mann?
Rupp Friederik Christian Johann     Verrenberg ca. 1895 Amerika         Mit seinem Bruder?
Rupp Johann Karl     Verrenberg ca. 1895 Amerika         Mit seinem Bruder?
Spengler Catharina Friedrika ledig   Verrenberg ca. 1898 Amerika         heiratete in Amerika
Bort Johanna Cath. Rosina     Verrenberg   England         Sie heiratete in England
Bort Johanne Cath. Rosine     Verrenberg   England         Sie heiratete 1892 in England
Gall Johann Jakob Karl verh. Taglöhner Verrenberg 189? Amerika          
Braun Johann Rudolf Gottlieb verh.   Verrenberg ca. 1900 Nordamerika          
Mezger Ludwig Christian   Mezger Verrenberg Feb 1903 Australien Perth   24 Jahre      
Hanselmann Rosine     Verrenberg 19?? Amerika          
Frank Andreas Christian Eberhard   Bauer Verrenberg zw 1898 u 1906 Amerika         Er ging ohne seine Frau
Messerschmidt Luise   Hausfrau Verrenberg 15.09.1938 New York Bremen
New York;
37
Jahre
     
 

Quellennachweis.

Internet: Auswanderung aus Südwestdeutschland im Landesarchiv Baden Württemberg
Buch "Öhringen Stadt und Stift"
Buch "Wüstenrot - Geschichte einer Gemeinde im Schwäbisch-Fränkischen Wald"
Buch "Pfedelbach 1037-1987"
Bitzfelder Kirchenbücher (Mikrofilm KB 1501)
Buch "The Wuerttemberg Emigration Index, Volume Six"
www.ancestry.com
Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
Stadtarchiv Heilbronn E 002-137